Junior Boys - It´s All True - Cover
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Junior Boys It´s All True


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Was war das für ein Jahr, als The Postal Service das Licht erblickte. Elektronischer Pop geht auch modern und er geht richtig gut. „Such Great Heights“ ist auch heute noch ein Favorit auf Indie-Partys, wobei das komplette Album es einem schwer macht, Favoriten auszumachen. Auf einer ähnlichen Schiene bewegen sich seit 2004 die Junior Boys, die ihre Wurzeln ebenfalls im Synthie-Pop der 80er sehen, sich aber noch nicht so in die Neuzeit versetzt haben, wie es The Postal Service damals taten. Besonders das letzte Album besaß laut Jeremy Greenspan von den Junior Boys „nicht die nötige Zugkraft“, um die Hörer mitzureißen. Mit altem Rezept und neuer Platte soll aber alles besser werden und das neue Konzept mit Namen „It's All True“ versucht zu überzeugen.

Es hätte klappen können. Die Junior Boys treffen die richtigen Töne und viel mehr 80er kann man sich kaum wünschen, wenn „Itchy Fingers“ das Album eröffnet oder „You'll Improve Me“ auf die Tanzfläche bittet, ohne aggressiv zu sein. Zu schön um wahr zu sein und wer einfach nur ausspannen möchte, der wird garantiert glücklich. Aber wie machen wir dann das mit der Tanzfläche? Das Problem ist, dass die Lieder sich zu zwei Dritteln weigern, unterhalb der Fünfminutenmarke zu enden und aus flottem Elektro-Pop Lounge-Musik wird. Und gerade die Lieder, die sich mit weniger als fünf Minuten zufrieden geben leben von Art („The Reservoir“) oder „Choruslosigkeit“ („A Truly Happy Ending“). Natürlich ist es löblich, wenn man sich von Konventionen entfernt und Neues ausprobiert, doch der sowieso schon sehr zurückhaltenden Musik der Junior Boys hätte ein wenig mehr Gerüst und Einprägsamkeit gut getan.

Es ist eine Freude, all die kleinen Elemente zu beobachten und herauszuhören und so eignet sich „It's All True“ als Anhörungsmaterial für klassische Hörspielsendungen und Hörforschung, aber der Spaß an den Liedern selbst lässt leider schneller nach, als die Lieder vorbei sind. Es scheint fast so, als seien die meisten der Stücke künstlich verlängert, um den Experimenten der Kanadier Platz einzuräumen. Hier wird die Unterhaltung der Kunst geopfert, was immer ein gefährliches Unterfangen ist. Es ist zugegebenermaßen eine Gratwanderung und allein innerhalb der Lieder zeigt sich, dass überragend und auslaugend nah beieinander liegen. „Banana Ripple“ ist mit seinen knapp zehn Minuten der beste Beweis, da das Lied mit immer neuen Einschüben für Unterhaltung zu sorgen versucht, um letztlich ein Dutzend Mal dasselbe Prinzip vorzustellen. Auch diesmal werden die Junior Boys keine großartige Zugkraft entwickeln, da zu viel gekleckert statt geklotzt wurde. Weniger Spielereien, mehr grundlegende Veränderungen des Sounds und schon könnte diese Form von Elektronik so begeistern, wie es The Postal Service vor acht Jahren taten.

Anspieltipps:

  • Banana Ripple
  • You'll Improve Me
  • Itchy Fingers
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