Battles - Gloss Drop - Cover
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Battles Gloss Drop


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem Abgang von Tyondai Braxton hatten Battles zunächst eines ihrer signifikantesten Merkmale verloren: Die häufig elektrisch verfremdeten Vocals, die sich nur schwer mit Worten umschreiben lassen. Man nehme nur mal „Atlas“, das Aushängeschild des Debütalbums „Mirrored“ (2007), bei dem neben den ganzen Math-Rock-Gefrickel insbesondere Braxtons Roboterstimme hervorstach. Doch Ian Williams (Gitarre, Keyboard), Dave Konopka (Bass, Gitarre, Effekte) und John Stanier (Schlagzeug) wussten sich zu helfen: Für den Nachfolger „Gloss Drop“ wurden für vier Stücke Ersatzsänger und eine Ersatzsängerin engagiert. Dies und die Tatsache, dass das Trio einfach noch drängender in die Saiten, Tasten und Felle haut, kompensieren den Ausfall von Braxton mehr als nur zu Genüge.

Die schrägen und abgedrehten Sounds haben sich Battles in jedem Fall bewahrt: Das bewies schon das gewöhnungsbedürftige „Ice Cream“, mit Matias Aguayo am Mikrophon. Heruntergeratterte Lyrics, närrisch piepende Keyboard-Sounds und ein tanzbarer Groove ergeben ein sommerliches Karibikfeeling. Ulkig, mit welch augenzwinkender Lässigkeit „Futura“ aus den Lautsprächern knallt, während die drei Musiker freudestrahlend scheinbar auf ihren Instrumenten herumhopsen. „Ich glaube nicht, dass fordernde Musik besonders ernst sein muss“, begründet Stanier den schelmischen Ansatz. Dann wiederum kommen fast schon apokalyptisch brummende Synthies zum Einsatz („My Machines“). In nicht einmal zwei Minuten Gesamtlänge hauen Battles auf Buschtrommeln ein und klatschen dazu akribisch in die Hände, während das Keyboard abgehackt hin und her springt („Dominican Fade“).

Das gesamte Album ist somit ein einziger, nervöser Zappelphilipp. Wohin das Ohr auch hört: Es gibt verwirrende, scheinbar willkürliche Tonabfolgen am Keyboard („Rolls Bayce“), und zu guter Letzt sogar Dancehall-artige Vocals („Sundome“). Allgemein sind die vier Lieder mit Gesang von Matias Aguayo („Ice Cream“), Gary Numan („My Machines“), Kazu Makino („Sweetie & Shag“) und Yamantaka Eye („Sundome“) sehr geschickt über die 53 Minuten Spielzeit verteilt und bieten kleine Verschnaufspausen zwischen den großen Instrumentalorgien („Wall Street“, „White Electric“). Schwächen sind nur wenige auszumachen, außer vielleicht die manchmal etwas zu ähnlich klingenden Songs. Es gibt außerdem ein paar Momente, in denen Battles den Song zur sehr fallen und etwas ziellos musizieren („White Electric“).

„Gloss Drop“ ist von seinem Klang her vielleicht etwas heller, flippiger und weniger schleppend als sein Vorgänger „Mirrored“. Die Kompositionen von Battles ist jedoch nach wie vor irgendwie vertrackt, experimentell, komplex und treiben irgendwo zwischen Progressive- sowie Math-Rock, Electronica und ein bisschen Funk ihr Unwesen. Battles sind „stetig auf der Suche nach weiteren musikalischen Herausforderungen und nach neuen, exotischen Stilen, die man zusammenmischen kann.“ Das hört man „Gloss Drop“ auf jeden Fall an. Wer sich daran gewöhnen kann, dass es bei dem Trio zwar keine Strophen und Refrains, aber klare Strukturen gibt, wird sich nach kurzer Eingewöhnungsphase in “Gloss Drop” verlieben. Fans von liedgewordenen Jamsessions sowie großartigen musikalischen Können an jedem zu hörenden Instrument greifen bei „Gloss Drop” gerne wieder zu.

Anspieltipps:

  • Ice Cream
  • Futura
  • Wall Street
  • Sundome

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