Raphael Gualazzi - Reality And Fantasy - Cover
Große Ansicht

Raphael Gualazzi Reality And Fantasy


  • Label: Sugar/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem jungen Mann wurde eine gesunde Portion Wahnsinn mit in die Wiege gelegt.

Ein Beitrag zum Eurovision Song Contest ist zumeist nicht gerade das Gelbe vom Ei, sondern meist eher der saure Apfel, in den die Hörer beißen müssen. In einem Wettbewerb, in welchem Sympathie und Stimmen am Telefon und durch A–Z-Promis mitgeteilt werden, muss man sich stark um die Qualität der Stücke sorgen. Raphael Gualazzi versucht uns im Vorfeld davon zu überzeugen, dass wir diese Sorgen bei den Italienern begraben können.

Der Gewinner sämtlicher Preise beim San Remo Festival 2010 kann mit Stolz geschwollener Brust auftreten und auch hierzulande gewissenhaft sein Album „Reality And Fantasy“ veröffentlichen. Der Jamie Cullum aus Südeuropa überrascht mit Piano zentrierter Popmusik, die oft in Richtung Big Band ausschlägt, aber auch Bossa Nova und Jazz ihre Territorien nennt. Die Wettbewerbsnummer „Madness Of Love“ ist ein Big-Band-Kracher alter Schule und klingt wie direkt aus der Zeit von Ray Charles gespielt.

Gualazzi hat den Mut, auch mal den Gesang zurückzustellen und die Instrumente sprechen zu lassen. Das kommt im Jazz orientierten „Icarus“ zur Geltung und macht das ausladende Ende des mitreißenden Süd-Flair-Hits „Tuesday“ erst zu dem, was es ist. Hier will man noch richtig mitgehen, ohne jede Textzeile mitsingen zu müssen. Der italienische Newcomer verlässt sich nicht auf Parolen und leere Worte, sondern trifft mit seinen Arrangements mitten ins Ziel.

Die gesunde Portion Wahnsinn wurde dem jungen Mann ebenfalls mit in die Wiege gelegt, wie man im Titeltrack hört, in welchem der Text durchgehend gehaucht oder geschrien wird. Dass genau dieses Lied völlig am schönen Ambiente des Albums vorbeirauscht, sei in diesem Moment einmal vergeben. Viel eher bewundern wir den Entdeckergeist des jungen Mannes, der im anschließenden „Scandalize Me“ mit seinen elektronischen Spielereien an James Last erinnert. Sogar in Richtung Soul geht es noch mit „A Three Second Breath“. Hörerohr, was willst du mehr?

Schon jetzt kann man feststellen, dass Raphael Gualazzi eine der positiven Erscheinungen des diesjährigen Contests ist. Seine lebendige Art, seine eingängigen, aber nie langweiligen Arrangements und die Balance zwischen eingängiger Popmusik und einem guten Schuss Anspruch sorgen für ein ordentliches Maß an guter Unterhaltung.

Anspieltipps:

  • Madness Of Love
  • Tuesday
  • Saro' Sarai

Neue Kritiken im Genre „Jazz-Pop“
Diskutiere über „Raphael Gualazzi“
comments powered by Disqus