Finnr´s Cane - Wanderlust - Cover
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Finnr´s Cane Wanderlust


  • Label: Prophecy Productions
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Spazierstock im Bandnamen, die sprichwörtliche „Wanderlust“ als CD-Titel, da kann es doch nur im Frühtau zu Berge gehen. Weit gefehlt! Schon das Cover verdeutlicht, dass es sich bei dem 2010 in Amerika, nun auch hier erhältlichen, Debüt der kanadischen Band nicht um eine fröhliche Volksmusikscheibe handelt. In Grautönen ist eine Waldlandschaft und eine schwarze Gestalt zu sehen, lediglich ein heller Schein im Hintergrund suggeriert einen Hoffnungsschimmer für den Wald-Wanderer.

Eine Geschichte um dieses Motiv herum scheint die Band dem Hörer erzählen zu wollen. Dabei bleibt die Musik weitgehend instrumental, wenn Gesang ins Spiel kommt, dann nur in den Hintergrund gemischt. Das Resultat für den Hörer: Es entstehen im Kopf Bilder oder kleine Filme, die die Geschichte des Wanderers erzählen und vermutlich hat jeder Hörer dabei eine andere Geschichte vor dem inneren Auge.

Bei der Wahl der Instrumente gehen die Kanadier, deren Namen mit „The Bard, The Peasant und The Slave“ im Presseinfo angegeben sind, ebenfalls einen eher ungewöhnlichen Weg. Das Trio verzichtet auf einen Bass und setzt stattdessen ein Cello ein, welches mal gezupft, mal gestrichen wird. Ein Schachzug, der sich als großer Vorteil erweist, denn das Cello erzeugt warme wie kalte Töne. Damit erliegt Finnr´s Cane nicht der Gefahr durch schneidende kalte Gitarrenklänge eine kalte Atmosphäre zu schaffen, sondern hat das Cello als Gegenpol.

Dem geneigten Hörer wird zu Beginn des Konzeptalbums „The healer“, der Protagonist des Albums vorgestellt. Mit drei Minuten ist diese Einführung ziemlich kurz, beinhaltet aber schon viele Elemente, die man im Lauf des Silberlings immer wieder hört: Getragene, fast schon doomig-melancholische Klänge, die auch gelegentlich in Moll vorgetragen werden, gepaart mit positiv stimmenden Passagen, die gegen Ende in eine Wall of Sound münden.

„Snowfall“ mit seinem im Hintergrund durchschimmernden Gesang klingt nach einer Melange aus den französischen Alcest und den schwedischen Opeth. Freunden dieser beiden Bands wird wahrscheinlich aber nicht nur dieser Track gefallen. Episch breitet sich ein Soundteppich wie Schnee auf der Landschaft aus.

Dieses Bild in einer weitaus bedrohlicheren Ausprägung beherrscht dann „A winter for shut-ins“. Das von der Außenwelt abgeschnitten sein und die Auswirkungen auf das Seelenleben sind dermaßen intensiv vertont, dass eine Ruhepause nach diesem Lied eigentlich anzuraten ist, zumal hier auch rasende Black Metal Parts sich in das Klangbild einschleichen.

Doch übergangslos geht der „Lost traveller“ durch die (Sound-) Landschaft. Dies bewerkstelligt er anfangs semiakustisch mit Akustikgitarre und Schlagzeug. Nach etwa 1½ Minuten wird die Akustikgitarre mit einer sägenden und zugleich melodiösen E-Gitarre getauscht, doch die Grundstimmung bleibt unabhängig von der benutzten Gitarre identisch. Dafür sind die Melodien in diesem Stück enorm abwechslungsreich. In einem Moment wirkt das ganze geradezu fröhlich, dann scheint sich Verzweiflung breit zumachen, doch der Reisende scheint immer noch seinen Lebensmut zu haben.

Während es sich bei „Glassice“ um den fragilsten Song, vor allem ist hierbei die wunderschöne Cellomelodieee zu betonen, des Albums handelt, ist „The hope for spring“ das krasse Gegenteil. Dem Titel nach zu urteilen müsste hier ein frühlingshaft fröhliches Lied zu hören sein, doch die Band präsentiert stattdessen nach verhaltenem Beginn eine Black-Metal-Raserei inklusive geschrieenen Vocals par excellence. Die aus dem Synth kommenden Bläserklänge durchziehen dies jedoch und bilden einen Gegenpol, der die Melodie dann teilweise in balladeske, dann wieder rockige Klänge überführt um schließlich wieder in Black Metal Drumming überzugehen. Wenn so der Frühling für Finnr´s Cane eingeläutet wird, muss man schon fast Angst vor dem Sommer haben. Trotzdem wiederum ein starkes Stück Musik.

Nachdem der Wanderer auf seiner „Eternal“ Reise das „House of memory“ nach 2 weiteren sehr guten musikalischen Kleinoden erreicht hat, ist auch der Hörer am Ende der CD angekommen. Finnr´s Cane ist es mit „Wanderlust“ gelungen Musik nicht nur hörbar sondern auch sichtbar und fühlbar zu machen. Dies mag für viele Hörer sehr anstrengend sein, aber wer offen für viele Spielarten der Musik ist und auch vor Jazzpassagen im Metal nicht zurückschreckt, wird ein enorm kraftvolles und anspruchsvolles Werk zu hören bekommen.

Anspieltipps:

  • Lied 1-8

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