Red Hot Chili Peppers - I´m With You - Cover
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Red Hot Chili Peppers I´m With You


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 59 Minuten
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Red Hot Chili Peppers - I´m With You
10 1 7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Einen Gitarristen wie John Frusciante kann man nicht einfach ersetzen. So viel ist gewiss, schließlich ging diesbezüglich der letzte Versuch der Red Hot Chili Peppers, als sie für „One Hot Minute” (1995) Dave Navarro (Jane's Addiction) ins Boot holten, gehörig daneben. Frusciantes Gitarrenspiel war nicht nur prägend und wichtig für die Peppers und ihren Sound, er ist natürlich auch maßgeblich verantwortlich für die Qualität von Alben wie „Blood Sugar Sex Magik” (1991). Umso glücklicher ist also der Umstand, dass mit Josh Klinghoffer ein Ersatz gefunden worden ist, der nicht nur mit Band und seinem Vorgänger befreundet, sondern auch schon live mit der Band aufgetreten ist und sogar an Frusciantes letzten Soloalbum „The Empyrean” (2009) mitgearbeitet hat.

Es ist somit unvermeidlich, dass sich Klinghoffer an den diesmal in Frieden gegangenen Meister messen lassen muss. Die Virtuosität und aufdringliche Spritzigkeit Frusciantes besitzt er nicht. Und dennoch füllt er das entstandene Loch mehr als angemessen aus: Sein Spiel ist subtiler, songdienlicher und weniger rifflastig, seine Gitarre klingt der Frusciantes jedoch zum verwechseln ähnlich. Bassist Flea bestätigte in diversen Interviews, dass Klinghoffer die Art, wie die Peppers Songs schreiben, verändert habe: So basierten die Songs nun weniger auf Jamsessions, sondern durchdachten Songwriting. Tatsächlich klingt die Band auf „I'm With You”, ihrem zehnten Studioalbum, wie eine Einheit, in die sich die Mitglieder einfügen und aufeinander reagieren. Dies erklärt zum Beispiel, das Fleas sonst so wild umherhüpfender Bass hier weitaus weniger auffällt als früher.

Auf „I'm With You” klingen die Red Hot Chili Peppers unerwartet frisch, was nach dem etwas verkrampften Mammutwerk „Stadium Arcadium” (2006) wohl ebenfalls Klinghoffers Verdienst sein dürfte. Seine Klasse an der Gitarre kann das neue Bandmitglied zum Beispiel beim Höhepunkt des Songs „Goodbye Hooray” mit einem wilden Gitarrensolo unter Beweis stellen. Funk spielt eine untergeordnete Rolle, ist in Liedern wie „Factory of Faith” jedoch stets präsent. „I'm With You” ist insgesamt durchweg eine sehr poppige Platte geworden („Brendan's Death Song”, „The Adventures of Rain Dance Maggie”, „Police Station”), auch wenn mit „Look Around” oder eben „Goodbye Hooray” ein paar echte Alternative-Funkrock-Stücke dabei sind. Flea, der während der Bandpause Klavier lernte sowie Klinghoffer schrieben außerdem viele Stücke des Albums am Piano, was sich insbesondere an Stücken wie „Even You Brutus?” hören lässt und eine starke Neuerung ist. „Monarchy of Roses” hingegen eröffnet mit Feedback-Geschrammel und Stimmverzerrer unerwartet experimentell, bevor der Song in einem so typisch harmonischen Peppers-Refrain mündet.

Immer wieder gibt die Band ihren Songs über verschiedene Interludes wie kurze Funkausbrüche („Dance, Dance, Dance”) oder Klavierspiele („Police Station”) Raum zum atmen und brechen mit allzu offensichtlichen Strophe/Refrain-Abfolgen. In „Did I Let You Know” überrascht z.B. ein kurzer Trompeten-Jam inmitten des Songs, bevor es weitergeht, als wäre nichts gewesen. Mit „Brendan's Death Song” und „Police Station” hat das Quartet auch mindestens zwei sehr starke balladeske Songs auf „I'm With You” gepackt. „The Adventures of Rain Dance Maggie”, die erste Single des Albums, ist ausgerechnet auch der schwächste Song des Albums. Ansonsten gibt es an „I'm With You” eigentlich nicht viel zu meckern. Echte Ausrutscher sind nicht auszumachen, nur ein paar Songs, die eben nicht ganz an die Höhepunkte heranreichen („Annie Wants a Baby”, „Happiness Loves Company”, „Meet Me at the Corner”). Die Produktion von Rick Rubin ist ausgewogen, glassklar und druckvoll, das passt. Überraschenderweise schlägt „I'm With You” somit den Vorgänger „Stadium Arcadium”, an Großtaten wie „Californication” (1999) kann das Album aber selbstverständlich nicht anschließen. Und ein bisschen unheimlich ist das ja schon: Die Red Hot Chili Peppers machen einfach so weiter, und zwar mit einer Qualität, mit der nicht unbedingt zu rechnen war.

Anspieltipps:

  • Monarchy of Roses
  • Brendan's Death Song
  • Look Around
  • Did I Let You Know
  • Police Station

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