Kolkhorst - Das Bisschen Hollywood - Cover
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Kolkhorst Das Bisschen Hollywood


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kolkhorst? Was ist das denn für ein Name? Was wird hier denn parodiert? Was für eine Referenz versteckst sich in diesem merkwürdigen Namen? Hoffentlich musste Kai Uwe Kolkhorst sich diese Frage nicht allzu oft anhören, wenn über seinen Nachnamen gerätselt wird. Inzwischen ist Kolkhorst allerdings keine Unbekannte mehr in der deutschen Musiklandschaft und hat mit „Pizza Amore“ (2004) „Wir Sind Größer“ (2006) und „Wir Bleiben Alle“ (2008) bereits drei überdurchschnittlich gute Alben abgeliefert. Nach mehr als zwei Jahren folgt der vierte Streich und die Frage ist, ob der pumpende Electro-Rock des Niedersachsen inzwischen obsolet geworden oder frisch wie je zuvor ist.

Man sagt gerne, das rohe Kräfte sinnlos walten und so scheint es auch zum Auftakt des Albums, wenn „Das Bisschen Hollywood“ textlich und musikalisch verstörend wirkt und keinen festen Boden unter den Füßen bekommt. Dann nimmt der knapp eineinhalbminütige Opener Fahrt auf und kann als Vorgeschmack auf das wütende „Alles Verrückt“ gesehen werden. Umgangssprachlich, ehrlich und vom Beat getrieben sorgt dieser Song als Aushängeschild für den Electro-Rock Kolkhorsts für Bewegung. Diese Art von Musik macht Spaß, trifft das Mark zwischen Retro und Moderne. Leider kommt es nur noch zwei weitere Male zu so tanzbaren, rockigen Liedern. Dabei handelt es sich um die lebensbejahende Nummer „Du Willst Mich Leben Sehen“, die mit funkigen Gitarren und einem auf seine ganz eigene Art romantischem Text punktet und den Techno-Polka-Verschnitt-Marie, der allerdings einen Schritt zu weit Richtung Thrash gegangen ist und mit seinem Haudrauf-Beat schnell jeden Nerv aus dem Hörer prügelt.

Wie gut es Kolkhorst tut, wenn er den Rock in Electro-Rock nicht vergisst, beweisen die beiden positiven Stücke und auch das langsame „Ohne Musik“, welches mit viel Bass und verzerrtem Gesang verführerisch und authentisch wirkt. Leider lässt sich der Musikbastler zu oft von der Elektronik mitreißen und so sind viele Lieder überholt und klingen auch gesangstechnisch mit zu viel Pathos unterfüttert. „Guten Tag“ zum Beispiel hat gute Anlagen ein weiterer Tanzflächeneisbrecher zu sein, doch die Strophen und der Hang zum Krach gegen Ende des Liedes erinnern mehr an Epilepsie, als an gewollt zuckende Glieder. Genauso ist es mit „Die Spitze“, das man entweder unendlich unterhaltsam findet oder die Falco-Reminiszenz fehl am Platze findet. Ob man es mag oder nicht: Man muss Kolkhorst lassen, dass er den Meister gut trifft.

Auch ein paar ruhige Nummern haben sich auf das neue Album geschlichen und versuchen sich ebenfalls ins Gesamtbild einzufügen. Das geht zwar auch mal daneben, wie mit „Bunter Hund“, welches ein experimentell interessanter Ansatz ist, der allerdings letztlich nur vor sich hinwabert. Im Gegensatz dazu kann „Der Boden“ besonders mit seinem starken Chorus und der ansteigenden Instrumentalisierung während der Laufzeit überzeugen. Völlig fehl am Platz scheint jedoch dagegen „Leg Mir Deine Liebe In Den Weg“. 90% der Laufzeit des Albums überrollt uns Kolkhorst mit Elektronik-Spielereien und dann klatscht er uns eine kleine Akustik-Ballade an den Kopf. Auch wenn das Stück besser ist als „Bunter Hund“ passt es einfach nicht ins Gesamtbild, wo man lieber noch so einen in Bass getränkten Track wie „Hospitalist“ gehört hätte. Auf gut der Hälfte des Albums kommt der Niedersachse den Wünschen des Hörers glücklicherweise nach und es gibt ein reichhaltiges Angebot an einfachen, aber mitreißenden Tracks. So und nicht anders wünscht man sich Kolkhorst: Bedingungslos, leidenschaftlich, intensiv und irgendwie anders.

Anspieltipps:

  • Alles Verrückt
  • Der Boden
  • Guten Tag

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