Fucked Up - David Comes To Life - Cover
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Fucked Up David Comes To Life


  • Label: Matador/INDIGO
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Endlich tut sich wieder was im Hause Punkrock. Woran Green Day nur scheitern konnte, vollbringt eine Krachkombo aus Toronto, die die Masse nicht kennt: eine gelungene, staunend machende, unglaublich opulente Rock-Oper hinzulegen.

Wie jetzt? Fucked Up, die kompromisslose Hardcore-Truppe aus Kanada mit den drei Riff-Gitarren, 2-minütigen alles in Grund und Boden prügelnden Songs und dem charismatischen, dickbäuchigen Sänger und Bandleader Damian Abraham aka Pink Eyes zusammen mit Begriffen wie Opulenz und Oper? Ganz recht. Das dritte Album der Band mit den tausend Vinyl-Singles und EP’s wagt und gewinnt. Die Herangehensweise ist dabei eine gänzlich andere geworden, als bisher bei Fucked Up bekannt: die Melodien der Gitarren tragen auf „David Comes To Life“ die Songs und verlängern sie somit regelmäßig auf die Marke 4 oder mehr Minuten. Insgesamt 78 Minuten werden wir von prügelnden Rhythmen und sengenden, mal kalifornische, mal britische Reminiszenzen anschlagenden, hochmelodiösen Riffläufen an die Wand gedrückt. Dazu Abrahams ewig heisere, rotzig-robuste Schrei-Stimme und der wohltemperierte stimmliche Einsatz von Bassistin Sandy Miranda, der einige Stücke in Duett- oder Call-and-Response-Manier aufzufrischen versteht, und fertig ist eine an kalifornische Sonnenuntergänge erinnernde Ästhetik voller Wärme, Kraft, Energie und Erzählwillen.

À propos Erzählen. Dass besondere an Fucked Ups dritten Album sind aber nicht allein die bereits erwähnten Vorzüge, es ist zuvorderst der kompositorisch gelungene Bau einer echten, zusammenhängen Rock-Oper, wie sie nur wenige, allen voran The Who, hinbekommen haben. In vier Akten wird eine, tatsächlich durch Songs immanent verbundene, tragische Liebesodyssee eines fiktiven Davids in einer fiktiven britischen Stadt erzählt, der sich verliebt, doch seine große Liebe an den schicksalhaften Wendungen des Lebens und eines fiktiven Krieges verliert. Alle Songs tragen exakt drei Worte in ihrem Titel und auch dramaturgisch wurde mit Glück, Pech, Wut, Angst, Ohnmacht und Katharsis jeder Spannungsbogen geschlagen. Dem Booklet kommt zum inhaltlichen Verständnis der Geschichte hier mal eine erhöhte Bedeutung zu, zumal sich das heisere Geschrei Abrahams öfter in verständigungsmäßige Nirvana verabschiedet.

„David Comes To Life“, diese tragische Geschichte vorgetragen mit energischer Penetrierung, macht atemlos, staunend und Respekt bekundend. Fucked Up, die 2009 den wichtigsten kanadischen Musikpreis, den Polaris Music Prize, gewannen, und das als Punk-/Hardcore-Band (!), haben mit „David Comes To Life“ die vielleicht beste Punkrockplatte seit Jahren abgeliefert.

Anspieltipps:

  • The Other Shoe
  • One More Night
  • Turn The Season
  • Queen Of My Hearts
  • Running On Nothing
  • Ship Of Fools

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