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  • Label: Cargo Records
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Zeit der Indie-Bands ist vorbei! Zumindest im Sinne von Indie, denn trotz musikalischer Verdrehtheit oder unkonventionellen Ideen füllen auch Arcade Fire ganze Stadien. Vor einer knappen Dekade mochte man zur ersten Platte von The Shins noch von Indie-Musik reden, aber oft möchte man mit Indie-Rock Musik beschreiben, die anders klingt. Sich vom Ton der Charts abzuheben versucht und dabei auf Retro, Folklore, Gypsie oder sonstige Stile zurückgreift: Das ist Indie-Musik. Die Figurines aus Dänemark vereinen dabei viele der nötigen Attribute für eine Indie-Band. Sie laufen in Querstreifen und Karohemden durch die Landschaften und über die Bühnen und pflegen einen Rock zu spielen, der an The Smiths erinnert. Ist dieser 90er-Sound genug, um auch heute noch für gute Laune zu sorgen oder greift man besser gleich zum Original?

Mit den ersten beiden Alben „Shake A Mountain“ und „Skeleton“ sorgten die damals noch fünf Dänen für ordentlich Aufruhr und waren sogar in den USA ein Geheimtipp. Jetzt sind sie nur noch zu dritt, benennen das Album nach sich selbst und suchen konsequent den Mittelweg aus psychedelischen und romantischen Momenten, der an die Fleet Foxes erinnert. Die Gesänge klingen wie eben aus einem Wald gerufen und auch die Musik klingt dumpf. Kein unübliches Mittel, zu dem auch schon The Raveonettes auf ihrem letzten Silberling gegriffen haben. Ähnlich wie bei den Kollegen, die ebenfalls aus dem wunderhübschen Dänemark kommen, tut sich jedoch auch der Dreier schwer, aus diesem Stil die ganz großen Lieder zu schaffen.

„Hanging From Above“ gefällt, doch man kann einfach nicht einschätzen, wie sehr dieser Song einem gefällt. In einem Moment ist man übermannt, wie bekannt einem die Mischung aus englischen Gitarrenriffs und dem hohen Gesang erscheint, doch dann will die Melodie doch nicht im Ohr bleiben. Wer aber nicht zu früh aufsteckt, der merkt schnell, dass die Figurines noch einen Weg gefunden haben. „The Great Unknown“ ist angenehm forscher Angriff auf die Gehörgänge und klingt zu Beginn sogar richtig rockig, bevor der Song von der Melodie eingefangen wird und den Hörer mit auf die Reise auf leichte Musikwolken zu nehmen. Auch in „New Colors“ und „Free Today“ springt der Funke weiter über und während hier und da Erinnerungen an The Cure oder eben The Smiths.

Leider bleibt das Album nicht weiter frei von Makeln. „Glee“ dürfte allein Hardcore-Fans der Fernsehserie begeistern und das allein aufgrund des Titels, da der Track verkopft aufgebaut ist und dabei verspielt wirken möchte. Das klappt überhaupt nicht und so scheint sich der Song pausenlos selbst auszubremsen. Bei „We Got Away“ ist es nicht ganz so schlimm. Die ruhige Nummer verläuft allerdings im Nichts, da die spärlich eingesetzten Instrumente keinerlei Abwechslung bieten und auch die Gesangsparts keine Anstrengungen unternehmen dem Lied die besondere Note zu geben. So handelt es sich um einen recht schönen Track, der durch fehlende Extras ganz schnell aus dem Gedächtnis verschwindet.

Abgesehen von „Call Your Name“, das ebenfalls nicht wirklich weiß woher es kommt und auch nicht wohin es geht, nimmt die Band aber wieder Fahrt auf und überzeugt die Hörerschaft mit dem ausgeglichenen, sehr melodischen Rock, der auch zu Beginn des Albums für Hörvergnügen sorgte. Die Band hat mit dem neuen Album also die Abgänge verkraftet und dürfte in keiner Indie-Stube fehlen. Ob die Figurines allerdings mit dieser recht vertrakten Nummer aus dem Schatten ihres Geheimtipp-Daseins fliehen können, ist mehr als fragwürdig. Im besten Falle trifft man sich auf der Tanzfläche zu „The Great Unknown“ und wird nie erfahren, dass es sich dabei um diesen Song handelt.

Anspieltipps:

  • The Great Unknown
  • Every Week
  • New Colors

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