Dave Depper - The Ram Project - Cover
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Dave Depper The Ram Project


  • Label: Jackpot Records/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Cover me softly. 40 Jahre nach dem Erscheinen von Paul McCartneys zweitem Soloalbum „Ram“, überrascht der bis dato unbekannte Musiker Dave Depper aus Portland, Oregon mit einer kompletten Neubearbeitung des Werks als „The Ram Project“.

Die Beatles waren gerade frisch getrennt, der ein oder andere böse Ton durchstreifte Interviews und Presseartikel, „Too Many People“, „Dear Boy“, „The Back Seat Of My Car“ beispielsweise sollen aufgrund angeblicher versteckter Verbalattacken für Missstimmung bei John Lennon gesorgt haben. Linda McCartney wurde als Co-Songschreiberin erstmals aufgeführt und, wie Yoko Ono, reichlich angefeindet für ihren ach so schädigenden Einfluss. Das Album fiel bei der Kritik verheerend durch, aber wurde nichtsdestotrotz ein kommerzieller Erfolg. 40 Jahre – viel ist geschehen seither. McCartneys „Ram“ ein Zeugnis einer inzwischen vergangenen Pop-Epoche.

Da kommt Multi-Instrumentalist Dave Depper, beheimatet in Portland, Oregon, dem unangefochtenen Indie-Pop-Mekka der letzten Jahre (ein kleiner Auszug: Modest Mouse, Menomena, Tu Fawning, Portugal. The Man, Gossip, The Thermals, Built To Spill, The Decemberists, The Dandy Warhols, The Shins, Elliot Smith), um dieses museal gewordene Stück Pop-Geschichte neu einzuspielen. Von Depper weiß man nicht viel mehr, als dass er als Live- oder Studio-Musiker für The Decemberists, Norfolk & Western (wo auch Efterklangs Peter Broderick mitmischt), Jolie Holland und Musee Mecanique tätig war. Genauere Gründe für die Neubearbeitung McCartneys Zweitwerk verrät sein Label nicht, wohl aber, dass „The Ram Project“ von Depper komplett im Alleingang aufgenommen wurde, und zwar in seinem Schlafzimmer.

Das Projekt bleibt nah am Original, atmet nicht die Cover-Kunst Cat Powers, welche den Vorlagen beängstigend neues und intimes Leben einhaucht, aber ist dennoch gelungen. Depper singt und spielt sich erfolgreich hinein in das emotionale Gebilde von „Ram“, erschafft somit einen Tonträger der klingt, als stamme er aus längst vergangenen Zeiten und trägt es auf seine Art vor, das mag nicht ausreichen für die Lobpreisung als große eigenständige Schöpfung, ist aber trotzdem okay. Depper beschwört einfach erfolgreich den McCartney’schen Spirit of ’71, mit den Mittel zweier bloßer Hände, wo der zum Ritter geschlagenen Pilzkopf eine handvoll Studio- und auch Orchestermitglieder bemühte in zwie verschiedenen New Yorker Tonstudios. Depper schafft nichts Neues, mag sein, aber was er geschaffen hat, ist trotzdem gut.

Anspieltipps:

  • Uncle Albert/Admiral Halsey
  • Too Many People
  • 3 Legs

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