Data MC - Daily Mirror - Cover
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Data MC Daily Mirror


  • Label: Eskapaden /SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Alben, die geradezu darum betteln schlecht bewertet zu werden. Dafür gibt es verschiedene Indikatoren, die immer anders ausfallen können. Im Fall von Data MCs Album „Daily Mirror“ bekommt man es zum Beispiel mit der Angst zu tun, wenn man sieht, dass gleich zwei Lieder doppelt auf der Tracklist vertreten sind. Remix-Versionen sind zwar nichts Unübliches, aber zumeist nur Füllmaterial und dass das Lied „Green Eyes“ nahezu zwei Mal in Folge auf der Tracklist erscheint, lässt das Gefühl in der Magengrube nicht besser werden. Die Intuition beim Blick auf die Rückseite der Hülle lässt einen leider nicht im Stich.

Ja, dieses Urteil mag verwundern, da Data MC vom Rest der Republik in höchsten Tönen gelobt wird. Das Berliner Trio fängt auch sehr stark an, sodass es einem gar nicht einfällt, die treibende Musik der Hauptstädter anzugreifen. „Fever“ ist eine exotische HipHop-Nummer und „We Could“ ist eine tanzbare Clubnummer mit Ohrwurm-Potenzial. Was kann da bitte noch schief gehen? Die Antwort ist ziemlich einfach: Vorerst gar nichts! „Turn It Up“ nimmt den Kampf mit dem vorigen Song spielend auf und gibt sich gleich noch eine Spur tanzbarer. Wer Electro und HipHop mag, wird hier zwangsweise die Glieder bewegen. Den wunderbaren Lauf macht dann das einfallslose „Too Young To Die“ kaputt. Warum eine lustlose und gewollt, aber nicht gekonnt gediegene Reggae-Nummer es auf das Album geschafft hat, ist eine berechtigte Frage, die die Berliner hoffentlich eines Tages beantworten können.

Mit Ausnahme von „You Come First“ verliert sich das Trio dann plötzlich im Mittelmaß, das in der Kollaboration mit Lexy und K-Paul seinen Höhe- bzw. Tiefpunkt findet. „If I Gave You My Digits“ ist richtig plumpe Elektro-Musik, die niemand hinter dem Ofen hervorlocken sollte. Innovationen sucht man an anderer Stelle und auch die Fahrt des Anfangs ist verloren gegangen. Überflüssige Mid-Tempo-Nummern („Tonight“), sowie ideenlose Nervtöter („Chapa Chapa“) machen die Runde, wobei die Jungs selbst in den schlechten Liedern immer wieder ihr Potenzial durchscheinen lassen. Live mag „Chapa Chapa“ als Mitsinghymne funktionieren, doch auf Platte werden die unglaublich coolen Strophen vom nervigen Chorus einfach nur zerstört.

Dann lieber eine Portion Daft Punk in Form von „Intergalactic Romance“ und „Too Young To Die“. Genau! Der Track, der vorhin auf ganzer Linie ungefähr so hilfreich wie eine Schlaftablette vorm Besuch in der Disco war, sorgt in Retro-Elektro-Gewand für richtig gute Laune. Hut ab, was so ein Remis alles herausreißen kann. Das Album könnte mit „Kryptonite“ so tanzbar und frisch aufhören, wie es angefangen hat, doch ein paar Geschmacksverirrungen und vergebene Bemühungen einen Song per Remix zu retten, machen den geglückten Abschluss zunichte. „Green Eyes“ ist eine fürchterlich kitschige Nummer, die ähnlich „Tonight“ einfach keine Bindung zu der lebendigen Art des Trios findet. An dieser Stelle sei an Seeed erinnert, die oft genug vorgemacht haben, dass ein Album auf die üblichen ruhigen Momente verzichten kann. Eigentlich hat „Green Eyes“ auch das nötige Potenzial, welches abermals eiskalt im Chorus zerschmettert wird. So ziehen sich Data MC ins Mittelmaß, wo sie als früherer Geheimtipp beileibe nicht hingehören. Nicht so schlimm wie angekündigt, aber schlimm genug.

Anspieltipps:

  • Green Eyes
  • We Could
  • You Come First

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