Joy Division - Total: From Joy Division To New Order - Cover
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Joy Division Total: From Joy Division To New Order


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 80 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Inbegriff von New Wave sind schwelgende Synthesizer, die einen Klangteppich für sphärische Gitarren ausrollen. Dazu nachdenkliche, emotionale Texte, die recht selten das sind, was man zuversichtlich oder aufmunternd nennt. Eine der ganz großen Nummern dieser Bewegung ist New Order, die neben den Smiths und The Cure und weiteren Bands für ätherisch benebelte Massen gesorgt haben – und das allein mit ihrer Musik. Längst vergessen sind die Tage, an denen New Order noch Konzerte spielten und verschwitzte Massen zu der geheimnisvollen Musik der Jungs aus Manchester hin und her wippten.

Zum Glück vergessen Plattenfirmen ihre Goldesel nicht und nehmen sich auch gerne vergangener Musik an. Knappe 80 Minuten bieten Rhino und Warner eine Compilation der bekanntesten New-Order-Stücke. Als Dreingabe bekommt der Hörer auch noch eine Hand voll Joy-Division-Lieder. Für Einsteiger: New Order entstand aus Joy Division nachdem der Sänger der ersten Band Suizid begangen hatte. Das dürfte auch den fehlenden Hang zur Sonnenscheinmusik erklären. Nette Perlen für Neulinge, wobei besonders „Love Will Tear Us Apart“ heraussticht. Die wahre Augenweide dieses Best-Of sind jedoch die gesammelten Stücke der Kult-Gruppe, die wir als New Order kennen. Echt, authentisch und voller schöner Melodien funktionieren die emotionalen Stücke der Band noch immer so gut, wie vor 30 Jahren. Die Aufnahmequalität lässt auch für heutige Standards noch auf eine Garage-Indie-Truppe gehobener Klasse schließen, sodass auch jüngere Hörer schnell Zugriff finden dürften.

Was kann man zu New Order noch großartig sagen? Dadurch, dass die Plattenfirma sich die Pralinen herauspicken konnte, gibt es an den Liedern nichts zu meckern und man erfährt die besinnlichen Momente („Ceremony“) genauso brillant wie die tanzbaren in all ihrer früh elektronischen Pracht („Temptation“, „Blue Monday“). Gerade „Blue Monday“, welches einigen Hörern von Depeche Mode bekannter sein dürfte, überrascht auch heute noch damit, dass es eher auf die Tanzfläche lockt, als einige Versuche von aktuellen Chartgrößen, die sich in unsäglichem Plastik-Dance-Pop verlieren. Das ist New Wave in Reinform. Für Nostalgiker und Neugierige zeigt sich hier abermals die Welt der Tanzflächen vergangener Tage. Da verstecken sich auch fragwürdige quietschende Tracks wie „World In Motion“, aber inmitten eher düsterer Töne ist so ein Ausrutscher auf Zuckerglasur verschmerzbar. The Cure nimmt man ihre „Lovecats“ oder „Friday, I'm In Love“ schließlich auch nicht krumm. So heißt es für jene, die sich nach dem letzten Album 2009 – nachdem die Band sich bereits 2007 aufgelöst hatte – immer noch nicht an den Gedanken des Abschieds gewöhnt haben: Tschüss New Order. Es war eine schöne Zeit mit euch.

Anspieltipps:

  • Blue Monday
  • Love Will Tear Us Apart
  • Temptation

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