Mads Langer - Behold - Cover
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Mads Langer Behold


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Mein erstes Album enthielt elf Songs, die alle Radiosingles hätten sein können . Aber sie waren einfach nicht ICH“, heißt es, wenn man Singer/Songwriter Mads Langer nach seinem eigentlich angedachten Karrierestart fragt. Schon vor fünf Jahren war der damals 22-jährige Däne nach zwei Erfolgen in der Heimat mit einem Bein in der Welt der reichen und schönen. In New York wurde an einem Album gearbeitet, das aus Langer das machen sollte, was andere in ihm sahen: Einen neuen Jeff Buckley, Chris Martin oder Thom Yorke. Mindestens zwei dieser Vergleiche hinken so unverschämt hinterher, dass man Mads Langer nur gratulieren kann, dass er alles hin schmiss und zurück in die dänische Heimat flüchtete.

Fünf Jahre später nimmt der gute Mann für eine 90er-Compilation „You're Not Alone“ von Olive neu auf und was er damit in die Welt setzt, gefällt der Hörerschaft. Mit der erfolgreichen Single im Rücken traut der inzwischen 27-jährige Musiker zu einem zweiten Anfang und setzt auf Musik, die seiner Meinung nach ihn selbst ausmacht. Zumindest Vergleiche mit Coldplay und Radiohead können getrost beiseitegelegt werden, wenn „I'm Leaving“ das Album mit dichtem Klangteppich zwischen modernem Pop (inklusive Synthies) und einfacher Ballade wärmt mit den Ingredienzen auf, die Langers stärken darstellen. Da wären seine sanfte Stimme, die einem James Morrison oder eben einem Jeff Buckley gleichkommt und die warmen, einfachen Melodien. Zusammen ergibt sich schmucker Pop, der allein noch Besonderheit benötigt, um nicht am Hörer vorbeizurauschen.

„The River Has Run Wild“ ist ein erster Versuch nicht in Vergessenheit zu geraten. Hier klingt Langer nach den Landsmännern Moi Caprice. Zuckersüßer Pop, der gegen Ende des Songs epische Züge annimmt und sich einer Hymne gleich ausbreitet. Ähnlich gut funktioniert dieser Hymnen-Charakter bei „Fact-Fiction“, auch wenn bei diesem Song die Eigenheit des Künstlers mehr verloren geht und man schnell Assoziationsbrücken zu britischen Künstlern aufstellt. Dann doch lieber kleine Pop-Perlen, die zuerst unscheinbar wirken und mit Details dafür sorgen, dass man ihnen Wiedererkennungswert zusprechen möchte. Ein einziger langer Schrei, so scheint es, zieht sich durch „Microscope“ und „Drunken Butterfly“ bietet neben dem Titel selbst noch eine psychedelische Grundader zum Verlieben. Weltklasse sind diese Lieder deswegen nicht gleich, doch zumindest kann man diese Stücke vom überfüllten Markt abgrenzen.

Natürlich gibt es auch eine Handvoll schwacher Pop-Nummern, die recht belanglos wirken. Dazu gehört auch die erfolgreiche Single „You're Not Alone“, die zwar leicht ins Ohr, doch ebenso leicht wieder heraus findet. „Riding Elevators“ muss sich diese Kritik ebenfalls gefallen lassen. So zählt man Tracks wie „Remains Of You“ und „Last Flower“ gemütlich herunter, bescheinigt ihnen Solidität, doch ist sich unsicher, ob man diese Nummern wirklich öfter hören möchte. Es fehlt die ganz große Melodie, die man mit summen möchte, der Text, der das Herz erweicht. Hier ist der dänische Singer/Songwriter lediglich Mittelmaß. Besser ergeht es ihm, wenn er – wie Jeff Buckley – zu ruhigeren Stücken greift, in welchen seine Stimme Gefühl und Authentizität beherbergen darf, sodass auch ab und an die Nackenhaare des Hörers aufgestellt sind. Die Abschlussballade „Death Has Fallen In Love“ macht diese Stärke abermals deutlich, doch um die schwächeren Stücke zu vergessen, reicht es nicht. Hauptsache ist jedoch, dass Mads Langer sich auf diesem Album so verwirklichen konnte, wie er das vorhatte. Es sei ihm gewünscht.

Anspieltipps:

  • I'm Leaving
  • The River Has Run Wild
  • Death Has Fallen In Love

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