Dir En Grey - Dum Spiro Spero - Cover
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Dir En Grey Dum Spiro Spero


  • Label: Gan-Shin/Rough Trade
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Dir En Grey ist eine dieser Bands, an denen sich die Geister scheiden. Wirft man einen genaueren Blick auf die Reaktionen auf diese japanische Band, gibt es eigentlich nur zwei hart getrennte Lager: die großen Fans, die ihre Idole vergöttern und absolut nichts auf sie kommen lassen und jene, die die Band auf den Tod nicht ausstehen können. Streitpunkt dabei ist in der Regel Sänger Kyo, sein Gesang und sein Verhalten auf der Bühne. Dass er über eine weite Klangbreite verfügt, lässt sich vor allem in seinen Growls und Shouts nicht abstreiten, sein melodischer Gesang allerdings wurde nicht von allen unglaublich positiv aufgenommen. Schlimmer allerdings wurde sein Verhalten auf der Bühne aufgefasst, denn Kyo tendiert zu einem ungesunden Maß der Selbstverletzung. So war es keine Seltenheit, dass er sich mit den Fingernägeln die Brust aufkratzte, sich mit dem Mikrofonständer blutig schlug oder sich mit Hilfe seiner Kleidung selbst würgte. Inzwischen hat er wohl selbst allerdings von einem Großteil dieser Handlungen Abstand genommen, was durchaus als positives Zeichen anzusehen ist. Nichts desto trotz haben sich Dir En Grey weltweit eine breite Fangemeinde erspielt, die über die reine J-Rock-Fanbase hinaus geht. Bestes Beispiel dafür sind ihre mehrfachen Auftritte auf großen Metalfestivals wie z.B. dem Wacken Open Air, auf dem sie auch in diesem Jahr auftreten werden.

Der vorliegende Silberling „Dum Spiro Spero“ (lat. Sprichwort: „Solang ich atme, hoffe ich“) ist nun etwas ganz besonderes, denn Dir En Grey haben es geschafft, dass ihr achtes Studioalbum zeitgleich in Japan und Europa veröffentlicht wird. Für den normalen Markt mag das seltsam klingen, doch für japanische Künstler ist das wirklich eine Errungenschaft, denn normalerweise müssen die europäischen Fans eine Weile auf die europäische Veröffentlichung warten oder sich mit teurem Import begnügen.

Nach zunächst experimentellen Klavierklängen werden schon im Intro „Kyoukotsu No Nari“ harte Klänge mit sanften Melodien und Gänsehaut erregendem, undefinierbarem Gekreische kombiniert. Mag seltsam klingen und doch funktioniert es nicht nur prima sondern setzt auch gleichzeitig die Stimmung des gesamten Albums. Singt Kyo in „THE BLOSSOMING BELZEBUB“ noch experimentell und doch erstaunlich melodiös, beweist er spätestens in „DIFFERENT SENSE“ seine Künste sowohl in Growls wie auch Screams. Instrumental gesehen bleibt ebenfalls immer eine Mischung zwischen harten Drums, schnellen Bass- und Gitarrenlinien und doch diesem Funken Melodie. Doch gerade diese Mischung macht es interessant fürs Ohr, denn sie erzeugt eine unglaubliche Vielschichtigkeit, die die Songs auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig werden lassen. Im Gegenteil – man entdeckt sogar mehr und mehr Details in diesen Klangteppichen und verliert sich so völlig in der Musik.

Die Tracks des Silberlings sind abwechslungsreich und einzigartig und schaffen es sogar in sich selbst mit krassen Stilbrüchen zu überraschen. Bestes Beispiel ist „Yokusou Ni DREAMBOX” Aruiwa Seijuku No Rinen To Tsumetai Ame“, einem eigentlich ruhigen, melancholischen Song, der gleichzeitig in manchen Parts eine sehr düstere, aggressive Seite an den Tag legt, die völlig aus dem Songkonzept zu brechen scheint und den Titel auf seine Art und Weise ergänzt und vervollständigt.

Dir En Grey ist, war und wird wahrscheinlich immer ein Band bleiben, die es beherrscht mit Schmerz, Trauer, Wut und Verzweiflung auf so einzigartige Weise umzugehen. Wer Fröhlichkeit sucht, ist hier leider völlig falsch. Doch gerade diese vorliegende Mischung schafft es, so tief im Herzen zu berühren, so große Kluften zu schlagen und die Fans immer wieder zu überraschen und zu begeistern. Mit „Dum Spiro Spero“ sind Kyo und seine Bandkollegen einmal mehr über sich hinausgewachsen. Ihr Platz sowohl in der J-Rock- wie auch der Metalcore-Szene ist ihnen mit diesem Silberling erneut sicher. Dieses Album lohnt sich definitiv nicht nur für alteingesessene Fans, sondern eine definitive Empfehlung für Fans von gepflegtem und gleichzeitig experimentell besonderem Metalcore.

Anspieltipps:

  • THE BLOSSOMING BELZEBUB
  • „Yokusou Ni DREAMBOX“ Aruiwa Seijuku No Rinen To Tsumetai Ame
  • DECAYED CROW
  • VANITAS

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