Death Cab For Cutie - Codes And Keys - Cover
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Death Cab For Cutie Codes And Keys


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Death Cab For Cutie erfinden sich zumindest ein Stück weit neu.

Narrow Stairs“ (2008) offerierte ungewohnt kalte und harte Töne für eine Death Cab For Cutie-Platte. Wer die sanftmütige, schwebende Melancholie von „Transatlanticism“ (2003) oder „Plans“ (2005) lieben gelernt hatte, konnte sich von diesem Album durchaus vor den Kopf gestoßen fühlen. Dabei war „Narrow Stairs“ vielleicht gar nicht so sehr Verweigerung, wie es sich im ersten Moment anfühlte. Doch vielleicht wollte man einfach wieder die Augen schließen und zu Liedern wie „Marching Bands Of Manhattan“ tagträumen. „Bixby Canyon Bridge“ hingegen lies dies nicht zu, sondern rüttelte seine Hörerschaft einfach so mit krachenden Gitarren wieder wach. Im Vorfeld zu „Codes and Keys“ hieß es nun, es sei das am wenigsten auf Gitarren fokussierte Album, das Ben Gibbard (Gesang, Gitarre, Keyboard), Chris Walla (Gitarre), Nick Harmer (Bass) und Jason McGerr (Schlagzeug) je aufgenommen hätten. Synthesizer und Sequenzer seien an ihre Stelle getreten. Das vorab veröffentlichte „You Are A Tourist“ suggerierte dabei zunächst noch einen ganz anderen Eindruck, bot es doch diese wunderbar erinnerungswerten Gitarrenlinien, die den sich stetig steigernden Song seine besondere Note gaben.

Erst beim zweiten Hören fielen sie auf, die leise im Hintergrund summenden und flirrenden Klänge, die ganz heimlich die positive Stimmung des Songs unterstützen. Dabei fällt das gesamte Album überraschend optimistisch aus. Wer jetzt jedoch befürchtet, Death Cab For Cutie würden elektronischen Beats verfallen und schlicht ein paar piepende Synthesizer über ihre Songs legen, erahnt gar nicht, wie filigran das Quartett die elektronischen Elemente in ihre Musik einbaut. Wie immer entstanden die Songs auf „Codes and Keys“ vorwiegend auf Ben Gibbards Akustikgitarre, nur dass sie dieses Mal im Nachhinein von Chris Walla in einem neuen Gewand umgesetzt wurden. Er war es, der sich an die Synthesizer und Sequenzer setzte und die Songs in mühseliger Arbeit arrangierte. Als Inspirationsquellen nennt er zum Beispiel LCD Soundsystem und New Order. So sind die Kompositionen auf „Codes and Keys“ weniger improvisiert, sondern äußerst durchdacht und durchgearbeitet. Dies führt dazu, dass „Codes and Keys“ bei weitem das linearste, vielleicht das geschlossenste Album der Band geworden ist. Death Cab For Cutie klingen hier wie eine Einheit, in dessen Zentrum der Song und nicht Gibbards Stimme oder irgendein bestimmtes Instrument steht.

So geht die neue Formel erstmals beim Titelstück voll und ganz auf: Das Schlagzeug eröffnet, Streicher und Piano fügen sich in den Song, bevor dichte Synthie-Texturen den Song langsam anschwillen lassen. „Doors Unlocked And Open“ legt Wert auf einen einen langen, auf Rhythmus fokussierten Einstieg und mündet schließlich in einen wunderbar eingängigen Refrain, stehts von den traditionellen Gitarrenklängen und den brummenden Synthies unterlegt. Auch das sphärenhafte „Unobstructed Views“ nimmt sich ein langes Intro, nur dass diesmal das Piano den Ton angibt. „Stay Young, Go Dancing“ wird von Streicherarrangementes begleitet und ist wie „Portable Television“ kurz und glückselig, jedoch nicht überschwänglich. „Underneath The Sycamore“ ist ein typischer Death Cab Song in „Soul Meets Body“-Manier, jedoch eben in einem neuen Gewand.

So erfinden sich Death Cab For Cutie zumindest ein Stück weit neu, bleiben mit Gibbards sanfter Stimme und den immer wiederkehrenden, typischen Gitarren und dem Piano im Herzen jedoch dieselbe Band. „Codes and Keys” ist ein herrlich unspektakuläres Popalbum geworden, das seine Qualität aus den detaillierten Arrangements und den sich langsam festsetzenden Melodien zieht.

Anspieltipps:

  • Codes And Keys
  • Doors Unlocked And Open
  • You Are A Tourist
  • Unobstructed Views
  • Underneath The Sycamore

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