Saul Williams - Volcanic Sunlight - Cover
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Saul Williams Volcanic Sunlight


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Einer der ernstzunehmendsten, intellektuellsten und sperrigsten HipHop-Artists unserer Tage goes catchy. Und trotz des garantierten Szene-Bashings für so viel Pop: das Eingängigkeitsexperiment Saul Williams’ funktioniert voll und ganz. Wer ihn kennt und liebt wird zunächst geschockt sein, wem er unbekannt ist erhält mit „Volcanic Sunlight“ einen zugänglichen, fast schon Spaß machenden Einstieg in Williams poetische Wortwelten voller Schonungslosigkeit und Verarbeitungswillen der eigenen Erfahrungen.

Vier Jahre nach dem Kollaborationsalbum mit Buddy Trent Reznor aka Nine Inch Nails „The Inevitable Rise and Liberation of Niggy Tardust!“, ein Industrial-HipHop-Punch-in-the-Face, welches sein am schwersten verdaulichstes, Mainstream-Beatstrukturen am meisten abgewandteste Werk bis dato darstellt, erleben wir nun auf seinem vierten Studioalbum eine regelrechte Kehrtwende. „Volcanic Sunlight“ ist kein schweres Album, auch wenn es wie immer Schwere textlich zum Inhalt macht. Es ist eingängig, hat viele Rock-Strukturelemente, was für Williams nicht neu ist, aber vor allem: eine große Prise Pop. Viele Rhythmen sind absolut tanzbar („Explain My Heart“, „Dance“, „Girls Have More Fun“) und meloditechnisch single- und radiotauglich. Irritierend zunächst, dass dieses Album gefühlstechnisch quasi Freude bringt, verstandesmäßig aber wie immer die schwere des Lebens verhandelt wird. Nach eingehender Betrachtung wird aber deutlich, dass es Williams genau um diese Dichotomie menschlicher Existenz auf „Volcanic Sunlight“ geht. Wie eine Neuventilierung der Quintessenz des Blues, Leid durch künstlerische Verarbeitung in eine Form von Freude zu verwandeln, tanzt Williams nicht nur sinnbildlich auf dem Cover wie auf einem Vulkan. Catchy, so von Williams noch nie dargeboten bekommene Single-Songs („Dance”, „Rocket“, „Girls Have More Fun”) hier, neben Gänsehaut machenden Spoken Word-Passagen („Look To The Sun“, „Innocence“) da; der naive Tanz, der reflektierte Gedanke; das Gefühl und der Verstand: es sind die großen Gegensätzlichkeiten des Lebens, die Williams einander gegenüber positioniert. Mit Erfolg. „Volcanic Sunlight“ ist eine berauschende Achterbahnfahrt aus unterschiedlichsten Elementen, zugänglichen, künstlerischen, verkopften und selten auch wieder sperrigen (der Titeltrack und „Patience“).

Sein zweites, selbstbetiteltes Album aus dem Jahre 2004 mag ein herausragender Monolith einmaliger HipHop-Kultur bleiben, in seiner Sperrigkeit, Gewalttätigkeit, Schonungslosigkeit und nicht zuletzt Schönheit, doch der inzwischen in Paris lebende Saul Williams weigert sich seit dem konstant erfolgreich und jedes Mal aufs Neue in spannender Weise, einem bestimmten Prinzip zu folgen, berechenbar und kategorisierbar zu sein. Nach Industrial-Dunkelheiten mit Trent Reznor nun ein Aufforderung zum Tanz auf dem Ambivalenzvulkan. Stark.

Anspieltipps:

  • Look To The Sun
  • Explain My Heart
  • Dance
  • Triumph
  • Rocket
  • Girls Have More Fun
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