The Wave Pictures - Beer In The Breakers - Cover
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The Wave Pictures Beer In The Breakers


  • Label: Moshi Moshi/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit 1998 existieren The Wave Pictures aus England, die als typische DIY-Band starteten und nach in Eigenregie vertriebenen CD-Rs inzwischen auf mehrere offiziell veröffentlichte Singles, EPs und Longplayer zurückblicken können. Nach wie vor sind The Wave Pictures weit entfernt von einer perfektionierten Spielweise und das ist gut so, denn der zweifelsfrei vorhandene Charme dieser Band entsteht gerade durch die Spontaneität und das scheinbar simple Drauflosspielen. Dementsprechend wurde das vorliegende „Beer In The Breakers“ live an einem Tag im Studio eingespielt.

Auf „Beer In The Breakers“ hat das Trio wieder auf die die bewährten Zutaten zurückgegriffen. David Tattersalls Stimme klingt wieder als hätte man die Stimmbänder von Jonathan Richman und Wreckless Eric gekreuzt und anschließend in Honig getaucht. Seiner Stromgitarre entlockt er abermals diese schnellen, blitzenden Licks oder spielt ökonomisch entartete Gitarrensoli zwischen Meat Puppets und Grateful Dead. Hin und wieder wird die Gitarre auch geschrammelt, dabei eher selten die akustische. Dazu spielt Franic Rozycki einen mäandernden, knarzenden Brummelbass, der gekonnt zwischen Rhythmus und Melodie pendelt, manchmal gar den Part der zweiten Gitarre übernimmt. Schlagzeuger Jonny Helm lässt sein Instrument scheppern und hat wohl bei Velvet Underground und Violent Femmes ziemlich genau hingehört.

In der Überzahl sind die im mittleren Tempobereich gespielten Songs wie z.B. „Blue Harbour“, „Now The Smile Comes Over In Your Voice“ oder „China Whale Brand“, die als eine Art Blaupause aller Wave-Pictures-Songs anzusehen sind. In anderen Worten: Charmante und melancholische Pub-Rock’n’Roll-Folk-Songs, die süchtig machen, zumindest diejenigen die mit einer Vorliebe für diese spezielle Spielart des Indie-Pop gesegnet sind. In jener Spielart lassen sich auch versteckte Tango-Elemente entdecken wie auf „Blink Back A Tear“ oder „Two Lemons, One Lime“, die an Tav Falco’s Panther Burns mahnen. Nicht zu vergessen „Rain Down“, das mit Velvet-Underground-Modern-Lovers-Rhythmik und Dylan-Harp aufwartet.

Ein Ohrenschmaus für sich sind die Balladen „Walk The Back Stairs Quiet“, „Epping Forest“ und der Titelsong. Hier scheinen die Instrumente selbstverloren und stoisch vor sich hin zu spielen, an manchen Stellen fürchtet man deren Stillstand oder sie bauen tiefschwarze Löcher, vor denen einen nur David Tattersall mit seiner samten reibenden Honigstimme retten kann. Nicht nur wie, auch was er singt ist erwähnenswert. Mit seinem ureigenen Blickwinkel lässt er Alltägliches, Trauriges und Skurriles vor dem inneren Auge des Hörers entstehen. Selbst die Romantizismen von The Smiths spielen in Text und Musik der Wave Pictures eine Rolle.

Natürlich kann man den Wave Pictures vorwerfen sich zu wiederholen, die Engländer packen jedoch so viel Leidenschaft, Herzblut, Charme und Melancholie in ihre Songs, dass man jetzt schon auf das nächste Album wartet oder auf einen verregneten Sommer, der einem die Zeit lässt „Beer In The Breakers“ immer wieder von vorne abzuspielen oder auf das kongeniale „Susan Rode The Cyclone“ zurückzugreifen.

Anspieltipps:

  • Now Your Smile Comes Over In Your Voice
  • Blink Back A Tear
  • Walk The Back Stairs Quiet
  • In Her Kitchen
  • Beer In The Breakers

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