Blondie - Panic Of Girls - Cover
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Blondie Panic Of Girls


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Blondies neuestes Album gestaltet sich als dickes Ausrufezeichen für Völkerverständigung. Das finden wir ausgesprochen toll! Nur wo sind die guten Songs abgeblieben? Ist nach 37 Jahren im Musikgeschäft einfach die Luft raus oder liegt der Hund woanders begraben? Nun, die Antwort darauf ist nicht ganz einfach, doch beginnen wir von vorne. Als der CBGB 1974 noch existierte und jeder auf „the next big thing“ aus der Musikbranche wartete, schneite der New Wave als bunter Cocktail aus allen möglichen Stilrichtungen und somit auch Blondie in die Radios. Drei Alben benötigte die damalige Besetzung (Deborah Harry (Gesang), Chris Stein (Gitarre), Frank Infante (Gitarre), Jimmy Destri (Keyboard), Nigel Harrison (Bass) und Clem Burke am Schlagzeug) um ihren Mix aus Disco, Pop, Beat und Rock´n´Roll mit „Parallel Lines“ (09/1978) an die Spitze der britischen Charts zu bringen und mit den Singles „Heart of glass“ oder „Sunday girl“ die Tanzflächen der Welt zu erobern.

40 Millionen verkaufte Platten später blicken Blondie auf eine stürmische Kindheit und eine ziemlich schnell um sich greifende Altersschwachheit zurück, die durch das im Februar 1999 veröffentlichte Comebackwerk „No Exit“ etwas eingedämmt wurde. Nichtsdestotrotz fehlt den neueren Kompositionen, wie auch auf dem bislang letzten Album „The Curse Of Blondie“ (10/2003) hörbar, der nötige Biss um sich wieder in das musikalische Rampenlicht zu bugsieren und „Panic Of Girls“ wird daran ebenfalls nichts ändern. „D-Day“ rumpelt zwar aufgekratzt mit Punk-Ästhetik und knarzenden Samples umher, frisch und ungezwungen klingt jedoch anders. Dummerweise gefallen gerade die anschließenden, stark poplastigen Kompositionen wie „What I heard“ oder „Mother“, welche in eine ähnliche Kerbe wie der letzte, große Singlehit „Maria“ schlagen, was angesichts der offenkundigen Experimentierfreudigkeit des Acts schade ist, doch beim restlichen Material will einfach nicht der Funke überspringen.

Dabei wird wie in alten „The tide is high“-Zeiten dem Reggae gehuldigt („The end the end“ oder das Cover „Girle girlie“ der jamaikanischen Sängerin Sophia George), eine Nummer aus dem Portfolio von Beirut (Zach Condon) etwas fröhlicher und schunkeliger inszeniert („Sunday smile“), Latin House für den Club eingesungen („Wipe off my sweat“) oder ein Abstecher nach Frankreich samt Akkordeon und französischem Text getätigt („Le bleu“). Alles ganz souverän und ordentlich, aber spektakulär oder sonderlich aufregend ist das nicht. Anders verhält es sich mit den Stücken „Love doesn´t frighten me“ und „Words in my mouth“, die beide wieder stärker dem konventionellen Synthie-Pop-Schema zugeordnet sind, im Vergleich zu „What I heard“ oder „Mother“ aber einer lähmenden Endlosschleife erliegen. Zum Abschluss kredenzen Blondie mit „China shoes“ wenigstens noch einen melancholischen Midtempotrack, der bestens die Wehmut transportiert, die Deborah und ihre Jungs fühlen dürften, wenn sie an vergangene Zeiten denken.

„Wir sind Teil der Zukunft und der Vergangenheit gleichermaßen. Neue Musik zu machen ist mir und dem Rest der Band extrem wichtig. Mir macht das Songwriting mehr Spaß als je zuvor. Ich denke - ich hoffe - ich werde besser.” mutmaßt Ex-Playboyhäschen Deborah Harry. Nun, die musikhistorisch relevanten Tage - egal ob grandioses oder mieses Songwriting - werden für die New Yorker wohl so schnell nicht mehr zurückkehren, aber für ein in Amerika produziertes Album klingt die Platte immerhin ziemlich europäisch. Das ist doch auch schon was, oder?

Anspieltipps:

  • Mother
  • China Shoes
  • What I Heard

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