Nik Freitas - Saturday Night Underwater - Cover
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Nik Freitas Saturday Night Underwater


  • Label: Affairs Of The Heart
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Mann ist dermaßen beschäftigt. Mitglied von Conor Obersts Mystic Valley Band und desgleichen in der Live-Band der Broken Bells (dem Nebenprojekt von James Mercer und Danger Mouse) dabei. Auf Tour war er mit Rilo Kiley und Jason Lytle (Grandaddy), bei Azure Ray sprang er als Drummer in deren Live-Shows ein. Jetzt hat er sein bereits fünftes Solo-Album aufgenommen, das alles andere als Unruhe oder Hektik ausstrahlt. Es heißt „Saturday Night Underwater“ und Nik Freitas hat alle Instrumente selbst eingespielt. Immer wieder verkauft er sein Equipment, um es für neues zu reinvestieren. Angefangen hat alles mit einem alten Klavier, auf dem er auch heute noch den ein oder anderen Song komponiert.

Auf seinem aktuellen Werk hat Freitas den Schwerpunkt auf alte Drum Machines und analoge Synthesizer gelegt, die jedoch nur einen Teil des gesamten Klangbilds ausmachen. Als Autodidakt hat der Amerikaner seine Kompositionen bereits in seinem Kopf bevor er sie aufnimmt. Nicht umsonst spielt er alle Instrumente selbst ein, sie sollen schließlich so klingen wie sie in seinem Kopf zu hören sind.

Mit dem Titelsong eröffnet Freitas seinen Songreigen, der mit dem Wunderland des Coverartworks Hand in Hand geht. Dementsprechend bestimmen Blau- und Grüntöne das Klangbild des Openers, der ein Hit werden müsste, wäre die Welt eine bessere, dafür strahlt der Song um so heller in der Schlechtigkeit unseres blauen Planeten. „Saturday Night Underwater“ (Song und Album) schwimmt über und unter blauen Wellen in die Ohrmuscheln, als Song mit kristallklaren Pianotönen, wabernd-schwebenden Synthies, vibrierend-runden Stromgitarrenläufen und hallend-pochenden Bass- und Schlagzeugrhythmen. Danach glänzt „The Light“ als Elektro-Songwriter-Pop mit fiepsenden Synthies und weichen Akustikgitarren. „Hold That Thought“ klingt wie ein moderner Beatles-Song, „Little Man“ entspannt wie ein langer milder Sommer.

In „Middle“ ist es Maria Taylors helle Stimme, die Nik Freitas natürlich-zärtliche Stimmfärbungen untermalt, das Piano klimpert und die Keyboard-Streicher schwelgen. Jene Streicher flirten auf dem melancholisch angehauchten „Affected“ mit den Akustikgitarren. In „In The Frame“ schmettern die Bläser, die mit der hitverdächtigen Melodie die Klangskala emporklettern. „Francesa“ ist ein Roy-Harper-Cover, das im Freitas-Kontext förmlich aufblüht und „My Only Sail“ schwimmt auf Keyboardwellen dem Ende eines von vorne bis hinten gelungenen Pop-Albums entgegen. „Carry me far away“ heißt es da und längst sind wir in jenem fernen blau-grünen Klangland, das unter Wasser und über Land in unseren Ohren nuschelt.

Nik Freitas als Lo-Fi-Singer/Songwriter zu bezeichnen ist zwar legitim, gibt jedoch nur die halbe Wahrheit wieder. Seine Herangehensweise hat DIY-Charakter, das Ergebnis zeugt von hoher Kunstfertigkeit. Deshalb ist der Mann durchaus mit Brian Wilson, Paul McCartney oder Jeff Tweedy und Ron Sexsmith vergleichbar. Deren Spirit schwingt im Songreigen von „Saturday Night Underwater“ mit.

Anspieltipps:

  • Saturday Night Underwater
  • Little Man
  • Affected
  • Francesca

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