Sepultura - Kairos - Cover
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Sepultura Kairos


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was auf dem Papier nach einer interessanten Rückbesinnung bzw. einem indirekten Sepultura Best Of klingt, hat sich zu einem mittelschweren Rohrkrepierer entwickelt.

Zwei Konzeptalben waren nötig um den Fans zu zeigen, dass Sepultura noch im Stande sind neue Wege zu beschreiten und diese mit dem Thrashhammer zu beackern. Nach der Anlehnung an Dante Alighieris Versepos „Die göttliche Komödie“ („Dante XXI“ (03/2006)) und Anthony Burgess Roman „A Clockwork Orange“ („A-Lex“ (01/2009)), der vielen wohl am ehesten durch die Stanley Kubrick-Verfilmung aus dem Jahre 1971 im Gedächntis haften geblieben ist, haben sich Derrick Leon Green (Gesang, Gitarre), Andreas Kisser (Gitarre), Paulo Xisto Pinto Jr. (Bass) und Jean Dolabella (Schlagzeug) für das nächste Werk jedoch ein weniger literarisches Vorbild genommen. Auf „Kairos“ (ein Begriff griechischer Abstammung, der frei übersetzt soviel wie „der günstigste Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenütztes Verstreichen nachteilig sein kann“ bedeutet) geht es schlicht und ergreifend um die Entscheidungen und Konsequenzen im Leben, die jeder zu treffen hat und die auch an Sepultura nicht spurlos vorüber gegangen sind.

Wenn es in diesem Sinne beabsichtigt war den Hörer über weite Strecken mit altbackenem Songwriting ein lähmendes Gefühl zu verabreichen, dann ist das Vorhaben geglückt. Dabei sind es nicht unbedingt die monotonen Tracks wie „Spectrum“ oder „Embrace the storm“, die lediglich an einem Riff herum kauen, die nichtssagenden Instrumentals „2011“, „1433“, „5772“ und „4648“ oder das überflüssige Ministry-Cover „Just one fix“, sondern Nummern wie „Mask“ oder „Seethe“, die als mächtige Groovekapazunder aus den Boxen brechen, aber jeglichen Charme vermissen, und knallharte, geradeaus marschierende Brecher wie „No one will stand“ oder mit elektronischen Samples ausgestattete Langweiler wie „Born strong“, die das Blut angesichts der oberflächlich eingesetzten Wut und Aggressivität in Wallung bringen. Stumpf ist eben nicht immer Trumpf.

In „Relentless“ und dem Titeltrack blitzt die alte Größe dafür kurzzeitig auf, selbst wenn die beiden Tracks gemessen an der eigenen Diskographie oder an anderen aktuellen Veröffentlichungen in diesem Sektor nur überdurchschnittliche Kost abgeben und Kisser ein ums andere Mal seine Gitarre zum Rauchen bringen darf. Ein zwiespältiger Kandidat ist hingegen das teilweise von Spoken Word-Einlagen getragene und ziemlich düstere „Dialog“, das gemeinsam mit dem wiederkehrenden Schlachtruf „You can black out the sun“ und einem zähnefletschendem Riffbrett die Rübe ordentlich in Schwingung versetzt, viele aber sicherlich zu sehr an Crowbar und Down erinnern dürfte. Dafür machen es einem Sepultura mit „Structure violence (Azzes)“ wieder einfach und kredenzen eine absolut nervige Industrial / Thrash-Collage, die mit ihrem perkussiv angelegten Charakter an die Grenzen stößt.

Was auf dem Papier nach einer interessanten Rückbesinnung bzw. einem indirekten Sepultura Best Of klingt, hat sich zu einem mittelschweren Rohrkrepierer entwickelt. „Kairos“ mangelt es nicht nur an Weit-, sondern auch an Zuversicht dem eigenen Material gegenüber. Vieles bleibt im Riffmorast stecken, anderes bemüht sich erst gar nicht aus seinem wohl behüteten Kokon zu treten, sodass der 12. Langspieler eine bittere Allegorie zur auf dem Cover abgebildeten Sanduhr aufweist: Es läuft so dahin und irgendwann ist es aus.

Anspieltipps:

  • Kairos
  • Dialog
  • Relentless

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