Rhapsody Of Fire - From Chaos To Eternity - Cover
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Rhapsody Of Fire From Chaos To Eternity


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„From Chaos To Eternity“ wird die Lager sicher wieder in zwei Hälften spalten.

Die „Emerald Sword Saga“, welche mit „Legendary Tales“ (10/1997) begonnen hat, erreicht mit dem achten Studioalbum „From Chaos To Eternity“ der italienischen Symphonic Power Metal-Barden Rhapsody Of Fire nach bald 15 Jahren ihr dramatisches Ende. Wie es sich für ein Epos dieser Größenordnung gehört, muss das Finale noch pompöser, ausladender und größer ausfallen als alles davor. Abgesehen von einer kleinen Ausnahme trifft diese eigentlich logische Schlussfolgerung auf die neueste Platte von Fabio Lione (Gesang), Luca Turilli (Gitarre), Tom Hess (Gitarre), Alex Staropoli (Keyboard), Patrice Guers (Bass) und Alex Holzwarth (Schlagzeug) allerdings nicht zu. „From Chaos To Eternity“ stellt zwar noch immer ein Fest für alle dar, die stets die Bezeichnung „Filmscore Metal“ für die Ergüsse der Italiener verwendet haben, im direkten Vergleich zu einem Bombastbrocken wie „Triumph Or Agony“ (09/2006) ist das Werk jedoch überraschend aufgeräumt, wenn nicht sogar konventionell.

Dabei herrscht nach dem mittlerweile schon obligatorischen Eröffnungsinstrumental mit Spoken Words von Schauspiellegende Christopher Lee, „Ad infinitum“, und dem grandiosen Titeltrack, der seine dramatisch-epische Ader zu jeder Zeit auslebt, ein ganz anderer Eindruck vor, der erst durch das flotte „Tempesta di Fuoco“ mit klassischer Struktur, dezenten, symphonischen Elemten und ausgedehntem Soloteil eine ganz andere, wesentlich direktere Richtung einschlägt. „Ghosts of the forgotten worlds“ versucht nämlich überhaupt als schlichter Heavy Metal-Track zu punkten, missfällt aber wegen seiner unspektakulären Attitüde, die im hinteren Teil ein paar progressive Haken schlägt, damit die Nummer aber nur noch stärker demontiert, während die Ballade „Anima perduta“ aufgrund Liones jammervoller Darbietung überhaupt nur sehr hartgesottenen Rhapsody Of Fire-Fans zu empfehlen ist.

Mit „Aeons of raging darkness“ und „Tornado“ steuern die Italiener dann sowohl musikalisch als auch gesanglich aggressivere Gefilde an, die besonderen Wert auf den Wechsel zwischen schnellen und langsamen Passagen setzen, was per se aber keine spannende Achterbahnfahrt bedeutet, da kein direkter Höhepunkt angestrebt wird und vor allem „Tornado“ sein Gerüst ausschließlich um seinen pathetisch-ergriffenen Chorus baut, der allzu präsent ist und so ziemlich schnell auf die Nerven fallen kann. Hier wären zwei zusätzliche Minuten, die dem Song etwas Luft zum Atmen geben, sicherlich nicht verkehrt gewesen. Hervorragend ausbalanciert ist hingegen „I belong to the stars“, das mit lateinischem Chor, eingängigem Refrain und dem richtigen Schuß Dramatik zu den besten Kompositionen auf „From Chaos To Eternity“ zählt.

Anschließend folgt jedoch das große, schon weiter oben erwähnte, „aber“ in Gestalt des 20 Minuten langen „Heroes of the waterfalls kingdom“, das die „Emerald Sword Saga“ zu ihrem epischen und nach allen Regeln der Kunst bombastischem Ende verhilft. Wie nicht anders zu erwarten darf Christopher Lee erneut ein paar Zeilen zum Besten geben, bevor eine sanfte Folkmelodie in Kollaboration mit Liones Gesang ein stimmungsvolles Eröffnungsplädoyer tätigt um anschließend der kompletten Mannschaft Einlass zu gewähren, die den Longtrack zu einer Stelle geleitet, die garantiert nicht jedermanns Sache sein dürfte, immerhin versuchen Rhapsody Of Fire ihr Epos mit einer Art Hörspiel mit mehr oder weniger spannendem Gestöhne, Geächze und Gerede zu einem Ende zu führen. Es lässt sich aber nicht abstreiten, dass vor allem in den Schlussminuten der Lautsprecher aufgrund der effektiven Geräuschkulisse wie gebannt angestarrt wird. Unterm Strich ist „Heroes of the waterfalls kingdom“ definitiv kein „2112“, aber für Fans der Saga bzw. der Band ein atmosphärischer und grandioser Leckerbissen.

Was „From Chaos To Eternity“ anbelangt, so wird es mit Sicherheit bei zwei Lagern bleiben: Jenes, das die Italiener seit jeher als Kasperltheater ansieht und das andere, welches in den musikalischen Konstrukten von Rhapsody Of Fire einen gleichwertigen Ersatz für einen packenden Hollywood-Fantasyfilm sieht. Letztere könnten sich zwar an den durchschnittlichen Songs „Aeons of raging darkness“ oder „Ghosts of the forgotten worlds“ und der allgemeinen Bodenständigkeit stören, wer allerdings 15 Jahre lang auf das große Finale wartet und dann wegen ein paar Makel im Songwriting nicht zugreift, ist selber schuld.

Anspieltipps:

  • I Belong To The Stars
  • From Chaos To Eternity
  • Heroes Of The Waterfalls Kingdom

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