Oh Land - Oh Land - Cover
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Oh Land Oh Land


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ziemlich jeder macht es, alle wollen es. Die Rede ist von Pop, der mit stark elektronischen Beigaben gefüttert wurde. Allein ein Blick in die Hitparade verrät: Rund die Hälfte der vertretenen Songs macht auf oder ist David Guetta oder The Black Eyed Peas, hat eine Kollaboration mit Pitbull oder kocht sich kratzend und fiepend sein eigenes chartorientiertes Süppchen. Dabei werden die interessanten Vertreter und Veteranen des Genres meist außen vor gelassen und nur selten gelingt einem Act wie z.B. La Roux ein Achtungserfolg. Mit Nanna Øland Fabricius alias Oh Land wird sich dieser Trend zwar nicht ändern, eine weitere Ausnahme in der Akte Electro-Pop wäre aber durchaus wünschenswert.

Obwohl das selbstbetitelte Album auf ein Erstlingswerk schließen könnte, handelt es sich bei „Oh Land“ nach „Fauna“ (11/2008), das hierzulande nur über Import erhältlich war, bereits um die zweite Platte der Dänin, die, man höre und staune, einen Plattenvertrag bei Epic, einem Sublabel von Sony Music, ergattern konnte. Die Zeichen stehen also alles andere als schlecht. Doch rechtfertigt die Musik, die in Zusammenarbeit mit Dan Carey (The Kills, Franz Ferdinand, Hot Chip, Lily Allen) und Dave McCracken (Depeche Mode, Beyoncé, Natalie Imbruglia) entstanden ist, überhaupt derartige Unterstützung? Auf jeden Fall! Schon die bezaubernde Eröffnung „Perfection“ geleitet den Hörer in warme Synthesizerklänge gehüllt ins „Oh Land“ und betört mit der entzückenden Stimme von Nanna, sowie einem detailreichen Klanggebilde, das nicht nur auf Elektronik zurückgreift, sondern auch richtige Instrumente (vornehmlich Streicher) einbindet.

Parallelen zu Björk, Alice Russell oder Massive Attack sind vornehmlich der düsteren Grundstimmung und den Trip Hop-Eskapaden geschuldet, obwohl es mit „White nights“ und „We turn up“ ebenso zwei Vertreter aus der locker-leichten Schublade gibt, die mit weit aufgerissenem Mund naiv durch ein farbenfrohes Disney-Wunderland stolpern und bestenfalls Skip-Kandidaten darstellen. Wir sind ja hier nicht bei LMFAO! Am besten ist die Dänin ohnehin wenn sie ihrer Verspieltheit freien Lauf lässt und die cineastischen Soundteppiche Hand in Hand mit wabernden Bässen, schillernden Synthies und ausgefallenen wie eingängigen Songideen gehen („Sun of a gun“), magische Geschichten erzählen („Wolf & I“) oder einfach nur Popmusik vom Feinsten sein dürfen („Break the chain“, „Helicopter“).

Einen grandiosen Wow-Moment hat die Dame in „Human“ zu bieten, wo gesampelte Riffs den Track plötzlich in ein anderes Licht tauchen und mit der Ballade „Lean“ kehrt sie ihre dunkle Seite völlig nach außen. „Oh Land“ bleibt durch diesen Facettenreichtum stets dynamisch und spannend. Der schwarze Grundton des Albums wird wahrscheinlich nicht jedermanns Sache sein, eine Chance sollte man Nanna jedoch einräumen und zumindest kurz in die Platte reinhören, denn sonst könnte einem vielleicht eine äußerst positive Überraschung entgehen.

Anspieltipps:

  • Human
  • Wolf & I
  • Helicopter
  • Break The Chain

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