In Flames - Sounds Of A Playground Fading - Cover
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In Flames Sounds Of A Playground Fading


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Friden, Gelotte, Iwers und Svensson gefallen sich einfach schon zu lange in der Rolle der harten Metal-Jungs.

Wann sind In Flames zu weit gegangen? War es die Implementierung von klaren Gesangslinien in „Reroute To Remain“ (09/2002), die für viele Anhänger einen Verrat an den Death Metal-Wurzeln darstellte, das lachhafte Cover zu „A Sense Of Purpose“ (04/2008), welches nicht nur in Fankreisen für Erheiterung sorgte, oder ist mit der Pendulum-Kollaboration „Self vs. self“ für das letzte Album der australischen Elektronik-Truppe namens „Immersion“ (06/2010) das Faß endgültig zum Überlaufen gebracht worden? Wie dem auch sei, In Flames haben sich seit ihrer Gründung von vor mehr als 20 Jahren stark weiterentwickelt und so selbst die Geduld der ergebensten Fans strapaziert. Im Februar 2010 wurde das Nervenkostüm auf eine besonders harte Probe gestellt, als das letzte verbleibende Gründungsmitglied, Gitarrist und Songwriter Jesper Strömblad das Handtuch warf und seinen Abschied von In Flames via Myspace verkündete. Ersatz ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten, denn mit Niclas Engelin hatte man schließlich schon immer einen Saitenzupfer auf der Ersatzbank sitzen, allerdings drängte sich unweigerlich die Frage auf: Quo vadis, In Flames?

„Wir haben die Songs diesmal auf eine völlig andere Art geschrieben. Jesper hat aufgehört,
also habe ich die Musik allein geschrieben. Es war irgendwie sonderbar, ihn nicht dabei zu haben, aber gleichzeitig hatten wir dadurch auch die Gelegenheit, die Dinge ein bisschen anders anzugehen. An den Vocals haben wir zum Beispiel viel mehr gearbeitet als sonst.

Ich musste einige Parts für die Lyrics modifizieren und Dinge angleichen, um die ich mich vorher noch nie gekümmert habe – wie zum Beispiel das Umschreiben von Riffs, damit diese zu einem bestimmten Ansatz passen. Das war eine echte Herausforderung für mich.“ erklärt Björn Gelotte (Gitarre), der nun gemeinsam mit Engelin, Anders Friden (Gesang), Peter Iwers (Bass) und Daniel Svensson (Schlagzeug) den Sound der Göteburger Schule auf die nächste Ebene hieven will, der durch Dark Tranquillity, Soilwork, At The Gates und eben In Flames geformt wurde. Ein schwieriges Unterfangen bedenkt man, dass schon der Vorgänger unter erheblichen Ermüdungserscheinungen gelitten hat.

Mit dem Opener, der gleichzeitig als Titeltrack fungiert, empfehlen sich Gelotte & Co. jedoch nicht für die Melodeath-Oberliga, sondern langweilen erst einmal nach Schema F auf 08/15-Basis. Sehnsuchtsvolle Melodien, einen klagenden Sänger und einen hymischen Refrain in einem herbstlichem Ambiente hat man eben schon tausendmal gehört. Dumm nur, dass dieses Baugerüst gleich mehrmals aufgefahren wird und nur in „All for me“ (grandiose Riffs) und „Fear is the weakness“ (grandioser Chorus) sinnvoll erweitert wird. Die Versuche eine Art 30 Seconds To Mars-Klon im Metal zu installieren, schlägt mit „Where the ships dwell“, „Ropes“ und dem völlig überladenen „A new dawn“ jedenfalls fehl und selbst wenn es härter ans Werk geht wie in „Enter tragedy“ oder „The puzzle“ fragt man sich, abgesehen von der technisch absolut einwandfreien Vorstellung, wo die wirklich zündenden Ideen abgeblieben sind. Es kann doch nicht sein, dass mit der minimalistischen Gothic-Komposition „The attic“, dem knackig konstruierten „Darker times“, dem stampfenden „Deliver us“ oder der Soundtrack trifft Spoken Word-Collage „Jester´s door“ schon alles gesagt ist?

Die traurige Wahrheit lauert im letzten Track „Liberation“: Der Rausschmeißer bedient sich am Mitgrölniveau eines Bon Jovi-Konzerts und hat gute Chancen im Formatradio neben selbigem Herren durch den Äther geschickt zu werden. In Flames ist das schon lange nicht mehr und ob die guten, alten Zeiten jemals wieder zurückkehren werden und uns die Schweden noch ein Album präsentieren, das in der Liga von „Clayman“ (07/2000) spielt, ist gerade wegen solchen Nummern zu bezweifeln. Friden, Gelotte, Iwers und Svensson gefallen sich eben einfach schon zu lange in der Rolle der harten Metal-Jungs, die gerne mit den Weicheiern aus der Pop-Abteilung spielen. „What are you longing for if I had the answer / You are waiting for something you cannot have“ heißt es in „Ropes“. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.

Anspieltipps:

  • Deliver Us
  • All For Me
  • Darker Times
  • Fear Is The Weakness

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