Memories Of Machines - Warm Winter - Cover
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Memories Of Machines Warm Winter


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Giancarlo Erra trifft auf Tim Bowness, oder Nosound auf No-Man. Die Analogie der Bandnamen ist ja schon beachtlich, eine Schnittmenge sofort zu erkennen, aber wer die Musik kennt, weiß um die Qualität dieser Herren, die eine dahingleitende Fusion aus atmosphärischen und sanft melodischen Bögen ergeben dürfte. Genau das trifft auf Memories Of Machines auch zu. Gut fünf Jahre haben die beiden an „Warm Winter“, ihrem ersten gemeinsamen Album, gearbeitet und immer wieder die Pausen der Hauptbands genutzt um neue Songs zu komponieren. Erstaunlicherweise ist die lange Entstehungsphase dem Album gar nicht anzumerken. Es ist aus einem Guss und versinkt in seiner eigenen wundervoll intimen Stimmung, die durch Bowness fragilen, melancholisch langsamen Gesang und Erras typische verträumte Klangkollagen entsteht. Absolut zeitlose Musik zum Abtauchen.

Es sind die kleinen und feinen Gegebenheiten, die den Songs eine Differenzierung verleihen und einige in leicht auffälligerem Licht erstrahlen lassen. Darunter einige sehr schöne Gitarrensoli („Before We Fall“ oder „Change Me Once Again“), eine im seichten Jazzstil fast gehauchte Trompete („Lost And Found In The Digital World“) oder traurig langsam schwingende Cellosaiten („Beautiful Songs You Should Know“). Überall verstecken sich Beiträge von illustren Genregrößen wie Peter Hammill, Robert Fripp oder Steven Wilson. Wenn mehrere solcher Elemente aufeinandertreffen, entstehen die richtig besonderen Momente des Albums, wie „Before We Fall“ oder „Schoolyard Ghosts“ (dessen Titel dem letzten No-Man Album entspricht), die das durchweg gute Niveau des Albums nochmals aufwerten.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde hangelt sich „Warm Winter“ an einem roten Faden entlang, einem Faden der scheinbar unter Wasser verläuft. Es ist als ob die beiden Musiker sich langsam und behutsam an diesem Faden aufeinander zubewegt haben, der eine aufwärts zur Oberfläche, der andere abwärts zum Grund. Getroffen haben sie sich ziemlich genau in der Mitte des Weges, so dass eine perfekte Balance zwischen ihnen, also der Musik und dem Gesang, entstanden ist. Da haben wir sie wieder, die Schnittmenge, nur diesmal auf der musikalischen Ebene. Die beiden harmonieren ganz fabelhaft, Bowness macht die Musik von Erra greifbarer und interessanter, verleiht ihr einen größeren Tiefgang und reduziert damit ihre atmosphärische Monotonie, während Erra die Stimme von Bowness mit der richtigen Stimmung untermalt. Beides existiert gleichberechtigt nebeneinander, ist aber doch viel mehr als eine Koexistenz.

Anspieltipps:

  • Before We Fall
  • Change Me Once Again
  • Lost And Found In The Digital World
  • Schoolyard Ghosts

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