Trivium - In Waves - Cover
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Trivium In Waves


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine Evolution oder Revolution, dafür ordentlich auf die Zwölf!

Alle Wege führen zum Metalcore! Diese Weisheit haben nun auch die ehemaligen Shooting Stars des Genres am eigenen Leib zu spüren bekommen, denn nachdem mit dem verbesserungswürdigen Einstand „Ember To Inferno“ (10/2003) die Bombe geplatzt war und der Zweitling „Ascendancy“ (03/2005) kurzerhand einen Majordeal mit Roadrunner Records einsackte, waren die Meinungen beim stark am Thrash Metal der Marke Metallica angelehnten Machwerk „The Crusade“ (10/2006) mit Klargesang und gedämpfter Härte schneller gespalten als man Trivium sagen konnte. „Shogun“ (09/2008) tastete sich anschließend zwar wieder behutsam in die ursprünglichen Genregefilde zurück, stand sich aber meist wegen seiner bruchstückhaften Inszenierung selbst im Weg und verwirrte anstatt zu begeistern.

„In Waves“ braucht derartige Vorwürfe nicht über sich ergehen zu lassen, sondern zerstreut sämtliche Bedenken, Trivium könnten zu soft, zu progressiv oder einfach nur langweilig werden, nach dem obligatorischen Intro „Capsizing the sea“ sofort in alle Winde. Der eröffnende Titeltrack zeigt Matthew Heafy (Gesang, Gitarre), Corey Beaulieu (Gitarre), Paolo Gregoletto (Bass) und Nick Augusto (Schlagzeug), der für den ausgestiegenen Travis Smith hinzugekommen ist, nicht unbedingt von ihrer einfallsreichsten Seite, die druckvolle Paarung mit gepressten Shouts und donnerndem Schlagzeug-Riff-Gemisch lässt dennoch jeden schnurstracks aus den Socken segeln. „Inception of the end“ fackelt ebenfalls nicht lange herum, legt ein ordentliches Pfund Geschwindigkeit und Durchtriebenheit in den hymnischen Charakter des Tracks, sodass die wiederkehrende Zeile „Sacrifice all your fear“ schon nach dem ersten Durchlauf als Schlachtruf in den Ohren klingelt, bevor „Dusk dismantled“ als unbändiger Berserker aus der Anlage zischt und den letzten Funken Verstand aus dem besinnungslosen Opfer vor den Boxen prügelt.

Wäre die Platte hiermit zu Ende, es würde einen tiefen Kniefall vor den vier Jungs und vor allem vor Mr. Heafy geben, der seine Performance mit abgrundtiefen Growls und variablen Shouts um mehrere Level nach oben geschraubt hat. Dummerweise haben wir aber noch nicht einmal die Hälfte erreicht und schon schnalzen Trivium mit „Watch the world burn“ um die Ecke, das sich zu sehr auf seinen einprägsamen, jedoch inflationär eingesetzten Refrain verlässt und schnell zu nerven beginnt, was beim kurzweiligen „Black“ zwar nicht der Fall ist, mehr als ein kleiner Snack für Zwischendurch ist die wuchtige Nummer trotzdem nicht. Dann lieber das sprunghafte, mit Reminiszenzen an „Shogun“ ausgestattete „A skyline´s severance“, der astreine Vorschlaghammer „Forsake not the dream“, welcher zum heimlichen Höhepunkt von „In Waves“ avanciert oder der brachiale Arschtritt „Chaos reign“, der mal schnell alles in Schutt und Asche legt.

Als Wackelkandidat installiert das Vierergespann dafür „Caustic are the ties that bind“, das sich auch auf „The Crusade“ wohl gefühlt hätte, mit einem ruhigen Mittelteil und klassischeren Heavy Metal-Strukturen allerdings nicht jedermanns Sache sein dürfte. Leider haben Trivium damit noch nicht alles gesagt und meinen sie müssten (abgsehen von einem überflüssigen Outro namens „Leaving this world behind“) mit der Kommerznummer des Albums, „Built to fall“, die haarscharf an der Emocore-Kategorisierung vorbei schrammt, die Würgereflexe des Hörers strapazieren und die Ballade „Of all these yesterdays“ in besonders pathetische Schunkeloptik hüllen. Hier wäre weniger mal wieder sinnvoller gewesen. Da Trivium aber noch nie wirklich wegen ihres Stehvermögens bekannt waren, kommt dieses Manko nicht wirklich überraschend, sondern kann schon fast als paradigmatisch gelten. Heafy & Co. haben mit „In Waves“ einfach ein buntes Paket geschnürt, das sich vorrangig die drückende Sturm- und Drangattitüde von „Ascendancy“ zum Vorbild nimmt, mehrere Knaller, aber auch einige Blindgänger beherbergt und über weite Strecken mächtig Laune macht. Keine Evolution oder Revolution, dafür ordentlich auf die Zwölf!

Anspieltipps:

  • In Waves
  • Dusk Dismantled
  • Inception Of The End
  • A Skyline´s Severance
  • Forsake Not The Dream

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