The Black Dahlia Murder - Ritual - Cover
Große Ansicht

The Black Dahlia Murder Ritual


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ritual“ ist The Black Dahlia Murder in ihrer reinsten Form: Fies, hässlich, unberechenbar und stets durchgeknallt.

Yeah, 10 Jahre The Black Dahlia Murder! Die Kerzen sind ausgepustet, Zeit das Hirn wegzupusten! Diesen Vorsatz dürften sich Trevor Strnad (Gesang), Brian Eschbach (Gitarre), Ryan Knight (Gitarre), Ryan Williams (Bass) und Shannon Lucas (Schlagzeug) sehr zu Herzen genommen haben, denn „Ritual“ ist das fieseste Langeisen, dass die Jungs aus Waterford, Michigan ihren Fans je auf die Lauscher geknallt haben. Dabei führen The Black Dahlia Murder den Hörer mit einem sanften Streicherteppich zu Beginn von „A shrine to madness“ herrlich in die Irre. Nachdem dieser kurzerhand von einem Blastbeatgeschwader in seine Einzelteile zerlegt wurde geht es auch schon los mit dem apokalyptischen Inferno und „Moonlight equilibrium“ rauscht als TBDM-Komposition auf Amphetaminen, Halluzinogenen und sonstigen bewusstseinserweiternden Drogen unberechenbar durch den Äther, während „On stirring seas of salted blood“ erst mal in den Keller geht und seine Vorliebe zu besonders tiefen Growls und dichter, schwarzmetallischer Atmosphäre zum Vorschein bringt, was den Song in Richtung Goatwhore rücken lässt.

Apropos Atmosphäre: „Ritual“ ist wohl nach „Nocturnal“ (09/2007) die Scheibe mit dem packendsten Spannungsbogen, der mühelos für zwei Hollywoodhorrorstreifen reichen würde. Bevor die Amerikaner jedoch für die Traumfabrik zu arbeiten beginnen, sorgen sie lieber mit sinnvoll gesetzten Breaks in „Conspiring with the damned“ für nackenbrechende Abwechslung und legen mit „Carbonized in cruciform“ und „Malenchantments of the necrosphere“ die wohl zwei besten TBDM-Songs seit Gründung der Band vor. Erster jagt nach Klavierauftakt in einem Höllentempo durch die Synapsen und wartet neben Strnads Screams, markerschütterndem Gebrüll und Growls, einem in die Fresse hämmernden Schlagzeug, rasiermesserscharfen Riffs und unerwarteten Wendungen noch mit einer unglaublich fesselnden Inszenierung auf, die den Song in der persönlichen Wahrnehmung von seinen fast fünf Minuten auf kurzweilige zwei herunterbricht, bis sich der zweitgenannte Track vornehmlich auf die Gitarren konzentriert und um diese herum ein einzigartiges Ungetüm zimmert, das die Band in eine progressive Richtung driften lässt, die dem Individuum vor den Boxen angesichts kommender Taten leuchtende Augen beschert.

Mit „The grave robber´s work”, „The raven“ und „The window“ liefern Strnad & Co. dafür nur herkömmliches Material ab, was nichts anderes bedeutet als auf den Punkt geschriebene Hochgeschwindigkeits-Death Metal-Atombomben mit dezenter Core-Note zu bekommen, für die viele andere Herrschaften ihre Oma verkaufen würden. „The great burning nullifier“ drückt hingegen auf mittleren Tempoebenen ohne Rücksicht auf Verluste gegen die Wand und „Den of the picquerist“ ist als 1 1/2 Minuten lange Blaupause eher in die Kategorie „unnötig“ zu verfrachten. Den Vogel schießt die Michigan-Truppe allerdings mit dem Albumender „Blood in the ink“ ab, wo ein gewöhnungsbedürftiges Spektakel mit barocken Streichern und Doublebassgedresche veranstaltet wird. „That´s something Brian has always wanted to do. He has always appreciated classical music and the marriage of classic and metal when they come together.” erklärt Trevor. Die Grenze zwischen Lieben und Hassen ist bei dieser Nummer jedenfalls äußerst dünn und daher pure Geschmackssache.

Fazit: „Ritual“ ist The Black Dahlia Murder in ihrer reinsten Form: Fies, hässlich, unberechenbar und stets durchgeknallt. Egal ob sich die bitterbösen Screams von Strnad in die Hörmuschel schneiden, das Doppelaxtbataillon Eschbach und Knight für Furore sorgt oder Bassist Williams in Koproduktion mit Drummer Lucas den gesamten Wohnblock in Schutt und Asche legt, beim fünften Langeisen der Michigan-Truppe sind die Daumenschrauben besonders fest angezogen, was nach einer eher durchwachsenen, weil stagnierenden Scheibe wie „Deflorate“ (09/2009) in dieser Form nicht zu erwarten war. Fans hätten sich zum 10jährigen Jubiläum auf jeden Fall kein schöneres Geschenk wünschen können.

Anspieltipps:

  • Moonlight Equilibrium
  • Great Burning Nullifier
  • Carbonized In Cruciform
  • Conspiring With The Damned
  • Malenchantments Of The Necrosphere

Neue Kritiken im Genre „Death Metal“
Diskutiere über „The Black Dahlia Murder“
comments powered by Disqus