Miss Li - Beats & Bruises - Cover
Große Ansicht

Miss Li Beats & Bruises


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Miss Li wird erwachsen. Miss Li wird nostalgisch. Könnte man meinen, denn die künstlerische Gestaltung von Disc, Booklet und Digipak signalisiert genau dies. Außerdem hat sich die Schwedin für „Beats & Bruises“ Zeit genommen. Zwei Jahre sind ins Land gegangen seit „Dancing The Whole Way Home“ erschienen ist, für Miss Li eine halbe Ewigkeit, schließlich hat sie ihre ersten drei Alben innerhalb eines Jahres veröffentlicht. Auf „Beats & Bruises“ war wieder ihr Lebenspartner, Gitarrist und Keyboardpieler Sonny Boy Gustafsson zugegen, der gemeinsam mit Linda Carlsson (Miss Lis bürgerlicher Name) produziert und komponiert hat.

Die einschlägigen Medien haben Miss Li in die Schublade „schwedische Kate Nash“ gesteckt, mit ihrem neuen Album darf nun nach neuen Etiketten gesucht werden, auch und gerade weil sich Miss Li naturgemäß nicht neu erfunden hat. Auch „Beats & Brusies“ greift wieder auf diverse Stilformen wie Pop, Chanson, Electro, Jazz, Blues etc. zurück, bringt aber das Ganze mehr auf den Punkt, sprich: das Songwriting kommt in entschleunigteren und formvollendeteren Strukturen daher.

Dennoch ist Miss Lis neues Album wieder astreine Popmusik mit Spaßfaktor, jedoch in reiferer Form. Die Kontraste von musikalischer Ausgelassenheit und tragischen Texten wird bereits beim ersten Song „Devil’s Taken Her Man“ offensichtlich. Dagegen ist „Shoot Me“ in Gänze melancholischer Natur, denn Miss Li thematisiert ihre Krankheit, die ihr im vergangenen Jahr physische und psychische Schmerzen zufügte. Sechs Monate lang konnte sie nicht mal mehr gehen. Sicherlich schlimm für eine Frau, die ihrem letzten Album den Titel „Dancing The Whole Way Home“ verpasste. Amüsanter geriet „Arrested“, dort tanzte Miss Li nicht auf dem Nachhauseweg, sondern ging einem allzu menschlichen Bedürfnis nach und pinkelte auf die Strasse, wofür sie tatsächlich in Arrest genommen wurde.

Nachdenklicher dann die finale Frage „Are You Happy Now?“, ein weiteres Indiz fürs Erwachsenwerden, den Blick zurückgerichtet auf das bisherige Leben. Dementsprechend lebt das ganze Album von den Kontrasten, die manchmal innerhalb eines Songs hervortreten. Melancholie trifft auf Spaß, das Mädchen auf die Frau, die Sinnfragen auf banalen Alltag. Also allesamt Themen, die anpsruchsvoller Popmusik gut zu Gesicht stehen. Miss Li steckt mittendrin, zwischen Anspruch und Spaß, zwischen Beats und blauen Flecken, in der Sinnkrise und mitten im Leben. „Beats & Brusies“ ist erwachsene, moderne und nostalgische Popmusik auf künstlerisch und handwerklich hohem Niveau. Weiter so Miss Li und nicht unterkriegen lassen!

Anspieltipps:

  • Devil’s Taken Her Man
  • Shoot Me
  • Arrested
  • Are You Happy Now?

Neue Kritiken im Genre „Pop“
7.5/10

Rainbow
  • 2017    
Diskutiere über „Miss Li“
comments powered by Disqus