Incubus - If Not Now, When? - Cover
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Incubus If Not Now, When?


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das alte Feuer der Experimentierfreude lodert noch immer in der Band.

Fünf Jahre Funkstille seit dem letzten regulären Album. So eine lange Veröffentlichungspause gab es im Kosmos von Incubus bisher noch nie. Welche Auswirkungen hat eine solche Auszeit auf den Bandsound? Rückbesinnung auf alte Stärken, Mut zu Neuem, oder Sicherung der Status Quo? Die Antwort muss allein deshalb schwer fallen, weil die Kalifornier seit ihrem Erstling „Fungus Amongus“ aus dem Jahr 1995 ohnehin schon so ziemlich alle Spielarten zwischen Funk-Metal, Prog-Rock und radiotauglichem Mainstream-Rock bedient haben. Was bleibt da noch? Die Spatzen pfiffen es bereits seit längerem von den Dächern: „If Not Now, When?“ würde das ruhigste und in gewisser Weise poppigste Album des bisherigen Schaffens werden. So ist es dann tatsächlich auch gekommen. Die Band scheint maximal entspannt zu sein und verzichtet auf häufig experimentelle, aber ebenso beeindruckende Songs, wie man sie aus der Vergangenheit kennt. Stattdessen nehmen sich die Musiker ziemlich zurück und geben somit vor allem ihrem Sänger Brandon Boyd mehr Raum als je zuvor. Versucht man das Material in die bisherige Veröffentlichungsliste einzuordnen, so trifft am ehesten die Beschreibung, dass man sich auf die ruhigen Momente des 2001er Albums „Morning View“ besonnen hat, um ein komplettes Album in vergleichbarem Stil abzuliefern.

Eingefleischte Incubus-Fans könnten mit diesem Weg durchaus ihre Probleme haben. Dicke Riffs und wilden Rock wird man hier nicht finden. Stattdessen wird nicht einmal die eigene Mutter durch das, was da aus den Boxen drängt, aufgeschreckt. Wahrscheinlicher ist, dass Mutter sich die Scheibe mal ausleihen möchte. Anders formuliert: Waren Incubus früher eher Samstagnacht, so klingt das hier mehr nach Sonntagmorgen.

Die ruhigen Stücke wie das Titelstück, oder auch „Promises, Promises“ und „Isadore“ stehen der Band dabei gar nicht schlecht und es ist ja auch nichts Neues, das die Band ruhige Nummern kann. Neu ist jedoch, dass es vermehrt beliebige Momente gibt und das Album hier und da ein wenig in den Kitsch abzudriften droht. Glücklicherweise fehlt jedoch eine so grauenhaft vorhersehbare und hundertmal in ähnlicher Form gehörte Pop-Nummer wie „Love Hurts“ vom letzten Album „Light Grenades“. Wenn es dann mit „In The Company Of Wolves“ doch zunächst eine ziemliche Weichspülnummer gibt, so in diesem speziellen Fall jedoch nur bis ungefähr zur Hälfte des siebeneinhalbminütigen Songs. Der zweite Teil ist im Prinzip ein ganz anderes Stück, das den ersten Teil nahezu demontiert, ohne dabei jedoch laut zu werden. Laut wird man dann am ehesten mit „Switchblade“. Diese beiden Stücke lassen erahnen, dass das alte Feuer der Experimentierfreude noch in der Band lodert.

Es gab da letztens übrigens schon mal eine Band, die ihre Prog-Vergangenheit gegen einen radikalen Schritt Richtung Pop eingetauscht hat. Die Rede ist von Dredg und „Chuckles and Mr. Squeezy“. Dieser Vergleich hinkt letztlich jedoch ein wenig, denn während man bei Dredg nach wie vor ratlos zurück bleibt, so wirken Incubus auch mit „If Not Now, When?“ auf jeden Fall um ein Vielfaches authentischer. Ob man das Ergebnis musikalisch jetzt spannend findet oder nicht.

Anspieltipps:

  • If Not Now, When?
  • Thieves
  • Isadore
  • Switchblade
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