Whitesnake - Live At Donington 1990 - Cover
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Whitesnake Live At Donington 1990


  • Label: SOULFOOD
  • Laufzeit: 127 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem visuellen Desaster steht ein Konzert voller Spielfreude gegenüber, was den Rest schnell vergessen lässt.

Diese DVD ist ein Relikt der Vergangenheit! Das Videomaterial ist für heutige Verhältnisse einfach unterirdisch. Entweder haben die Verantwortlichen die Mastertapes nicht mehr gefunden oder sie wollten das alte, körnige und blasse VHS-Bild behalten, um bei den Fans der ersten Stunde nostalgische Gefühle zu wecken. Seltsamerweise wurde sogar das Menü der schlechten Qualität angepasst. Der Rest kann gar nicht so richtig kritisiert werden, denn der gesamte Schnitt und besonders die grotesken Zeitlupensequenzen der einzelnen Akteure bei speziellen Rockposen könnten den Zeitgeist der 80er nicht besser wiedergeben. Insofern hat jemand den Schnitt gemacht, der die letzten 20 Jahre im Koma lag, oder der Schnitt ist genauso alt wie das Material an sich. Die Klamotten der Musiker sind ebenfalls nicht zu verachten, wie würde Oliver Geissen in seiner 80er Show sagen: „Was wir für Klamotten damals anhatten, Wahnsinn oder?“.

Diesem visuellen Desaster steht ein Konzert voller Spielfreude gegenüber, was den Rest schnell vergessen lässt. Aus der Klangaufnahme aus 1990 wurde im Gegensatz zum Bild deutlich mehr rausgeholt, bis auf einige Verzerrungen und Übersteuerungen klingt der Mix sowohl in 5.1 als auch in Stereo gut. Wer zwei Gitarrenkünstler zusammen auf einer Bühne hören (und sehen) möchte, dies ist die Möglichkeit dazu, denn neben dem Flying Dutchman Adrian Vandenberg stand damals Steve Vai an der zweiten Gitarre. Dieser nutzte das Vehikel Whitesnake um seine Solokarriere zu puschen und durfte sogar mit „For The Love Of God“ und „The Audience Is Listening“ zwei seiner Songs von „Passion And Warfare“ aufführen. Dabei ist gut zu sehen, dass er schon damals seine typischen Bewegungen und Show-Einlagen benutzt hat, um seine Gitarrensoli noch spektakulärer aussehen zu lassen. Er war, ist und bleibt ein sympathischer Freak.

Das Konzert oder vielmehr die Bandbesetzung spaltet das Fanlager, denn die sehr spielfreudigen Herren schlagen gerne über die Stränge und weiten ihre Soli zur Selbstdarstellung aus. Das betrifft die beiden Gitarristen genauso wie Herrn Aldridge am Schlagzeug, der zeitweise sein Solo in „Crying In The Rain“ ohne Sticks aufführt. Ist das noch eine Band oder lediglich ein Zusammenschluss von Individualisten? Coverdale hat am Mikro nicht den besten Tag erwischt in Donington, aber das fällt gar nicht so ins Gewicht. Wem all das nichts ausmacht, der bekommt ein Konzert, das wirklich Spaß macht, und eine Setlist, die gespickt ist mit vielen Klassikern der Band.

Als eigenes Produkt hat „Live At Donington 1990“ für die heutige Zeit dennoch keine Daseinsberechtigung, jedenfalls nicht in der audiovisuellen Version, da hilft auch das belanglose 21minütige Making of zu „Slip Of The Tongue“ nicht. Für ein Projekt, das seit 10 Jahren von den Fans gefordert wurde, ist die Umsetzung wirklich schwach. Als Zusatz zum letzten Album „Forevermore“ wäre das sicherlich okay gewesen, aber so ist es lediglich für all diejenigen geeignet, die in ihrem Blu-Ray- oder DVD-Player die alten VHS-Zeiten noch mal erleben möchten. Allen anderen bleibt die Option der geschlossenen Augen oder am ehesten die CD-Version des Konzerts, die einen deutlich positiveren Eindruck hinterlassen dürfte. Gutes Konzert, schlechte DVD.

Anspieltipps:

  • Judgement Day
  • Is This Love?
  • Crying In The Rain
  • Here I Go Again
  • Ain’t No Love In The Heart Of The City

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