Devin Townsend Project - Deconstruction - Cover
Große Ansicht

Devin Townsend Project Deconstruction


  • Label: Inside Out/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun endlich sind sie fertig, die zwei letzten Alben der vierteiligen Devin Townsend Project Saga, die sein bisheriges Leben mit all seinen Süchten, Gefahren, Ängsten und der neuen Zuversicht darstellt. Ursprünglich sollten sie alle in einem Jahr erscheinen, dann sind aber doch zwei Jahre vergangen, so dass die beiden ersten Teile „Ki“ und „Addicted“ nun auf einen Schlag mit „Deconstruction“ und „Ghost“ vervollständigt werden. Die beiden Alben sind wie gegensätzliche Pole, die deshalb den Beinamen „calm and the storm“ bekommen haben.

Devin Townsend Project, Part III: Deconstruction
Das Album fängt so harmlos an, man könnte meinen aus Versehen den vierten Teil in den Player gelegt zu haben, nämlich das ambientartige “Ghost”. Nach drei Minuten wird das bekannte Bild des durchgeknallten Kanadiers wieder zurecht gerückt und deutlich an der Intensitätsschraube gedreht. Die musikalische Zerlegung kann beginnen. Die Zerlegung eines Cheeseburgers wie später im Titeltrack besungen wird. Die Auswirkungen dieser Zerlegung, im Volksmund auch als Verdauung bekannt, wurden ebenfalls auf Tonspur festgehalten und in den Song integriert und zwar fast alle Möglichkeiten des körperlichen Outputs. Genauer muss wohl nicht darauf eingegangen werden. Devin zelebriert hier schamlos seinen Fäkalhumor, der den ein oder anderen Hörer abschrecken könnte.

Das Album besticht durch das, was Devin am besten kann, die Überspitzung und Überladung jeder musikalischen Idee, ob sich nun dabei Blast Beats mit Chören überlagern oder Growls mit Falsett-Gesang. Es ist ein wahres Inferno, bei dem das Feuer ständig andere Gegenstände und Materialien auffrisst und auch wenn es zeitweise nur lodern sollte, so bricht es doch immer wieder aus. Dabei sausen einem einige wenige geradlinigere Death Metal Songs um die Ohren, wie „Juular“, „Pandemic“ und „Poltergeist“, ansonsten ist es schwer auszumachen welcher Song verrückter ist als der andere. Es erfolgt eine Vereinbarung fast aller Townsend-Facetten in einem Album, ein wilder und kompromissloser Mix an Stilen.

„Deconstruction“ ist somit kein Album für Devin Townsend Einsteiger, wie keins der DTP-Reihe. Obwohl es das härteste der vier Alben ist, eignet es sich auch nur bedingt für Fans von Strapping Young Lad, denn der zelebrierten Härte fehlt es oft an Ernsthaftigkeit. Man nehme „The Mighty Masturbator“ in bester „Ziltoid The Omniscient“-Manier mit vielen schrillen Details, der Ziltoid-Stimme, einem Elektronikzwischenteil und einem Chor am Ende oder das angesprochene „Deconstruction“. Auf der anderen Seite sind klasse Nummern zu verzeichnen, die nicht so ins Humoreske abdriften, wie „Stand“ mit seinen fetten Riffs und einem sehr coolen kurzen Rhythmuswechsel oder „Planet Of The Apes“, welches zwischen aus- und einladenden Passagen hin und her pendelt.

Einige namhafte Gäste haben kleine Nebenrollen bekommen, denn im Townsend-Universum ist einfach nicht mehr viel Platz für anderes. Gut wieder zu erkennen sind dabei im Höllenritt namens „Deconstruction“ Oderus Urungus, der Sänger von GWAR, und Fredrik Thordendal mit seinen unverkennbaren Meshuggah-Gitarrenriffs. Außerdem ist Opeths Mikael Akerfeldt mit von der Partie („Stand“) und nicht zu vergessen, dass ab und an aus dem Chaos herauslugende Prager Philharmonieorchester.

Devin schießt auf „Deconstruction“ das ein oder andere mal übers Ziel hinaus, aber gut möglich, dass dies genau seine Absicht war. Dieses musikalische Konglomerat aus allem was er zu bieten hat, ist, genau wie die drei anderen Teile, eine Art der Selbstfindung nachdem er den Drogen abgeschworen hat. Was lernen wir aus diesem fiesen und komplexen Brocken Musik? Devin ist auch ohne Drogen ziemlich Knäcke im Hirn, er selbst tituliert sich dabei als „The Mighty Masturbator“. Noch Fragen?

Anspieltipps:

  • Stand
  • Planet Of The Apes
  • Pandemic
  • Deconstruction

Neue Kritiken im Genre „Progressive Metal“
Diskutiere über „Devin Townsend Project“
comments powered by Disqus