Primus - Green Naugahyde - Cover
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Primus Green Naugahyde


  • Label: ATO/Soulfood
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Pünktlich zum Ausklang der 90er Jahre hatten die Herren um Les Claypool in Sachen Studioalben erst mal Schluss mit lustig gemacht. Der Ruf als Alternative-Ikone war hinreichend gefestigt und nach bis dato ca. 15 Dienstjahren vielleicht auch ein nachvollziehbarer Zeitpunkt für eine Auszeit. Nun ist tatsächlich schon wieder mehr als ein Jahrzehnt seit dem letzten Longplayer ins Land gezogen und die Freak Show geht weiter.

Viel geändert hat sich dabei nicht. Vielmehr knüpft das Trio in gewisser Weise an die Frühwerke an. Da wird gewohnt virtuos und leicht durchgeknallt alles gegeben, was aus Saiten und Fell so herauszuholen ist. An der Schießbude sitzt übrigens mit Jay Lane ein alter Bekannter, der Ende der 80er schon mal für eine kurze Zeit den Takt vorgab und hier auch eine technisch absolut überzeugende Vorstellung gibt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber natürlich Bassgitarren-Monster Claypool selbst, der wahrscheinlich ganze Heerscharen von Bassern oder solchen, die es werden woll(t)en beeinflusst hat. Die eine Hälfte hat das Bassspielen wohl angefangen, mit dem Ziel genauso gut wie Claypool zu werden, während die andere Hälfte das Bassspielen vermutlich gar nicht erst probiert hat, weil es völlig aussichtslos erscheint, auch nur annähernd ähnliche Dimensionen erreichen zu können. Neben funky Slap-Bass-Daueralarm ist Claypool aber natürlich auch für seinen prägnanten Nasalgesang bekannt. Leider gerät jedoch gerade der hier auf Dauer etwas anstrengend, denn der Frontmann scheint mehr Spaß als je zuvor dabei zu haben, mit sich selbst im Chor zu näseln, grunzen, quaken und jauchzen. Das hat er auch schon mal cooler gemacht.

Bleibt also vor allem die Musik, und es macht natürlich nach wie vor Spaß, zu hören wie die Band sich in ihrer eigenen Psycho-Nische austobt und sich in keiner Weise um Konventionen schert. Für ungeübte Primus-Hörer ist das nicht immer leichte Kost, während alte Fans vermutlich auf ihre Kosten kommen. „Lee van Cleef“ und „Tragedy’s a‘ Comin‘“ sind auch schon fast die einzigen Beispiele für halbwegs leicht nachvollziehbare Songstrukturen. Stellenweise erinnern sie an ziemlich frühe Taten der Red Hot Chili Peppers, die es sich ja inzwischen im Pop-Mainstream gemütlich gemacht haben. Im Gegensatz zu letztgenannten zu letztgenannten haben Primus jedoch wahrlich keine ähnliche Anbiederung an den Mainstream vollzogen.

Green Naugahyde fügt sich durchaus in das bisherige Schaffen ein, jedoch bleibt die Frage nach der Notwendigkeit ein Stück weit unbeantwortet und man wird das Gefühl nicht los, dass Primus irgendwie in den 90ern schon alles gesagt habe. Großer Sport sind aber zweifelsohne die sinnfreien Titel à la „Eyes Of The Squirrel“ und „Last Salmon Man“, wie sie so nur die Spaßvögel von Primus liefern. Herrlich …

Anspieltipps:

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