Vanessa Carlton - Rabbits On The Run - Cover
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Vanessa Carlton Rabbits On The Run


  • Label: Razor & Tie
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Karrierestart von Vanessa Carlton (31) geht auf das Konto von drei der wichtigsten Männer in der US-Plattenindustrie. Carltons Talent als Sängerin und Songschreiberin wurde vom legendären Atlantic Records A&R-Mann Ahmet Ertegün entdeckt, der u.a. The Rolling Stones und Led Zeppelin zu Atlantic Records holte. Ihren Plattenvertrag unterschrieb sie als Teenagerin beim A&M-Label-Vorsitzenden Jimmy Iovine (der später z.B. den Rapper Eminem entdeckte) und ihr Debütalbum „Be Not Nobody“ (07/2002) wurde unter den Fittichen von Produzent und A&R-Mann Ron Fair (Christina Aguilera, U2, Lady Gaga, Ashlee Simpson, The Black Eyed Peas) eingespielt.

Nach ihrem letzten Studioalbum für A&M Records, „Heroes And Thieves“ (10/2007), das kommerziell alles andere als gut lief und ihr schleichendes Ende bei dem Majorlabel vorwegnahm, tauchte Vanessa Carlton von der Bildfläche ab und schlug sich mit einer zweijährigen Schreibblockade herum, die sich erst nach einem England-Besuch auflöste. Das Ergebnis war der Song „London“. Dadurch gestärkt kehrte Vanessa Carlton nach New York City zurück und machte sich an weitere Songs – ohne Plattenvertrag und ohne Unterstützung eines Produzenten.

Diesen fand sie in Steve Osborne, den Carlton sich aufgrund seiner Arbeit am Doves-Debütalbum „Lost Souls“ (04/2000) ausgeguckt hatte. Und wie es der Zufall so wollte, traf sie Steve Osborne, der auch schon mit U2, A-ha, Embrace und Placebo arbeitete, auf einem Frühlingsfest ihrer Freundin KT Tunstall. Die beiden kamen ins Gespräch und besiegelten ihre Kooperation.

Ihr neues Album, „Rabbits On The Run“, das beim Indie-Label Razor & Tie erscheint, nahm Vanessa Carlton in Peter Gabriels Real World Studios in Box, England auf. Als Musiker waren u.a. der Schlagzeuger Patrick Hallahan von der Band My Morning Jacket sowie der Gitarrist Ari Ingber (The Upwelling) beteiligt, was auf eine weniger dem Mainstream geschuldete Arbeitsweise hindeutet. Und in der Tat ist der Sound der zehn neuen Songs deutlich rauer, wenngleich sie noch immer ihr Wohl in der Popmusik suchen. Dies liegt an der Aufnahmetechnik, bei der die Songs weitgehend live eingespielt wurden, was dem Klangbild allerdings sehr gut tut.

Mit „Rabbits On The Run“ präsentiert sich Vanessa Carlton als gereifte Musikerin im Songwriter-Pop-Segment. Denn dass es der Sängerin und Songschreiberin in den letzten Jahren nicht besonders gut ergangen ist, hört man den Songs des Albums deutlich an. Darin verarbeitet die 31-Jährige ihre persönlichen Probleme mit düsteren Stücken, die auf schwere Bläser- („The marching line“) und Streicherparts („In the end“) setzen, die mit Pianoklängen in Moll ergänzt werden („London“).

Eher selten blitzt Vanessa Carltons vertraut-markantes, federleichtes Pianospiel der frühen Jahre auf („Carousel“, „Fairweather friend“ sowie „Dear California“ mit herrlichem 60er-Jahre-Flair). Stattdessen gibt es heuer raumgreifende Kompositionen, die an Tori Amos erinnern („Hear the bells“, „Tall tales for spring”) und verspielte Lieder wie „I don’t want to be a bride“, das mit einer Gänsehautmelodie, einem zu Tränen rührenden Text („I wanna be your girl, spend this life with you, but I don’t want to wear white“) sowie einem Kinderchor als Gefühlsverstärker daherkommt.

Nach Jahren der Verunsicherung und Druck seitens der Plattenfirma gelingt Vanessa Carlton mit „Rabbits On The Run“ der künstlerische Befreiungsschlag in Richtung erwachsener Popmusik, die ebenso eingängig wie authentisch und aufrichtig ist. Diesen Sprung vom jungen Popstar hin zum gereiften Künstler schaffen nur wenige. Vanessa Carlton ist auf dem besten Weg dazu!

Anspieltipps:

  • Get good
  • Carousel
  • Dear California
  • The marching line
  • I don’t want to be a bride

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