Ken Hensley - Faster - Cover
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Ken Hensley Faster


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit bald einem halben Jahrhundert ist Ken Hensley nun schon ein aktiver Rockmusiker. Aus den zehn Jahren mit Uriah Heep sollte ihn jeder ernsthafte Rockfan zumindest vom Sehen her kennen. Udo Jürgens sagte einmal, dass das Leben mit 66 Jahren erst richtig anfängt und dementsprechend muss der 65-jährige Rockstar aus dem vereinten Königreich ranklotzen, bevor er im August seinen Geburtstag feiert. Gerade noch rechtzeitig erscheint zusammen mit Live Fire das neue Album „Faster“. Und so viel sei vorweg gesagt: Hensley gibt hörbar noch mal alles. Ob das allerdings reicht, um auch im Jahr 2011 noch Rocker aus den Sesseln zu hauen, ist die eigentliche Frage.

Wenn ein Album in letzter zeit das Prädikat „Classic Rock“ verdient hat, dann ist es die neue Scheibe von Ken Hensley. Die Gitarren kreischen epische Melodien himmelwärts und wenn ein Song sechs Minuten lang ist, dann darf die gefühlte Hälfte davon auch Gitarrensolo sein („The Curse“). Fast schon kaltblütig eröffnen die ersten beiden Tracks das Album mit Rock, der so klingt, als hätte er die letzten Jahrzehnte verschlafen. Das muss nicht negativ gemeint sein. Ganz im Gegenteil werden sich jene begeistert zeigen, die eben genau das suchen. Ein einfaches Songgerüst und Kens Stimme bilden das (repetitive) Fundament der Songs, die früher oder später in wahnwitzige Riffs ausarten.

Wer auf Faster Melodien für die Ewigkeit sucht, wird bitter enttäuscht sein. Die Lieder des Altmeisters klingen so sehr nach Rock, dass man immer wieder meint: „Das habe ich doch schon mal gehört!“ Dies soll weniger als Plagiatsvorwurf, als ein Hinweis auf den schier unendlichen, inzwischen vorhandenen Musikfundus aus den 70ern verstanden werden. Nichts, was es nicht schon gab. Das Problem daran ist natürlich, dass tolle Riffs allein den Karren nicht aus dem Dreck ziehen und außerdem garantiert auch nicht jeder Track ein Solo furioso. „I Cry Alone“ und „Katrine“ sind zwei Beispiele, wie mäßig die doch sehr gediegene Musik Hensleys sein kann. Mit Hilfe des Titeltracks versucht der Rocker zwar eine höhere Schlagzahl zu erreichen, doch auch hier strahlt Routine durch und die Härte und der Wahnsinn ist für die heutige Zeit einfach nicht mehr bahnbrechend genug.

„Slippin' Away (The Lovers Curse)“ ist sogar ein Kniefall vor dem Pop, was bei manchen Classic-Rock-Hymnen auch gar nicht so abwegig scheint. Trotzdem will man zu einem Mitglied von Uriah Heep nicht schunkeln. Viel mehr will man den Rock-Äther vergangener Tage einsaugen, zu Gitarrensoli mitrocken oder einfach nur genießen. Für diese Gefühle braucht Ken Hensley allerdings unglaublich lange und schafft es nur in den sechs Minuten und längeren Liedern, den Geist vergangener Zeit zu beschwören. Die kürzeren Stücke bleiben nichtssagend und ergeben sich nahezu pazifistisch ihrem harmlosen Schicksal („The End Of Never“ oder „(At) The Last Moment“).

Es war vorher klar, dass Ken Hensley in seinem Alter nicht in neue Gewässer rudert. Er bleibt bei dem was er kann und schert sich einen Kehricht um die Entwicklung der Musikwelt. Retrofreunde bedanken sich und müssen im gleichen Moment jedoch einsehen, dass es diesmal leider keinen Leckerbissen gibt, der unbedingt gehört werden will. Das Album ist viel mehr ein routiniertes Stück Arbeit, das der jüngeren Generation auffordernd den Finger zeigt und sagt: „Kommt erst mal dahin, wo ich schon bin.“ Laut Eigenaussage wollte Hensley mit diesem Album einfach mal wieder ein Bandgefühl entwickeln und Songs aufnehmen. Ihm hat es hoffentlich Spaß gemacht und das Ergebnis ist immer noch gut genug, um auch einer kleinen Hörerschar Freude zu bereiten.

Anspieltipps:

  • The Curse
  • Somewhere (In Paradise)
  • Set Me Free (From Yesterday)

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