Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud - Cover
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Portugal. The Man In The Mountain In The Cloud


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Während Portugal. das Land dieser Tage unter wirtschaftlichen Sparzwängen steht und Pleiteangst besteht, scheinen die Ressourcen von Portugal. The Man weiterhin unerschöpflich zu sein. Es bleibt beim gewohnt dichten Takt der letzten Jahre und mit „In The Mountain In The Cloud“ liegt das sechste Album in sechs Jahren und die erste Major-Veröffentlichung bei Atlantic vor. Das Rezept ist von den letzten Alben inzwischen weitegehend bekannt und wird auch beim aktuellen Longplayer beibehalten. Die Band bedient sich an diversen bekannten Stilelementen der Pop- und Rock-Geschichte. Ob Indie-Rock, Synthie-Pop, Folk, Soul, Gospel, Psychedelic, Elektro oder auch Classic-Rock – von allem ein bisschen. Dann noch die unverkennbaren Vocals und fertig ist der Sound, zu dem sich prima auf einer Blumenwiese im Kreis tanzen lässt. Hört sich zunächst einfach an, doch wie die Band das schafft, bleibt ihr Geheimnis. Es ist ja nicht nur so, dass man in sechs Jahren mehr Alben auf einem qualitativ hohen Niveau herausgebracht hat, wie es andere Kapellen in zwanzig Jahren nicht schaffen. Das Quartett wartete ja auch durchaus mit einer regelmäßigen Bühnenpräsenz auf. Zeit fürs Songwriting bleibt offensichtlich trotzdem.

Das Material auf „In The Mountain In The Cloud” ist nach wie vor gut, allerdings fehlt hier und da der Biss der letzten Jahre. Möglicherweise ist das in kommerzieller Hinsicht durchaus vorteilhaft, denn ein guter Teil des Materials würde auch im Nachmittagsradio der großen Sender unterkommen, ohne massive Hörerproteste zu provozieren. Nummern wie „Head Is A Flame (Cool With It)“ oder „Once Was One“ wirken gar allzu gewöhnlich. Doch bevor man der Band nun allzu viel Unrecht tut, sei festgehalten, dass bspw. „All Your Light (Times Like These)“, „Got It All (This Can’t Be Living Now)“ oder auch der Opener „So American“ schlicht und ergreifend tolle Indie-Rock Nummern sind, die man so und nicht anders hören will. Verträumte Gitarrenparts, harmonische Melodien ergänzt um diverse instrumentelle Spielereien, die die Songs trotz allem nicht allzu sehr überfrachten. Dennoch: Die Spannungskurve nimmt ein wenig ab. Es ist ein wenig so wie bei den Klassenbesten. Wer immer nur gute Noten schreibt, bei dem werden gute Noten schon fast vorausgesetzt und der Wow-Effekt bleibt auf Dauer aus. Das soll natürlich nicht heißen, dass man nun mal die Qualität bewusst runterfahren soll, aber es stellt sich schon die Frage wie Portugal. The Man mal wieder ein wenig überraschen können.

Unterm Strich möchte man den Workaholics und Kreativitätsbolzen vielleicht einfach doch mal einen ausgedehnteren Urlaub ans Herz legen, in dem Band und auch die verwöhnten Fans mal wieder durchatmen können, um sich dann beim nächsten Wiedersehen umso mehr aufeinander zu freuen. Dann spräche alles dafür, dass die nächste Scheibe – die dann bspw. in zwei Jahren erscheinen könnte – nicht einfach nur „gut“ ist, sondern auch wieder mehr Biss hat.

Anspieltipps:

  • So Amercian
  • Got It All (This Can’t Be Living Now)
  • All Your Light (Times Like These)
  • Sleep Forever
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