Aristillus - Devoured Trees & Crystal Skies - Cover
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Aristillus Devoured Trees & Crystal Skies


  • Label: Fysisk Forma
  • Laufzeit: 35 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Tellerwäscher zum Millionär. Dieser Traum geht nicht nur im Land der Schönen und Reichen, den USA in Erfüllung, sondern auch an anderen Orten. In diesem Fall reden wir aber auch nicht von so prestigeträchtigen Orten wie Berlin, Paris oder London. Viel eher verschlägt es uns nach Norwegen, wo ein junger Musiker voller Hoffnung und Ambitionen vom Cover-Falter zum Noise-Rocker wird. Zwar prallen seine Versuche, die Lieder seiner Band bei seinen Vorgesetzten anzupreisen, erfolglos ab, doch zumindest hat der damals 16jährige seinen Fuß in die Tür bekommen. Über Ecken und Umwege schafft er es, seine Teenie-Band an den Mann zu bringen und worüber ein paar Wochen vorher noch gelacht wurde, das wird jetzt als neue Hoffnung der norwegischen Hardcore-Szene inszeniert. Schlechtes Lustspiel oder günstige Wendung des Schicksals.

Zumindest muss man sich nicht vor den bekannten Namen der Branche verstecken, auch wenn man natürlich erst mal die Vorband für Gruppen wie Bullet For My Valentine sein darf. Das Album klingt von der ersten Sekunde an gut produziert und das Spiel der vier Jungs wirkt keinesfalls eintönig. „Dying, Keep Dying“ und „Neurotic“ eröffnen das Abum mit viel Krach und Kraft, sodass nicht viele Wünsche übrig bleiben, wenn man Aristillus genau wegen diesen Eigenschaften ausgesucht hat. Der Sound ist roh und klingt nach ehrlicher Liebe fürs Genre. Natürlich wird sich bei sämtlichen Vorreitern des Genres bedient, doch das in einer Qualität, dass man bei Weitem nicht von lahmem Abklatsch reden kann.

Danach verliert das Album allerdings seine Fahrt, was nicht an Instrumentaleinschüben liegt, sondern viel mehr daran, dass die ausgesuchte Formel sich bis zum Ende des Albums strikt wiederholt. Auch das wäre bei einem kurzen, knackigen Langspieler kein Problem, aber den vier Norwegern fallen einfach keine Riffs ein, die auf Dauer fesseln. Kurzweiligkeit ist gut und macht mitunter die besten Alben des Jahres aus, doch wenn ein Album spätestens nach der Hälfte der Spielzeit anfängt zu langweilen, ist das kein gutes Zeichen. Allein das Gespür für mehr als einfach nur Krach rettet die Jungs ein ums andere Mal, sodass „Circles“ nahezu radiotauglich scheint und „When The Flower Grows“ zumindest mehr in ein paar Minuten packt, außer roher Gewalt.

Aristillus versuchen weniger verkopft zu klingen als Größen wie Isis oder Nachahmer-Neulinge der Marke This Will Destroy You. Tatsächlich ist es anfangs auch recht angenehm zu wissen, dass Post-Rock nicht gleich an der Zehnminutenmarke kratzen muss. Und auch wenn die straighten Nummern schnell eintönig werden, stehen sie alleine doch großteils gut dar. Die instrumentalen, nachdenklichen Momente dagegen ersticken an ihrer Geradlinigkeit und verenden in Langeweile. Hier muss die richtige Balance noch gefunden werden. Balance ist das richtige Stichwort für das Album, da man „Devoured Trees Crystal Skies“ letztlich eher als Fragment ansehen möchte und nicht als zusammenhängendes Werk. Wenn die Jungs es jetzt noch schaffen den richtigen Dreh zu finden, sodass man sich mit der Musik ihrerseits identifizieren möchte, dann könnte der große Schritt gelingen. Die fehlende Anbiederung zur Masse, sowie die nötige Härte sind zumindest ein guter Anfang.

Anspieltipps:

  • Dying, Keep Dying
  • Circles
  • When The Flowers Grow

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