Skold - Anomie - Cover
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Skold Anomie


  • Label: Dependent/ALIVE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Prise Industrial, eine Messerspitze Metal und eine Hand voll Härte: Es ist schwer zu beschreiben, was für Musik Tim Skold macht, wenn er nicht gerade für Marilyn Manson, Shotgun Messiah oder KMFDM die Gitarren zupft. Wummernde, stählerne Beats im Hintergrund versuchen uns daran zu erinnern, dass Skold ein Industrial-Rocker der alten Schule ist, doch damit würde man dem durchaus erfolgreichen Mann nicht gerecht werden. Nach 15 Jahren will er das nochmals ganz alleine Beweisen und traut sich mit „Anomie“ erst zum zweiten Mal ganz allein auf die Bühne. Wahrscheinlich profitiert der Gitarrist auch von den bereits erreichten Erfolgen, sodass „Anomie“ auch Programm sein könnte. Anbiedern muss der gute Mann sich schließlich nirgends mehr.

Von Beginn an knallen die Beats motorisch auf den Hörer ein, wobei auch moderner Hardrock in Form von „Here Comes The Thunder“ und gleich im Opener für Abwechslung sorgt. Abgesehen davon, dass Tim Skolds Stimme weit davon entfernt ist, etwas Besonderes zu sein, ist zumindest für eine gute Mischung gesorgt. Während das erste Drittel des Albums trotz ersten Hardrock-Anklängen dem Industrial treu bleibt, wandelt sich das Album ab der Hälfte langsam in ein Hardrock-Album, welches nicht selten auf Balladen setzt (z.B. „Miserably Never Ever“, „And Then We Die“). Dazwischen lassen sich treibende Nummern ausmachen, wie das Massen kompatible „The Hunger“. Kann da noch etwas schief gehen?

Wie bei so vielen Fragen ist die Antwort leider weder ja, noch nein. Tim Skold macht es einem unsagbar schwer und liefert Musik ab, die sich immer wieder Vergleichen zu entziehen versucht. Die Balladen hat man alle schon gehört und doch passen sie so gut ins Konzept des Albums, dass nichts abgekupfert klingt. Das ist fraglos gut und so verliert man sich in besonders in Industrial-Nummern sehr gut. Das klappt zu Beginn des Albums und auch gegen Ende mit „Tonight“ erhellt sich das Gemüt, trotz der durchgehend drückenden Stimmung. Aber wer von Industrial-Rock Sonnenscheinmusik erwartet, sollte sich nochmal einen Genre-Guide zu Gemüte führen.

„Anomie“ ist sehr gut produziert, Abwechslung ist gegeben und Tim Skold hat seine Fähigkeiten an der Gitarre über die Jahre nicht eingebüßt, sodass man sich ein ein gutes Dutzend köstlicher Riffs freuen darf. Was ist also der Haken bei der Geschichte? Es fehlt schlichtweg an Sogkraft. Die Lieder sind da und klingen gut, doch bis auf einige gute Soli des Gitarristen bleibt nichts im Ohr oder im Kopf. Die Industrial-Stücke werden ihrer Aufgabe noch am ehesten gerecht, wenn sie während ihrer Laufzeit für Tanzwut sorgen. Genau dafür ist sie gedacht, doch „Becoming“, „The Hunger“ und auch eine Ballade wie „What You See Is What You Get“ wollen in Erinnerung bleiben. Da kann es nichts Gutes heißen, wenn schon nach wenigen Sekunden die Melodie dem Kopf entwichen ist und gähnende Leere, gepaart mit der Lust auf Industrial vorherrscht. So bleibt Skolds Rückkehr „Anomie“ eine Blaupause und nicht das von Fans erhoffte Meisterwerk. Schöne Schablonen, die sich leider wie ein Korsett über die Musik legen oder zumindest einfach nicht die Form von Größe erreichen, die sich der Macher wahrscheinlich gewünscht hat.

Anspieltipps:

  • The Hunger
  • Suck
  • And Then We Die

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