Edguy - Age Of The Joker - Cover
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Edguy Age Of The Joker


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Age Of The Joker“ ist sicherlich nicht das stärkste Album der fünf Herrschaften aus Fulda, aber es gibt ausreichend Gründe, um von einem souveränen Werk zu sprechen.

Ein paar Monate vor ihrem 20jährigen Jubiläum melden sich Edguy mit ihrem zehnten Studioalbum zurück. Ganz in der Tradition der letzten Veröffentlichungen „Rocket Ride“ (01/2006) und „Tinnitus Sanctus“ (11/2008) erwartet den Hörer eine gelungene Mischung aus zupackenden Hardrock-Riffs, die melodische Attitüde der NWOBHM-Bands (Saxon, Judas Priest, Iron Maiden) und das typische Augenzwinkern, das die fünf Herrschaften Tobias Sammet (Gesang), Jens Ludwig (Gitarre), Dirk Sauer (Gitarre), Tobias Exxel (Bass) und Felix Bohnke (Schlagzeug) über die Jahre perfektioniert haben. Was nichts anderes als einem Blindkauf für alle Die Hard-Fans gleich kommt, ist für die schwerer zu begeisternde Hörerschaft eine Frage der Prioritäten. Will man von einem Edguy-Werk unterhalten oder zu eigenen Taten angespornt werden?

Zählt man sich selbst zu letzterem Lager, so dürfte „A Dramatic Turn Of Events“, das mittlerweile elfte Album der Progressive Metal-Band Dream Theater, das in zwei Wochen erscheint, wohl die bessere Wahl sein, denn „Age Of The Joker“ bietet weder sonderlich überraschende Wendungen oder gar außergewöhnliche Fingerfertigkeiten. „Age Of The Joker“ ist einfach Edguy. Ohne seltsame Experimente, wahnwitzigen Stilüberschneidungen oder ausufernden, viertelstündigen Longtracks. Das klingt erstmal ziemlich langweilig und ist es auch nach den ersten paar Durchgängen, aber Sammet & Co. verstehen es den Hörer mit ansprechender Vielfalt an den neuen Longplayer zu binden. So scheint z.B. „Robin Hood“, der mit über acht Minuten den ersten von zwei längeren Nummern stellt, anfänglich ein episch angelegter, mit mitsingtauglichem Refrain ausgestatter Saxon-Ripoff zu sein, der sich mit jedem weiteren Mal zu einem prächtigen Heavy Metal-Stampfer steigert, der letzten Endes das aktuelle Werk der Byford-Truppe sogar zu überflügeln vermag.

Dieses Niveau kann die Platte zwar nicht auf Dauer halten und würde sich mit durchschnittlichen Kompositionen wie „Rock of Cashel“, das gerade noch durch einen Schwenk ab der Hälfte in abgelegene Folkgegenden gerettet wird, dem durchwachsenen, zweiten Longtrack „Behind the gates to midnight world“, der flotten, aber allzu oberflächlichen Synthienummer „Breathe“, dem lieblosen 08/15-Rocker „Nobody´s hero“ und der abgrundtief schlechten, wie auch schmalzigen Schmachtballade „Every night without you“ selbst ein Armutszeugnis ausstellen, doch zum Glück bleibt es nicht bei diesen Fehlgriffen. Der Song „Pandora´s box“ besticht nämlich nicht nur durch traditionelle Edguy-Mehrstimmigkeit und garantierte Livetauglichkeit, sondern bleibt auch durch staubigen Country-Touch spannend, „Faces in the darkness“ lässt den Abgang der Scorpions aus dem Musikgeschäft besser verkraften und „The arcane guild“ rauscht als saftiger Power Metal-Kracher mit Hammond Orgel aus den Boxen und mausert sich zu einer knalligen Hymne, während „Fire on the downline“ ins Balladenfach wechselt, sich aber ganz nach Europe die Power behält und so ein emotional-packendes Stück aus den Lautsprechern perlen lässt.

Bei „Two out of seven“, in dem es humorvoll um die abweisende Angebetete geht, handelt es sich dafür um eine Mischung aus Füllmaterial und ziemlich fiesen Ohrwurm, was vor allem an der stets mitsummtauglichen Anlage des Tracks liegt. Abgesehen davon bringt der Song aber noch etwas ganz anderes auf den Punkt, nämlich die sicherlich schwankende Bewertung des neuen Edguy-Albums: Wird es für die einen bei einem schwachen „2 von 7“ bleiben, so dürften manch andere sicher von der vollen Punktzahl reden. Wir sagen, „Age Of The Joker“ ist sicherlich nicht das stärkste Album der fünf Herrschaften aus Fulda, aber es gibt ausreichend Gründe, um von einem souveränen Werk zu sprechen.

Anspieltipps:

  • Robin Hood
  • Pandora´s Box
  • Fire On The Downline
  • Faces In The Darkness

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