Paul McCartney - McCartney II (Deluxe Edition) - Cover
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Paul McCartney McCartney II (Deluxe Edition)


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 86 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei „McCartney II“ haben wir es mit einem künstlerischen Flop zu tun!

Als Paul McCartney im April 1970 sein erstes „richtiges“ Soloalbum veröffentlichte (vier Jahre zuvor hatte er bereits den „The Family Way“-Soundtrack komponiert), ging dies einher mit der Verkündung der Auflösung der Beatles, die sich seit Monaten nur noch in den Haaren lagen. Dabei hatten sie mit „Let It Be“ noch ein letztes Album fertig gestellt, für das es einen passenden Veröffentlichungstermin zu finden galt, da auch Beatles-Drummer Ringo Starr mit „Sentimental Journey“ sein Solodebüt in trockenen Tüchern hatte. Die Herren einigten sich schließlich auf die Reihenfolge Ringo Starr (März 1970), Paul McCartney (April 1970) und The Beatles (Mai 1970), gefolgt von John Lennons erstem offiziellen Soloalbum „Plastic Ono Band“ (Dezember 1970).

Im Rahmen des ambitionierten Neuauflagenprogramms der Concord Music Group (dies ist anstelle der altehrwürdigen britischen EMI seit 2007 Paul McCartneys neuer Vertragspartner), werden nach dem Re-Issue des Wings-Albums „Band On The Run“(12/1973) nun die beiden ersten Solowerke „McCartney I“(04/1970) und „McCartney II“(05/1980) des mittlerweile 69-Jährigen in verschiedenen Konfigurationen neu auf den Markt gebracht, von denen für jeden Geldbeutel etwas dabei ist: Von der einfachen Version mit nur einer CD, über ein Doppelalbum mit Bonus Tracks (hauptsächlich Live-Versionen, aber auch Outtakes und unveröffentlichtes Material) bis hin zur „Super Deluxe Ausgabe“ mit bis zu vier Silberlingen. Und wer mag, kann sich natürlich auch der Vinyl-Version annehmen.

„McCartney II“ erschien zehn Jahre (!) nach „McCartney I“. Das bedeutet aber nicht, dass Paul McCartney in dieser Zeit untätig war. Vielmehr brachte er zusammen mit seiner Ehefrau Linda das Album „Ram“ (05/1971) sowie mit seiner Band Wings acht Studioalben auf den Markt. Erst danach war es Zeit für „McCartney II“, das auf Paul und Linda McCartneys Farm in Schottland ab Juli 1979 Gestalt annahm. So steht es auch im Booklet geschrieben: „This album war recorded at home“.

Wie schon auf „McCartney I“ verzichtete der Ex-Beatle auf die Unterstützung anderer Musiker. Allerdings gingen die sich abzeichnenden musikalischen Veränderungen Ende der 70er Jahre/Anfang der 80er Jahre auch an McCartney nicht spurlos vorüber. Der Sound seiner Songs war deutlich elektronischer und von Synthesizern geprägt. Eröffnet wird es von dem von Funk-Einflüssen geleiteten „Coming up“, doch schon „Temporary secretary“ mit seinen computerartigen Klängen (und Computer in den 80er Jahren klangen leider einfach nur grottig) trug zur Verwirrung bei.

Hier hatte jemand offenbar zuviel Krautrock á la Tangerine Dream, Can, Kraftwerk oder auch Neu! gehört, aber nicht verstanden wie dieser funktioniert. Denn auch weitere Versuche in diese Richtung wie z.B. „Front parlour“ und „Frozen jap“ können nicht überzeugen. Mit „Bogey music“ und „Darmroom“ gibt es sogar zwei Totalausfälle, bei denen selbst ein guter Sinn für Humor nichts hilft. Dagegen sind düstere („On the way“) und rockige Bluesstücke („Nobody knows”) sowie die nicht minder dunkle Ballade „Waterfalls” nur wenig versöhnlich. So fällt das Fazit leicht, dass wir es bei „McCartney II“ mit einem künstlerischen Flop zu tun haben, den auch der remasterte Sound und die acht Bonus Tracks nicht aufwerten können.

Anspieltipps:

  • Waterfalls
  • On the way
  • Coming up

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