Morbid Angel - Illud Divinum Insanus - Cover
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Morbid Angel Illud Divinum Insanus


  • Label: Season Of Mist/SOULFOOD
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach der längsten Durststrecke zwischen zwei Alben sind Morbid Angel endlich beim Buchstaben „I“ angelangt. „Illud Divinum Insanus“ ist allerdings nicht nur einfach das achte Studioalbum (die Live-Scheibe „Entangles In Chaos“ (02/1997) wurde in den Alphabetzyklus eingebunden) von David Vincent (Gesang, Bass), Trey Azagtoth (Gitarre), Destructhor (Gitarre) und Tim Yeung (Schlagzeug), der für den durch eine Operation verhinderten Pete Sandoval eingesprungen ist, sondern markiert auch einen Wendepunkt im Schaffen der legendären Metzgerei aus Florida, die viele Death Metal-Puristen stellenweise ordentlich vor den Kopf stoßen wird.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Morbid Angel für deftige und technisch stets anspruchsvolle Knüppel-aus-dem-Sack-Kompositionen standen, 2011 ist nämlich schlicht und ergreifend das Jahr des stumpfen Geballers! Sogar Rammstein-, Rob Zombie-, Laibach- und Marilyn Manson-Anleihen sind dabei! Jetzt stellt sich nur die Frage, wer das von der Mannschaft aus Tampa eigentlich hören will? Zugegeben, das überlange Speedcoregedöns „Too extreme!“, die mäßig interessante Zombie-Nummer „Destructos vs. the earth / Attack“ oder die widerwärtige Reizüberflutung namens „Profundis - Mea culpa“, die sich mit getriggerten Samples und einem wirren Konstrukt selbst das Licht ausbläst, sind absichtlich an der Zielgruppe vorbei konstruierte Stücke, die wohl gerade deswegen Aufmerksamkeit erregen wollen, mutig ist so ein herber Stilbruch aber allemal.

Als mehr als brauchbar erweist sich hingegen das primitive und trotz seiner 7 1/2 Minuten schlüssig bleibende „Radikult“, dass einem Bulldozer gleich im NDH-Outfit über die entsetzten Seelen ehemaliger Morbid Angel-Fans rollt. Die bekommen dafür mit „Blades for Baal“ und „10 more dead“ zwei Oldschool-Artilleriegeschütze der Extraklasse als Entschädigung, ein Groove-Monster inmitten der apokalyptischen Morbid Angel-Parameter („Beauty meets beast“), einen wirbelsturmartigen Aggressionsabbau nach Florida Art („Nevermore“, „Existo vulgoré“) und eine saucoole Live-Hymne, die ab jetzt jede Show der vier Herrschaften begleiten dürfte.

Damit sind Morbid Angel zwar auf der sicheren Seite, in einflussreiche oder gar meisterhafte Sphären bricht „Illud Divinum Insanus“ aber nie aus. Die Strophen amten zwar den Geist vergangener Tage und die meist schlachtrufähnlichen Refrains eignen sich hervorragend um die Birne auf den Tisch zu hämmern, mehr als eine solide Death Metal-Scheibe, die sich bei vier bzw. drei Tracks (je nach Aufgeschlossenheit) in der Tür geirrt hat, ist der achte Todesbleibolzen der Floridianer jedoch nicht geworden.

Anspieltipps:

  • Radikult
  • I Am Morbid
  • Existo Vulgoré
  • Blades For Baal

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