3 Daft Monkeys - The Antiquated & The Arcane - Cover
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3 Daft Monkeys The Antiquated & The Arcane


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Hereinspaziert in eine Welt voller akustischer Klänge, die von Gypsy bis Celtic reichen und dem Hörer nach aller Kunst der Folklore verzaubern sollen. Hüter dieses auditiven Erlebnisses sind die 3 Daft Monkeys. Schon 10 Jahre rauben Tim Ashton (Gesang, Gitarre), Athene Roberts (Geige, Gesang) und Jamie Waters (Bass, Percussion, Gesang) Fans von synthetischer Musik den letzten Nerv, da sie all das verkörpern, was nicht aus dem PC kommt. Ihre Lieder sind Live eingespielt, Fehler sind erlaubt und auch der Gesang ist alles Andere als glatt gebügelt. Auch auf dem fünften Album werden die drei wilden Affen ihrem Namen gerecht und überraschen mit vielen verschiedenen Variationen von dem was wir als Folk-Musik kennen.

Außer großen Fragezeichen lässt die erste Minute des Titeltracks zunächst nichts zu, aber dann entwickelt sich ein von der feurigen Violine angefeuerter Folk-Song, der sich die Bezeichnung Gypsy wirklich verdient hat. Ein Ohrwurm sondergleichen im Chorus und ein natürliches Erlebnis in den Strophen. Ein wirklich guter Song, der allein an der übergreifenden Schwäche des Albums leidet: Dem Gesang. Weder Ashton, noch Roberts schaffen es Töne zu treffen, die wirklich Stimmung aufkommen lassen. Natürlich gehört es bei Folk dazu, dass die Stimmen bei schnelleren Stücken rau sein dürfen, aber gerade Ashton ist einfach immer nur an der Grenze zum Entnervenden.

Dagegen stehen die Arrangements dieses Albums, die bunter als die Süßigkeiten in einem amerikanischen Süßwarenladen sind und gleichzeitig auch noch vom Inhalt her überzeugen (keine Kritik an amerikanischen Süßwarenläden!). Den Großteil machen die „normalen“ Gypsy-Folk-Nummern aus, die sich durch die ekstatischen Streicherpassagen auszeichnen. Erfreulicherweise macht jedes Lied aufs neue Laune und so wippt man beschwingt zu „Perfect Stranger“, „Just A Ride“ oder „Days Of The Dance“, als wäre es der erste Song, der einen auffordert sich in Wallung zu versetzen.

Damit dies auf Dauer nicht langweilig wird – auch wenn es dafür keine Anzeichen gibt – setzt die Band mit poppigen Noten Gegenakzente. „Under One Sun“ ist eine süße Pop-Nummer mit leicht psychedelischen Zügen, was allerdings nicht heißt, da jedes schnellere Lied auf diesem Album die Bezeichnung durchgeknallt verdient hat. Die Balladen „Doors Of Perception“ und „Time To Evolve“, sowie auch der hymnische Abschluss „Love Life“ geben sich zwar alle Mühe, die Band auch in einem massenkompatiblen Licht strahlen zu lassen, doch so ganz gelingt dieses Vorhaben nicht. Zum Glück für alle, die sich mit dem verquerten Folk der Briten angefreundet haben, denn dafür bleiben auch die langsamen Nummern authentisch.

So ist man nach einer knappen Stunde nahezu überfordert, was da auf einen niedergeprasselt ist und sich teilweise gewaltsam in den Gehörgang gefräst hat. Einsteiger in das Gypsy-Folk-Genre werden leichtere Kost bevorzugen, doch wer gerne ins kalte Wasser springt, der ist hier genau an der richtigen Adresse. Folk und Reggae („Casualties Of Tour“)? So etwas gibt es (fast) nur hier! Wer über die leider auf Dauer nervigen Stimmen der Sänger hinwegkommt oder sowieso der Ansicht ist, dass Folksänger schräg singen müssen, der wird dieses Album schnell und zu Recht ins Herz schließen.

Anspieltipps:

  • The Antiquated & The Arcane
  • The Kids
  • Just Like The Old Days

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