City And Colour - Little Hell - Cover
Große Ansicht

City And Colour Little Hell


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es fällt auch auf, dass Green seine Akustikgitarre nicht mehr so rabiat anpackt und weniger energisch in die Saiten haut.

Dallas Green alias City And Colour veröffentlicht mit „Little Hell“ nach „Sometimes“ (2005) und „Bring Me Your Love“ (2008) sein drittes Soloalbum. Schon bei seinem Erstling war bemerkenswert, wie sehr sich Green von seinem musikalischen Ursprung der Post-Hardcore Band Alexisonfire entfernt hatte: Reduziert auf Akustikgitarre und samtene Stimme, schrammelte der Kanadier seine folkigen Singer/Songwriter-Songs mit einem Schuss Blues herunter. Nur hin und wieder reicherte er seine leidenschaftlich gespielten Lagerfeuer-Popsongs mit obligatorischer Mundharmonika, sanftem Schlagzeug, Glockenschellen, Handclaps, o.ä. spärlichen Arrangements an. So konnten Lieder wie „Sleeping Sickness“ oder „The Girl“ ihre ganze eigene, intime sowie zerbrechliche Stimmung entfalten.

Mit „Little Hell“ weitet Green sein Instrumentenspektrum weiter aus, ohne sein Songwriting oder die sehnsüchtige Stimmung seiner Songs groß zu verändern. Sein drittes Album offeriert somit weniger Folk, weniger Intimität und auch weniger Gefühl. Anstattdessen hören wir poppige Gitarrenmusik, die auch mal mit einem typischen Rockband-Set und E-Gitarrensolo gespielt wird („Fragile Bird“, „Hope For Now“) und an Country erinnernde Slide-Gitarren („We Found Each Other In The Dark”) sowie Orgeln („Sorrowing Man”). Die liebgewonnenen Akustiklieder sind aber auch wieder vorhanden und werden z.B. von klagenden Streichern („Northern Wind“) begleitet. „O'Sister“ ist so reduziert, dass man sogar die Griffwechsel deutlich hören kann und ist lediglich mit einem leichten Hall belegt. Es sind nach wie vor seine stärksten Momente, wenn Green sich nur auf sich und seinem Gefühl für Gitarre und Melodie verlässt, während gerade die rockigeren Songs etwas beliebig wirken („Natural Disaster“, „Little Hell“), mal abgesehen vom tollen Abschluss „Hope For Now“, der ab der Mitte mit einer lauten Fuzz-Gitarre aus sich herauskommt.

Es fällt auch auf, dass Green seine Akustikgitarre nicht mehr so rabiat anpackt und weniger energisch in die Saiten haut. Er bedient sich eher dem Fingerpicking und weniger den kratzbürstig gespielten Akkorden. Es lässt die leisen Songs auf „Little Hell“ noch ein wenig leiser, die lauten noch ein wenig lauter erscheinen. Dies erzeugt einen netten Kontrast auf einem Album, das ansonsten leider etwas spannungsarm geworden ist. Auch ist die Produktion des Albums weniger rau geraten als früher. Auf „Bring Me Your Love“ hatte Green vereinzelt Höhepunkte verstreut, die seinen Alleingang nie langweilig werden liesen. Der Versuch, über zusätzliche Instrumente mehr Abwechslung in seine Musik zu bringen und möglicherweise auch songwriterische Schwächen zu kaschieren geht nur bedingt auf. Dennoch muss an dieser Stelle gesagt werden, das Dallas Green weiterhin zu den Guten gehört. „Little Hell“ ist sein bislang vielfältigstes Album, aber nicht unbedingt sein stärkstes.

Anspieltipps:

  • We Found Each Other In The Dark
  • Northern Wind
  • O'Sister
  • Hope For Now

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „City And Colour“
comments powered by Disqus