Gavin Friday - Catholic - Cover
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Gavin Friday Catholic


  • Label: Ruby Works/CARGO
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Woher kenne ich diese Stimme nur?“ war der erste Gedanken nach „Able“, der Eröffnung von Gavin Fridays neuem Solo-Album „Catholic“. Diese Art von Popmusik klingt wie eine Mischung aus Bono, Depeche Mode und manchmal sogar Leonard Cohen und natürlich David Bowie. Die rockigen Elemente lässt der Kindheitsfreund Bonos beiseite und konzentriert sich ganz auf ätherischen Pop, der die Hörer auf sanften Wolken schweben lassen soll. Aber woher verdammt noch mal kennt man den Mann bloß, wenn nicht von seiner alten Punk-Band Virgin Prunes?

Das Dilemma eines wirklich traumhaft ruhigen Pop-Albums ist die Streckung der Songs. Friday lässt sich jede Menge Zeit mit seinen Liedern und das vom ersten Stück an. „Able“ ist eine Nummer, welche die perfekte Mischung aus Ruhe und vorantreibender Kraft findet. Eigentlich kann man an dieser Nummer nichts falsch machen und auch die etwas aufgesetzt lässige Bridge ergibt im Gesamtbild immer noch Sinn. Der Fehler ist einer, den auch Kashmir auf ihrem gefeierten „Zitilites“ gemacht haben. Zu gut war „Rocket Brothers“, damit ihm die offensichtliche Überlänge das Genick brechen konnte, aber dazu kommt auch noch, dass nur zwei oder drei Tracks auf dem Album der Dänen zu lang geraten ist. Gavin Friday tappt von Lied zu Lied in diese Konstruktionsfalle.

Besonders „A Song That Hurts“ bekommt mit seinem Titel eine traurige Doppeldeutigkeit, denn Gavin über fünf Minuten lang Falsetto heulen zu hören, bringt einfach keine wirkliche Stimmung zum Vorschein. Als gutes, altes Ausgleichstück gibt es im Anschluss mit „The Only One“ auch das einzige Stück auf dem Album, das nicht an Überlänge leidet. Selbst der kürzeste Song „Epilogue“ schafft es nicht knackig zu wirken. Dadurch dass es sich um einen langgezogenen Ton zu handeln scheint, der drei Minuten durch den Mixer geschleudert wurde, kommt nicht wirklich Schwung auf. Zwar scheinen die Lieder alle zusammen zu passen, doch das Album nimmt ein derart langsames Tempo auf, dass man sich schnell in einer Endlosschleife wägt. Dagegen steht das ebenfalls objektiv kurze „Perfume“ als Ausnahme-Rock-Nummer parat und schafft es subjektiv doch viel länger zu wirken, da die berühmten drei Akkorde uninspiriert und nicht mit genug Power aus den Boxen schmettern und länger wirken, als sie wirklich sind.

Weniger ist mehr heißt der große Kritikpunkt an Gavin Fridays „Catholic“. Wer nach einer knappen Stunde Popmusik meditativer Art sucht, der wird hier natürlich fündig und kann sich an einer exzeptionellen Stimme des Business erfreuen. Zwar ist sein Duett mit Cillian Murphy im Film „Breakfast On Pluto“ unterhaltender als dieser leider etwas verwaschene Pop-Mix, aber immerhin. Moment mal! Daher kennt man das Gesicht des Mannes also! Zumindest diese Frage stellt man sich nicht mehr, dafür aber die, warum richtig gute Popmusik in Gavin Fridays Fall einfach nicht den Schlusspunkt gefunden hat. Dabei weiß doch jedes Kind, dass man aufhören soll, wenn es am Schönsten ist.

Anspieltipps:

  • Able
  • The Only One
  • The Sun & The Moon & The Stars

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