Seasick Steve - You Can´t Teach An Old Dog New Tricks - Cover
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Seasick Steve You Can´t Teach An Old Dog New Tricks


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hobos are people who move around looking for work, tramps are people who move around but don't look for work, and bums are people who don't move and don't work. I've been all three.”

Von Under the Bridge zur Glastonbury Festival Centerstage. Der Weg des Ex-Hobos Steve Wold ist ein zutiefst US-amerikanischer. Von einem der mit Dreizehn ausriss, zum Hobo wurde, eine so gut wie ausgestorbene Form des heimatlosen Wander- und Gelegenheitsarbeiters in den USA, und nach Jahren der Brücken- und Zug-Übernachtungserfahrungen über die Liebe zum Blues ein gefeierter Musiker wurde ist filmreif.

In Seattle wurde der 1941 geborene Wold Tontechniker, kannte sogar noch Janis Joplin, später war er ein Kumpel Kurt Cobains. Er produzierte Seattler Krach, wie Bikini Kill-Alben, genauso wie das Debüt von Modest Mouse. Und das alles bedeutete ihm Nichts. In Paris hielt er sich, schon viel zu alt für einen solchen Weg, als Straßenmusiker in den Metros über Wasser, mittlerweile nennt er mit seiner zweiten Frau zusammen Norwegen sein Zuhause.

Seine rastlose Frühzeit fasste er einmal treffend so zusammen: „Hobos are people who move around looking for work, tramps are people who move around but don't look for work, and bums are people who don't move and don't work. I've been all three.” Dass es erst in Norwegen dazu kam, das Seasick Steve sein erstes Studioalbum in Angriff nahm, mag verwundern, doch wer sich mit Wold eingehender beschäftigt, dem wird gewahr, dass Alben machen und damit Geld verdienen das letzte ist, was ihm am Musik machen interessiert. Nicht schlecht also, dass ihm mit dieser Einstellung in England zwei Top Ten Alben gelangen. Warum ausgerechnet England ihm, der so ureigen US-amerikanische Gitarrenmusik intoniert – vom Boogie, zum Country und dem großen Dach des Blues und wieder zurück - den bisher größten Erfolg beschert verwundert dann aber doch.

Aber es scheint noch mehr drin: als beim South By Southwest Festival (SXSW) in Texas Jack White mit seinem Third Man Rolling Record Store, ein zum Plattenladen umgebauter knallgelber Paketwagen, in Scharen Zuschauer anzieht und ein kleines kostenloses Akustik-Set abliefert, läuft ihm sein neustes Signing Seasick Steve, der auch ein paar Nummern zum besten gibt, fast den Rang ab. Wie er da, auf youtube-Videos zu Genüge festgehalten, mit seiner dreisaitigen (!) Gitarre unwiderstehlich minimalistisch Blues, der gleichzeitig Rock ist, spielt und croont macht deutlich: er ist ein an Weisheit und Lebensfreude beseeltes Phänomen, dieser Seasick Steve.

„You Can’t Teach An Old Dog New Tricks” mag sich nicht groß vom 2006er „Dog House Music“ unterscheiden, doch es ist wieder ein tolles Blues- und American-Folk-Album geworden. Bedrückend traurige und erfahren lächelnd schöne Songs und Geschichten enthält sein fünftes Studioalbum. Und mit beispielsweise „Back In The Doghouse“ und „Days Gone“ auch wieder richtige Rockstampfer fürs Stadion. Dass John Paul Jones den Bass für drei Songs ergriff, um mit Wold zusammen der ewigen Leidenschaft namens Bluesmusik zu frönen, gerät dabei fast zur Fußnote. Seasick Steve ist ein Blues-Muss.

Anspieltipps:

  • Back In The Doghouse
  • Have Mercy On The Lonely
  • Underneath A Blue And Cloudless Sky
  • It’s A Long Way
  • Days Gone

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