Depeche Mode - Black Celebration - Cover
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Depeche Mode Black Celebration


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Depeche Mode sind bereits eine feste Größen im internationalen (Synthie-) Pop-Geschäft, als sie Anfang 1986 ihr fünftes Studioalbum „Black Celebration“ veröffentlichen. Anderthalb Jahre zuvor, gelang der Band um Sänger Dave Gahan der internationale Durchbruch mit dem Album „Some Great Reward“ sowie den dazugehörigen europaweiten Top-Hits „People are People“ und „Master and Servant“. Von der (in erster Linie britischen) Fachpresse werden sie Mitte der 80er-Jahre noch größtenteils als die niedlichen Milchgesichter der Teenie-Band Depeche Mode angesehen, die mit ihrem zuckersüßen und eingängigen Elektro-Pop zu Beginn des Jahrzehnts die Musikszene aufmischte und vor allem junge Hörer ansprach. Das sollte sich mit dem neuen Album ändern. Mit „Black Celebration“ werden Depeche Mode erwachsen, erschließen sich einen völlig neuen Hörerkreis und schaffen ihr bis heute dunkelstes und wohl atmosphärischstes Werk.

Als Depeche Mode 1985 in die Berliner Hansa Studios gehen um ein neues Album aufzunehmen (schon die beiden Vorgänger „Construction Time Again“ und „Some Great Reward“ entstehen zu einem Großteil in Berlin), wollen sie sich entfernen von den eher massentauglichen und tanzbaren Stücken auf „Some Great Reward“. Sie möchten ein raueres, düsteres Album produzieren und endgültig das Image der fröhlichen und poppigen Synthie-Band loswerden. Und es gelingt ihnen: Depeche Mode legen 1986 ihr Pop-Band-Etikett endgültig ab und schaffen mit „Black Celebration“ auch ihren Durchbruch im Dark Wave und Industrial. Zum ersten Mal klingen Depeche Mode zugleich melancholisch-sehnsüchtig, emotional und elegisch aber genauso hart und experimentell. Eine schwarze, dunkle Romantik hält Einzug und Martin Gores Songschreiber-Qualitäten erreichen auf dem Album einen neuen Höhepunkt.

Gleich die ersten Songs weisen in eine neue Richtung: Die Düster-Hymne „Black Celebration“ mit ihrem langen Intro und der beklemmenden Atmosphäre eignet sich hervorragend als Einstieg in ein von Wehmut und Erotik durchzogenes Album. Diese treibt die Band mit dem experimentellen „Fly on the Windscreen“ gleich auf die Spitze, wenn Gahan und Gore gleichermaßen um erotische, sinnliche (mindestens aber emotionale) Nähe flehen. „Fly on the Windscreen“ erschien bereits im Jahr zuvor als B-Seite der Single „It’s called a heart“, Depeche Mode arrangieren den Song als „Final“-Version für „Black Celebration“ aber völlig neu. Auch die (für die Band mittlerweile) charakteristischen, eindringliche Gore-Balladen fehlen auf „Black Celebration“ nicht. So gelingen Depeche Mode etwa mit „It doesn’t matter two“ und „World full of nothing“ sicherlich zwei ihrer schönsten Balladen, veredelt durch tiefsinnige und sehnsuchtsvolle Lyrics aus der Feder Gores. „Though it feels good now, I know it's only for now”, klagt er in „It doesn’t matter two”. Und „World full of nothing” bringt ihn schließlich zu der Erkenntnis: „Though it’s not love, it means something”.

Die „Black Celebration“-Singles „A Question of Lust“, „A Question of Time“ und „Stripped“ erreichen in Deutschland allesamt die Top Ten, im auf den Massengeschmack ausgerichteten Pop-Radio hört man sie hingegen nur selten. Dies ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass die Songs sehr düster daherkommen und für das Mainstream-Radio des Jahres ’86 (ein Jahr, in dem Sängerinnen wie Stephanie und Samantha Fox die Charts bestimmen) nicht eingängig und melodisch genug sowie von einer eher tristen Grundstimmung geprägt sind. Der hohen Qualität der Songs tut dies freilich keinen Abbruch. Das hymnische „Stripped“ mit seinen dichten, fast epischen Keyboard- und Synthie-Flächen gehört zu den stärksten Songs auf „Black Celebration“. „A Question of Time“ besticht durch seinen pumpenden, harten Beat und ist der Tanzflächen-Füller des Albums.

Weniger Pop, mehr Dark: Mit „Black Celebration“ verabschieden sich Depeche Mode von den luftig-leichten Pop-Klängen der Anfangsjahre. Es ist als das melancholischste und dunkelste Album im Gesamtwerk ihr wichtigstes Album nach „Violator“.

Anspieltipps:

  • Fly on the Windscreen
  • Stripped
  • Here ist the house
  • World full of nothing

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