A Forest Of Stars - Opportunistic Thieves Of Spring - Cover
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A Forest Of Stars Opportunistic Thieves Of Spring


  • Label: Prophecy Productions
  • Laufzeit: 72 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn eine 2007 gegründete Band als ihr Gründungsjahr 1891 angibt und die Presseinfo von „zahlreichen Opium- und Absinth-geschwängerten Zusammenkünften, okkulten Riten und Séancen“ berichtet sowie von einer zuvor ungehörten gespenstischen, hypnotischen Musik, die zu jeder Sekunde den Geist des glorreichen Viktorianischen Zeitalters atmet und erschütterndes Zeugnis mannigfaltiger geistiger und sinnlicher Exzesse ablegt“ schwelgt, wird der geneigte Konsument entweder hellhörig oder schüttelt ungläubig den Kopf. Endgültig rätselhaft wird es, wenn die Band über ihr Zweitwerk „Opportunistic Thieves Of Spring“ schreibt, es sei ein „musikalischer Versuch, die Atmosphäre und Majestät des Alls mit einer erdrückenden Finsternis und einer gespenstischen Stimmung zu verschmelzen“.

Erschlagen wird der Hörer dabei von der Laufzeit von 72 Minuten, verteilt auf sechs Songs, die zwischen acht und fast 17 Minuten dauern. Diese Informationen teilen zumindest den Anspruch der Band und den Umfang des Silberlings mit. Doch damit ist noch nicht mal andeutungsweise das musikalische Konzept und dessen Qualität umrissen. Auch wenn sich in der Spielweise der Drums und der Gesangstechnik deutliche Black-Metal-Verweise finden und A Forest Of Stars in der heimischen Presse als der neue Stern am britischen Black-Metal-Himmel bezeichnet werden, wäre es ein kapitaler Fehler die Band nur auf dieses Genre zu minimieren.

„Sorrow´s Impetus“, zeigt die stilistische Vielfalt der Briten. Neben Industrial, Black Metal, Tribal und Doom werden in dem 13-Minüter die Instrumente der Reihe nach eingeführt. Dabei fällt in den ersten sechs Minuten neben der Geige (gespielt von My Dying Brides Katie Stone, hier Queen Of The Ghosts genannt) auch noch Querflöte auf. In der zweiten Hälfte des Songs werden die Elemente dann variiert. So spielt beispielsweise eine E-Gitarre leise den vormaligen Querflötenpart, der sich immer mehr in einem Crescendo steigert, um dann abzubrechen und mit einer anderen Melodie fortzusetzen. Diese führt eine Rockgitarrenmelodie gepaart mit wehmütiger Geige ein. Ergänzt mit teilweise absichtlich stark hallenden Black-Metal-Screams und Blastbeats wird fast unmerklich in „Raven´s eye view“ übergeleitet. Zu diesem Titel sei an dieser Stelle auf die zweite Disc verwiesen. Neben einem Live-Clip ist auf dieser auch das inhaltlich wie visuell hochinteressante Video zu „Raven´s eye view“ enthalten.

Der Track brilliert vor allem in seiner Laut-Leise-Dynamik, die durch die Instrumentierung, die vor allem durch die Geige und Querflöte einen melancholischen Anstrich hält und sich von anderen Bands wie Mogwai, die die Dynamik zur Kunstform erheben, deutlich abheben. Der keifend-klagende Gesang verstärkt die Dramaturgie noch, auch wenn nach sechs Minuten die Geschwindigkeit der Gitarren enorm reduziert wird und stattdessen den melodieführenden Teil mit der Querflöte übernehmen bei dem schließlich auch noch die Geige mitspielt. Ein überraschender Break führt neben den männlichen Screams auch noch eine weibliche Stimme ein, die später deutlicher zu hören ist.

Das Intro von „Summertide´s approach“ überrascht, denn hier ist Kaffeehausmusik um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zu hören. Danach wechseln sich ruhige Klavierpassagen und Lava-artig kriechende Doom-Passagen ab. Auch hier steckt der Teufel im Detail. Die stets im Hintergrund wabernde Geige übernimmt die Leitung und führt in ein „Pink Floyd meets Jethro Tull in Metal“-Ende hinein. Bis dahin das eingängigste Stück der CD, aber auch hier ist die volle Aufmerksam des Zuhörers gefordert.

Dafür kann der Hörer bei den ersten Minuten von „Thunder´s cannonade“ entspannen (ja, richtig gelesen!). Eine wiederum tolle Geigenmelodie, in die eine Akustikgitarre eingebettet wird, umschmeichelt das Ohr. Auch der Stilwechsel danach ist bei weitem nicht so krass wie manch anderer zuvor, Gitarrenrock, überlagert von der Geige, bereitet auf das folgende vor. Sänger Mr. Curse screamt den Übergang in eine seltsame Melange aus allen Stilen (ohne in Kakophonie) abzugleiten, und dann wieder in Doom aufgelöst wird. Ambient-Klänge, mit Mr Curse Screams versetzt, ohne dabei in das moderne französische Black Metal Klischee zu verfallen, beherrschen anfangs „Starfire´s money“ dann aber erfährt der Song eine zuvor bereits angedeutete Wendung. Queens klare Singstimme dringt erstmals in den Vordergrund und gibt dem doomigen Gesamtsound eine sehr sphärische Note, die durch ein fast siebenminütiges Klangbild aus Geräuschen, sphärischen Klängen und derbstem Instrumental-Black-Metal-Geholze abgelöst wird.

Nach fast einer Stunde Spielzeit ist man beim Closer „Delay´s Progression“ angekommen. Mit fast 17 Minuten ist der Track der längste des Albums, aber auch der weitgehend eingängigste. War bis dahin, bis auf die Drums, das Spieltempo nicht sonderlich hoch, wird hier die Geschwindigkeit noch einmal gedrosselt. Zudem kommt bei den ruhigen, von einem sanften Klangteppich aus Gitarren und Bass untermauerten Klängen auch wieder die Querflöte und die Geige deutlicher in den Vordergrund und der gutturale Gesang klingt eher erschöpft als verzweifelt. Zudem wird hier auch zwischenzeitlich ein Vocoder genutzt, der dem ganzen eine spezielle Note gibt. Hätte das Lied nach 11 Minuten ein Ende gefunden, der Hörer wäre recht ruhig und nach der Tour de Force durch Stile, Genre, Gesangstechniken und ein Gewirr aus Instrumenten entlassen worden. Doch zum Finale legen AFOS nochmal so richtig los und brettern dem Hörer noch einmal eine episch anmutende Death-Black-Passage vor den Latz. Einige Sekunden Stille, dann noch einmal ein paar Keyboard dominierte Klänge und ein Gong. Stille.

A Forest Of Stars bringen mit ihrem Zweitling dem Hörer ein Klangmonster nahe, welches schwerverdaulich, aber vor allem für Freunde von Ved Buens ende, hier und da My Dying Bride und der ganz alten Ulver ein lohnenswertes Klangerlebnis ist. Radiokonsumenten werden um das Werk einen weiten Bogen machen, zu überfordernd ist der Silberling. Teilweise recht dreckig nach alter Black-Metal-Art, in den instrumentalen, klassischeren Teilen aber dafür aber umso sauberer produziert, haben die Briten ein Werk geschaffen, welches auch nach mehreren Durchgängen noch Geheimnisse in sich trägt. Genauso verhält es sich mit den Texten, die kryptisch bis avantgardistisch sind und den selbstgestellten Anspruch der Band entschlüsseln können. Aber dazu bräuchte man vermutlich eine Dechiffrier-Maschine.

Anspieltipps:

  • Raven´s eye view
  • Starfire´s money
  • Delay´s Progression

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