Francisca Urio - Alpha Girl - Cover
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Francisca Urio Alpha Girl


  • Label: NJI-Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Talentschmiede Deutschland sucht den Superstar gibt vielen Gesichtern die Möglichkeit sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. So auch Francisca Urio, die es im Mark Medlock-Jahrgang zwar nicht weit schaffte, bei den Fans aber große Beliebtheit genoss. Vier Jahre später nach Musicals und anderen musikalischen Erfahrungen bringt die junge Frau aus Thüringen also ihr Debüt heraus und schafft es den Retorten-Stil ihrer DSDS-Kollegen perfekt zu imitieren. Das Cover sucht die Mischung aus Rihanna und Lady Gaga und da es niemanden zu interessieren scheint, dass Madame Gaga sich plastisch selbst kopiert und vor Einfallslosigkeit nur so strotzt, wollen wir Fräulein Urio im Vorfeld zu einem kommerziell viel versprechenden Album gratulieren.

„I've Got The Music In Me“ ist ein Auftakt, dem man zugutehalten muss, dass er trotz einer Sintflut an Elektronik noch ein wenig Platz für Urios Stimme lässt. Das, womit die jungen Sängerinnen von Heute eigentlich protzen müssten, versteckt sich schließlich inzwischen hinter einfachen Ohrwurmmelodien, die auf das Gardemaß von 3:30 Minuten getrimmt werden, und ohne große Ecken und Kanten ins Ziel rollen. Ansonsten gibt es von der ersten Minute an tanzbare Beats, die schlimme Erinnerungen an die 90er hervorrufen. Allein dass die Soundqualität sich in den letzten 15 Jahren verbessert hat, unterscheidet den Plastik-Pop der Dammsels à la Gaga von der letzten Synthie-Popwelle.

Es wird nicht wirklich besser, wenn „Stomp Your Feet“ in die gleiche Kerbe schlägt und ein wenig mehr Richtung Rihanna abzielt, da die guten Damen sich wie die Weltmeister kopieren. Natürlich kann man behaupten, dass es eine Stärke ist, keinen Stil zu haben, aber fehlende Identifikation muss man sich dann auch gefallen lassen. Der einzige Grund, warum Katy Perry nicht durch den Dreck gezogen wird, ist ihre Stimme. Ganz so sehr lässt sich Francisca dann doch nicht durch den Mixer hauen. Dieses Mini-Lob vernichtet Urio aber gleich wieder mit Dieter-Bohlen-Gedächtnis-Balladen wie „We Are One“ und „Mother Nature“, die sich vor Schmalz und Zucker kaum retten können.

Dass auch „It's A Woman's World“ nicht mehr als eine halbgare Adaption von James Browns „It's A Man's World“ ist, hätte man sich gleich denken können. Das Album trägt den Titel Alpha Girl nicht umsonst. Vielleicht handelt es sich hierbei wirklich um ein Mädchen, das ein Album aufnehmen wollte. Traum erfüllt, die Verkaufszahlen könnten Stimmen, da Urio brav auf einer Welle reitet, die zurzeit Erfolg hat, wobei sie sich den Vorwurf gefallen lassen muss, dass ihre Interpretation von E-Pop schon wieder Retro ist. Lieder ohne Höhepunkte zu schreiben hat die gute Frau zwar raus, aber die ein oder andere abgedrehte Melodie muss dann schon kommen. Diesen Innovationsgeist kann man der sonst so gescholtenenLady Gaga zumindest zusprechen, da sie in ihrer musikalischen Ziellosigkeit zumindest immer wieder ein neues Genre findet, an dem sie sich dann labt und es in moderne Pop-Korsetts quetscht. Francisca Urio hingegen schafft es nicht, den überholten Stil eines Dieter Bohlen abzulegen und verliert sich in Melodien von Gestern, sodass ein Album, das gerade erst rauskommt, gleich wieder Vergangenheit ist.

Anspieltipps:

  • I've Got The Music In Me
  • We Are One

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