Andreas Dorau - Todesmelodien - Cover
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Andreas Dorau Todesmelodien


  • Label: Staatsakt/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Neue Deutsche Welle (NDW) und ihre Protagonisten: Andreas Dorau ist zweifelsfrei einer von ihnen, platzierte er doch mit „Fred vom Jupiter“ 1981 einen wesentlichen Beitrag zu dieser schillernden, schnell jedoch abgenutzten Form von Pop-Musik. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen aus dieser Zeit legte Andreas Dorau allerdings seine Musikerlaufbahn nicht ad acta, als die Welle abflaute. Es folgten bis Ende der Neunziger regelmäßig Singles sowie Alben, bei denen zum Teil Tommi Eckart (2Raumwohnung) als Partner fungierte. Stilistisch behielten sie den gewissen Anteil an Naivität, das Gespür für vermeintlich kinderleichte Melodien samt spielerischer Texte, doch der große Erfolg blieb aus. So wird Andreas Dorau oft zu unrecht als One-Hit-Wonder der NDW abgetan.

Beispiellos bleibt ungeachtet dessen sein Wortwitz in Verbindung mit verhüllten, kritischen Anspielungen und ironisch überzuckerten Melodien. Seit dem Jahrtausendwechsel kommt es nun nach „Ich bin der eine von uns beiden“ (2005) zum zweiten Album. Für die Musik und ein Großteil der Arrangements sowie Instrumentierungen ist das Hamburger Duo Die Vögel eingesprungen, während dieses Mal der zweite Teil von 2Raumwohnung, nämlich Inga Humpe, Andreas Dorau unter die Arme greift. In Form der Chöre ist das der Stimmung sehr förderlich. Das wird bereits beim Opener „Größenwahn“ deutlich, der in der Mixtur Swing/Pop ein amüsantes Stelldichein abliefert, sofern man denn in der nasalen Intonation und den grundschulhaft einfachen Texten kein Hindernis sieht.

So sind sie eben, die Trademarks des Musikers, und auf Albumlänge sicher eine Herausforderung, die nicht allzu häufig zum Longplayer greifen lässt. In der richtigen Dosierung erfreut sich der Hörer jedoch an Streichern, Klavier, den bereits erwähnten Chören von Inga Humpe und analogen Keyboards. Damit der Anteil an Easy Listening nicht komplett in einer Seifenblase aufgeht, tun Elemente aus der Club-Musik („Edelstein“, „Inkonsequent”) gut, während „Schwarz Rot Gold“ die perfekte Vorlage für das Duett mit Francois Cactus (Stereo Total) einbringt. Dieser Wohlklang an luftigen Arrangements, immer so nah an der musikalischen Soap Opera wie gekonnt, und textlich stets für den nächsten gesellschaftlichen Kritikpunkt präpariert, ist „Todesmelodien“ ein typisches Andreas Dorau-Album, eben vor allem für Eingeweihte.

Anspieltipps:

  • Edelstein
  • Single
  • Inkonsequent
  • Schwarz Rot Gold

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