Soundtrack - Harry Potter And The Deathly Hallows: Part 2 - Cover
Große Ansicht

Soundtrack Harry Potter And The Deathly Hallows: Part 2


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 68 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

David Yates („The girl in the cafe“, „Sex traffic“) darf aufatmen. Der britische Regisseur und Drehbuchautor trat im Harry Potter-Franchise nicht nur in die Fußstapfen von Chris Columbus („Kevin - Allein zu Haus“, „Percy Jackson“), der die ersten beiden Harry Potter-Teile dirigierte, sondern durfte auch die Bürde tragen nach Alfonso Cuaron und Mike Newell auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, die an solch international gefeierten, kurzweiligen wie auch nachdenklichen Filmen wie „Children Of Men“, „Prince Of Persia“, „Y tu mama tambien“, „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ oder „Donnie Brasco“ beteiligt waren, während er lediglich im TV-Bereich unterwegs war. Nun, nachdem Yates mit den Verfilmungen zu „Harry Potter und der Orden des Phönix“ und „Harry Potter und der Halbblutprinz“ am Box Office zwar keine Einbußen davon trug, aber qualitativ der Filmserie nicht gerade zuträglich war (siehe z.B. Teil 5: dickstes Buch - kürzester Film), erhob er sich wie Phönix Fawkes aus seiner eigenen Asche und kredenzte der Fangemeinde des wohl bekanntesten Zauberschülers der Welt mit der in zwei Teile gespaltenen Kinoadaption des siebenten Bandes „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ein opulentes, dramatisches und im Vergleich zu den beiden Teilen zuvor, wesentlich stimmigereres Fantasyspektakel, das der Buchvorlage einigermaßen gerecht wurde.

Doch nicht nur optisch erfreut der Zweiteiler die Harry Potter-Fans, denn mit der Akquirierung des französischen Komponisten Alexandre Desplat („Die Queen“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „Der fantastische Mr. Fox“, „Der bunte Schleier“) knüpft der musikalische Output in punkto Ideenreichtum fast nahtlos an die nicht zu überbietenden Soundtracks von John Williams (Teil 1-3) an, der mit ikonenhaften Stücken wie z.B. „Hedwig´s theme“ die Welt Harry Potters greifbarer, erinnerungswürdiger und noch zauberhafter machte. Zum Abschluss des derart milliardenschweren Franchises hat sich Desplat jedenfalls ordentlich ins Zeug gelegt und hat mit dem von einer zerbrechlichen Frauenstimme getragenen „Lily´s theme“ sein ganz eigenes „Hedwig´s theme“ geschaffen, das stimmungsvoll die Pforten für „Harry und die Heiligtümer des Todes: Teil 2“ öffnet. Anschließend legt er jedoch gleich die Daumenschrauben an und jagt den Hörer durch aufbegehrende Achterbahnfahrten, die den Flucht- und Bedrohlichkeitscharakter des letzten Teils vorzüglich unterstreichen („The tunnel“, „Underworld“, „Gringotts“).

Man spürt förmlich wie alles auf den unvermeidlichen Showdown zwischen Harry und Voldemort hinaus läuft, was nicht nur an der epischen („Neville“, „Battlefield“) bzw. bombastischeren („The grey lady“, „Dragon flight“) Anlage der Desplat-Kompositonen, sondern auch an den mit viel Schmerz und Trauer vorgetragenen Streicherteppichen ersichtlich ist („Statues“, „Courtyard apocalypse“). Wie schon bei „Heiligtümer Teil 1“ schafft es der Franzose den Hörer selbst ohne den Film gesehen zu haben eine eigenständige Geschichte erleben zu lassen, was einerseits durch die geniale Einbettung vergangener Motive in die düstere Klanglandschaft passiert („In the chamber of secrets“, „Procession“) oder andererseits wegen des facettenreichen Einsatzes des kompletten Orchesters („The diadem“) plus eines subtil eingewobenen Chors („Broomsticks and fire“, „Panic inside Hogwarts“) für Spannung und Dramatik im Wohnzimmer sorgt.

Den einzigen Vorwurf, den sich Desplat gefallen lassen muss, ist der, ab dem melancholischen „Snape´s demise“ für einige Stücke in Ermangelung von besseren Ideen sich zu stark auf die fragile Frauenstimme aus „Lily´s theme“ und einen allzu behäbigen Duktus versteift zu haben, was zu einer viertelstündigen, vor sich hin mäandernden Moll-Kaskade führt, die erst vom wortwörtlich gemeinten Paukenschlag in „Neville the hero“ erlöst wird. Für den großen „Showdown“ greift der Franzose dann wieder ganz tief in seine Trickkiste und lässt zuerst ein Streichercrescendo an einem ruhigen Zwischenteil zerschellen, bis die Pauken und Bläser die Führung übernehmen und man schon vor „Voldemort´s end“ weiß, was es geschlagen hat. Mit dem Epilog „A new beginning“ versprüht Desplat dann eine zufriedene und glückselige Aura, die den Harry Potter-Fan, den normalen Kinogeher und den Kopfkino-Individualisten zufrieden in den Stuhl sinken lassen, während die Tränen aus dem Gesicht gewischt werden und man es angesichts dieses genialen Soundtracks nicht wirklich wahrhaben will, aber: Harry Potter ist zu Ende.

Anspieltipps:

  • Neville
  • Showdown
  • Underworld
  • The Diadem
  • Lily´s Theme
  • The Grey Lady
  • Neville The Hero
  • A New Beginning

Neue Kritiken im Genre „Filmmusik“
7/10

The Hunger Games: Mockingjay Part 1
  • 2014    
Diskutiere über „Soundtrack“
comments powered by Disqus