LaFee - Frei - Cover
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LaFee Frei


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ende Mai 2011 wurde nach einer längeren Pause das große Comeback von LaFee (20) verkündet. Ein neues Album („Frei“) sollte es ab 1. Juli geben, eine erste Single („Ich bin“) daraus bereits drei Wochen vorher erhältlich sein. Doch dann kam (fast) alles anders. Für die Debütsingle eines neuen Albums lief „Ich bin“ erschreckend schwach und kam gerade einmal bis auf Platz 80 in den deutschen Charts. Die Trendbarometer verhießen nichts Gutes und so ruderten die 20-Jährige und ihr neues/altes Label EMI Mitte Juni zurück.

Die Veröffentlichung des Longplayers wurde um zwei Monate verschoben, obwohl dieser schon komplett fertig gestellt und bei diversen Onlinehändlern wie Amazon anzuhören war. Angeblich gab es ein paar Kleinigkeiten nachzubessern, so die Sängerin in einer Videobotschaft auf ihrer Homepage. Natürlich ganz freiwillig, denn eigentlich sei „Frei“ schon zu 100% gelungen. Klingt plausibel, allein es fehlt die Überzeugung.

„Frei“ ist ein bewusst plakativ gewählter Albumtitel für einen Ex-Teenstar (so schnell vergeht die Zeit), der gereift (natürlich!) auf die Bildfläche zurückkehrt. Dass dies nicht unter dem bürgerlichen Namen Christina Klein geschieht, sondern weiterhin unter dem LaFee-Banner, lässt in Sachen Konsequenz aber zu Wünschen übrig. Aber sei’s drum. Was wirklich zählt, ist eine musikalische Weiterentwicklung. Denn mit dem niedlichen Gothic-Flair und den Bratzgitarren aus dem Rammstein-Lager dürfte heuer kein Start mehr zu machen sein. Also schnell mal einen Blick auf die aktuellen Marktströmungen geworfen und festgestellt, dass tanzbarer Elektro-Pop zurzeit am besten funktioniert.

Auf E-Gitarren wurde freilich nicht ganz verzichtet („Lass die Puppe tanzen“). Diese agieren nun einträchtig mit dicken Beats („Fliegen mit mir“, „Herzlich willkommen“) und Elektrospielereien („Alles Gute“, „Phönix“). Inhaltlich hat sich dabei nicht viel verändert. Die behandelten Themen sind zu 100% Zielgruppenkompatibel („Danke“, „Sonnensystem“) und versprühen auch heuer die leichte Düsternis aus der Gothic-Schiene („Du allein“, „7 Sünden“). Doch auch wenn die Peinlichkeiten der ersten Alben verschwunden sind, preisverdächtig ist die Lyrik nach wie vor nicht. Dafür stößt LaFee mit einem Titel wie „Leben wir jetzt“ direkt in Richtung Dancefloor vor und macht Rihanna und Co. Konkurrenz, während eine Pianoballade wie „Sieh mich an“ auch aus der Silbermond- oder Christina-Stürmer-Ecke kommen könnte.

Auch wenn sich ein Werk wie „Frei“ als konstruiertes Produkt einstufen lassen muss, darf man diesem dennoch bescheinigen, dass es nicht wie ein Aufguss der ersten drei LaFee-Studioalben klingt. Das hätte der Hörer sicher am allerwenigsten gebraucht. Mit einem neuen Produzententeam im Rücken (Peter Hoffmann, David Bonk) schuf LaFee, die stimmlich inzwischen nicht selten wie Kollegin Nena klingt, eine zeitgemäße Platte, die zeigt, wie es mit der 20-Jährigen weitergehen kann, wenn ihre Fans sie auf dem Weg begleiten. Dazu wird vermutlich noch einiges an Überzeugungsarbeit nötig ein, doch die Vorstellung einer erwachsenen LaFee ist nun wenigstens kein Hirngespinst mehr.

Anspieltipps:

  • Danke
  • Alles Gute
  • Sieh mich an
  • Fliegen mit mir

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