This Will Destroy You - Tunnel Blanket - Cover
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This Will Destroy You Tunnel Blanket


  • Label: Monotreme Records/CARGO
  • Laufzeit: 61 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die drei Anfangsminuten haben es in sich, aber nicht musiklisch gesehen, denn da passiert so gut wie nichts, vielmehr psychologisch gesehen. Wird der Hörer es schaffen nicht nervös zu werden und ständig am Lautstärkeregler zu drehen, denn in diesem Fall droht ihm eine böse Überraschung. Plötzlich setzt die Geräuschkulisse ein und der Hörer befindet sich mitten in einem wahren Sturm der Geräusche. Ja, Geräusche, denn von Klängen kann nicht wirklich gesprochen werden. Das sind doch nicht bloß vier Musiker aus Texas, da hat jemand ein ganzes Orchester nur mit Gitarren ausgestattet. Die Jungs haben wohl die sogenannte wall of sound etwas zu wörtlich genommen und tun alles, um dies beim Album eröffnenden „Little Smoke“ zu realisieren. Was dabei entsteht ist keinesfalls reine Kakophonie, es sind deutlich erkennbare (harmonische) Strukturen vorhanden, die von Rauschsignalen überlagert und verfremdet werden.

„Tunnel Blanket“ ist das zweite vollwertige Album von This Will Destroy You und erhielt von Fans den inoffiziellen Titel „Chinese Democracy Part 2“, als Zeichen des Unmuts über die lange Wartezeit zwischen Ankündigung und Erscheinen des Albums. Fertig war „Tunnel Blanket“ schon Anfang 2010 und die Stücke werden auch schon seit langem live gespielt, aber erst jetzt erscheint das Album. „Little Smoke“ ist hierbei ein schwieriger Start in ein allgemein extrem uneingängiges Werk, das ansonsten deutlich leiser und gleichförmiger daherkommt als der erste Track. Die typischen Strukturen des Post-Rock werden auf „Tunnel Blanket“ dermaßen auf die Spitze getrieben, dass sie quasi ad absurdum geführt werden. Vor allem der Spannungsaufbau ist das wohl wichtigste Element der Musik und wird Stück für Stück fließend vorangetrieben, aber ohne am Ende eine Energieentladung zu initiieren. Die aufgestauten Emotionen zerfallen dabei oft wie ein Kartenhaus ohne den ersehnten Befreiungsschlag.

Einzig zwei Songs beinhalten etwas lautere Momente („Little Smoke“ und „Black Dunes“), eine gewisse Varianz der Dynamik, viele sind jedoch ein Hauch von nichts, bloße sich sehr langsam dahin windende Klanggebilde („Reprise“ und „Glass Realms“). Die Musik wirkt dadurch oft langatmig und geradezu langweilig. Der Klang scheint aus einer Gruft zu kommen, er ist ein wenig matt, verrauscht und langsam anschwellend, doch wenigstens die Atmosphäre, die voll von düsteren und unheimlichen Elementen ist, schafft es manchmal den Hörer in den Bann zu ziehen. Die Stücke sind irgendwie verängstigend und dadurch auch faszinierend, für gruselige Horrorstreifen geradezu prädestiniert. „Tunnel Blanket“ ist nicht für den Alltag geeignet, doch wofür es geeignet ist lässt sich auch nicht ohne weiteres feststellen. Irgendwo ist das Kunst, aber leider auch etwas langweilige Kunst.

Anspieltipps:

  • Little Smoke
  • Black Dunes

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