The Horrors - Skying - Cover
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The Horrors Skying


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Primary Colours“ war sicher eine der Überraschungen im Jahr 2009: The Horrors, eine Band die nach ihren an The Cramps erinnernden Garage-Punk von „Strange House“ (2007) eher wegen ihres skurrilen Gothik-Looks im Gedächtnis geblieben war, veröffentlichen plötzlich ein ungeahnt ambitioniertes Werk: Anstatt einer spinnernden Orgel hörte man plötzlich kreischende, sirenende Synthies, der aufgedrehte Schreigesang war leicht gezähmt und im Mix zwischen die Instrumente eingebettet, die Garagerock-Gitarrenriffs waren durch sägenden und schrägen Saitenkrach ersetzt worden, der Bass mit dreckigen Fuzzsound versehen. Die Songs waren psychotisch, verstörend und kratzen wie Fingernägel an einer Tafel. Dennoch waren das Beste an „Primary Colours“ möglicherweise nicht die Songs selbst, sondern Geoff Barrows (Portishead) ausgefeilte Produktion.

Nicht nur äußerlich haben The Horrors nicht mehr viel mit dem Gothic-Style der Anfangstage zu tun: Auf „Skying“ wird der Krach der Vorgänger noch weiter zurückgefahren, die Songs werden in längliche und wellenförmige Formen gebracht und setzen genau da an, wo „Sea Within A Sea“ das letzte Album beendete. The Horrors dringen mit ihrem dritten Album noch tiefer in Richtung 80er, Shoegaze und Dream-Pop vor, Post-Punk wird eher klein geschrieben, mit Garage Rock hat die Band gar nichts mehr am Hut. Elegisch und depressiv leiert das dritte Album von The Horrors aus den Lautsprechern und gibt seinen Stücken Zeit zur Entfaltung. Anstatt zwei bis drei Minuten sind die Songs nun mindestens vier, manchmal bis zu acht Minuten lang. The Horrors bauen dichte Klanggebäude, in denen Gitarren- und Synthiesounds schweben, miteinander verwischen und in denen sich Faris Badwans Stimme mit starkem Hall verliert.

Sicher ist „Skying“ mit seinem harmonischeren Ansatz nicht die fiese Herausforderung, die „Primary Colours“ darstellte. Ein gewisses quäntchen Pop hat bei The Horrors durchaus Einzug gehalten. „Still Life“ bleibt beispielsweise durchgängig in seinem schleppenden Drumbeat, hat einen melodischen Refrain und funkelnde Synthesizer. Erinnerungen an „Disintegration“ von The Cure werden im Angesicht der vielschichtigen Synthietexturen wach. Schon „Changing the Rain” zeigt mit seinen sanften laut-leise-Dynamiken und den ineinander versinkenden, elektronischen Klängen die durchlässige, aber detaillierte Produktion auf. In „You Said“, „Wild Eyed“ und weiteren Songs werden Bläsersamples verwendet, „Endless Blue“ wechselt mitten im Stück plötzlich das Tempo. „Moving Further Away“ legt nach und nach immer weitere Melodieschichten übereinander, „Monica Gems“ konzentriert sich auf seine kratzenden Gitarren. Jeder Song zeichnet sich so durch irgendeine Besonderheit aus. Badwans Gesang ist zurückhaltend melodisch, ruhig und kommt ohne Ausreißer aus. Da „Skying“ insgesamt ein sehr geschlossenes Album geworden ist, ziehen kleine Schwachpunkte wie das etwas monotone „Wild Eyed“ und die nervigen fadeouts die durchweg hohe Qualität nur marginal nach unten.

The Horrors haben sich erfolgreich von dem style-over-substance Ansatz der ersten Jahre emanzipiert und legen mit „Skying“ ein Album vor, das nicht nur noch ambitionierter im Songwriting und ästhetischer in seinem Soundbild ist, sondern es trotz all seiner demonstrativen Verschlossenheit irgendwie schafft, eingängige Melodien mit einzubauen. So finden sich kleine Türchen wie „Still Life“, die den Zugang zum dritten Album von The Horrors erleichtern. Die verschmelzenden Farben des Covers von „Skying“ versinnbildlichen dabei einfach wunderbar, in welchen surrealen Traumzustand das Album Hörer und Umgebung versetzt.

Anspieltipps:

  • You Said
  • I Can See Through You
  • Still Life
  • Monica Gems

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